Handy aufladen und fernsehen? Der Solarkiosk in Afrika macht’s möglich

Um das kleine Dorf Ngoswani zu erreichen, ist eine stundenlange Reise mit einem Fahrzeug durch Nairobi, der Hauptstadt von Kenia, nötig. Für das Elektrizitätsproblem in Ngoswani mit seinen 2000 Einwohnern wurde eine interessante Lösung gefunden – der „Solarkiosk“. Als solcher fungiert eine kleine Hütte, deren Dach mit Solarzellen bedeckt ist. Die Dorfbewohner kommen in diese Hütte und laden ihre Handys auf, sehen fern oder benutzen den Kühlschrank, um ihre Lebensmittel und ihre Medizin aufzubewahren.

Die Vertreterin der Solarkiosk GmbH mit Sitz in Berlin, Rachna Patel, erklärt, dass die Kioske sich zu einem sozialen Treffpunkt entwickelt haben: „Diese Einrichtungen sind auch in einer sozialen Hinsicht attraktiv. Hier kommen die Dorfbewohner zusammen und sind sich bewusst, dass sie hier TV gucken, ihre Handys aufladen und sogar von hier aus einkaufen können. Der Solarkiosk ist ein sozialer Raum.“

Rachna Patel, geboren in Kenia, studierte in St. Gallen Jura. Im Jahre 2010 kehrte Patel zurück nach Nairobi und arbeitete eine Weile als Anwältin. Sie machte 2012 Bekanntschaft mit dem Team des „Solarkiosks“. Weil dessen Kioskidee sowohl Bedürftigen Hilfe bietet als auch ein großes Potenzial besitzt, entschied sich Patel, selbst zum Teil dieses Projekts zu werden.

Die Teile stammen aus Deutschland

Zusammen mit acht anderen Kollegen organisiert Patel kontinuierliche Gruppenfahrten durch Kenia, um Dörfer zu ermitteln, die einen Solarkiosk benötigen könnten.

Solche Dörfer müssen einige Kriterien erfüllen. Sasha Kolopic, der Marketing-Direktor der Berliner GmbH, erklärte, dass den Kriterien zufolge in der Umgebung keine Stromleitung und mindestens 300 Häuser vorhanden sein müssen.

Die Teile für den Kiosk kommen aus Deutschland und können problemlos weltweit überall hin transportiert werden. Sind die Teile am Ziel angelangt, sind die örtlichen Vertreter in der Lage, problemlos die Stromversorgungsquelle zu errichten. An diesen Solarkiosken werden außerdem noch Produkte wie Solarlampen und -batterien, Seife und Reis verkauft.

Kolopic erklärt, dass der Betreiber des Kiosks jemand sein sollte, der in der Region von den Menschen beachtet und respektiert wird, diese gut kennt und in der Lage ist, ihnen zu erklären, wie das System funktioniert. Ist der Betreiber ein Ausländer, würde das Auftragsvolumen nicht so leicht wachsen.

Existenzgründungschance in Kooperation

Im Allgemeinen werden die Solarkioske auch nicht von einer Person alleine betrieben, sondern von mehreren Personen gemeinsam bewirtschaftet. Somit schaffen die Kioske an den Orten, an denen sie sich befinden, auch Arbeitsplätze.

Rachna Patel, die nun Kenia-Repräsentantin der Firma ist, teilt mit, dass viele Menschen vor Ort nicht in der Lage sind, alleine ein Unternehmen zu gründen. Somit ist dieses Projekt eine große Chance für diejenigen, welche dennoch auf eigenen Beinen stehen wollen. Derzeit befinden sich in Kenia fünf und in Äthiopien sieben Solarkioske. Das nächste Zielland ist Botswana.

Marketingleiter Sasha Kolopic machte außerdem darauf aufmerksam, dass vor allem in ländlichen Gebieten die Elektrizitätsversorgung mit traditionellen Stromleitungen sehr schwierig und teuer sei. Auf dem afrikanischen Kontinent haben 800 Millionen von Menschen keinen Zugang zu Elektrizität.

Jemand, der in Kenia ein seinem Haus eine Elektrizitätsversorgung aufbauen möchte, müsse um die 700 Euro investieren. Für viele Kenianer sei es kaum möglich, einen solchen Betrag aufzubringen. Die Solarkioske hingegen seien diesbezüglich sowohl günstig als auch umweltfreundlich.

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