Ägypten: Keine Angst vor dem säkularen Staat

Der türkische Präsident Abdullah Gül bekräftigte die Aufforderung der Türkei an Ägypten, zusammen mit anderen muslimischen Ländern sich nicht vor zu dem Säkularismus zu fürchten und das politische System, welches die Religion vom Staat trennt, anzunehmen.
„Unglücklicherweise basiert die Interpretation des Säkularismus in den arabischen Ländern sowie in den Maghreb-Ländern auf der französischen Auslegung des Laizismus, einem “ Jakobiner Modell“ das eine Art von irreligiosität verhängt“, sagte Gül dem „Christian Science Monitor“ bei seinem Besuch in den USA.

Gül sagte weiterhin, dass der Begriff Säkularismus in den muslimischen Gemeinden in diesen Regionen oft missverstanden wird, weil der Säkularismus mit dem französischen Modell in Verbindung gebracht würde.

Die türkische Regierungspartei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP), gilt als ein erfolgreiches Beispiel für die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie und hat sich zu einem vorbildhaften Modell für einen Großteil der ägyptischen Muslim-Bruderschaft und anderen politischen Gruppen, wie die lange verbotene „Ennahda-Bewegung“ in Tunesiens entwickelt.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sprach bei seinem Besuch in Ägypten im September letzten Jahres über den Säkularismus, und sagte, dass die Türkei lieber ein Modell des Laizismus vorzieht welches nicht identisch ist mit dem „angelsächsischen oder westlichen Modell“. „Individuen können nicht säkular sein, Staaten schon. Ein gläubiger Moslem kann erfolgreich einen säkularen Staat regieren „, sagte Erdogan.

Erdoğans Bemerkungen verursachte Empörung in manchen Kreisen in Ägypten. Erdogan sagte daraufhin später, seine Bemerkungen über den Säkularismus seien falsch übersetzt worden.

Erdoğan erwähnte nach seinem Besuch in Ägypten während einer Rede über den Säkularismus in Tunesien, dass seine Verwendung des Begriffs „Säkularismus“ als „Irreligiosität“ in Ägypten übersetz wurde, welches eine Verwirrung unter den Arabern hervorgerufen hatte. Er sendete eine Erklärung an die Muslim-Bruderschaft und sagte seine Worte seien aufgrund eines Fehlers in der Übersetzung missverstanden worden.

Erdogan wurde daraufhin nach seinen Bemerkungen zum Säkularismus in Libyen, die er während seiner „arabischen Frühlings Tour“ tätigte gefragt, und antwortete daraufhin, dass es beim Säkularismus nicht darum gehe, ein Feind der Religion zu sein.

Gül sagte im Interview mit dem amerikanischen Magazin „Christian Science Monitor“, dass es sich bei der praktischen Umsetzung des Säkularismus in den arabischen Maghreb-Ländern, in Wirklichkeit um einen Kampf gegen den Islam handelte der im Namen des Säkularismus geführt wurde.

„Also, sollten wir diese Empfindlichkeiten verstehen“, unterstrich Gül.

Der türkische Präsident fügte hinzu, dass die Menschen sich mit der angelsächsischen Interpretation des Säkularismus, wie sie in den Vereinigten Staaten oder im Vereinigten Königreich praktiziert wird, wohl fühlen sollten. Er sagte, diese Art der Interpretation bedeutet eine Trennung von Staat und Religion, die eine gleiche Distanz und Neutralität zu allen Religionen aufrecht erhalten möchte und damit gleichzeitig als Hüter für alle Glaubensrichtungen fungiert. Er sagte weiterhin, dass dieses Konzept auf dem Respekt vor allen Glaubensrichtungen und der Koexistenz von mehreren Überzeugungen beruht.

„Ich kann Ihnen aus meinen Gesprächen mit den Führern in Ägypten oder Tunesien sagen, dass die Menschen dort offen sind für das angelsächsische Modell einer „weltlichen Regierung“. Der türkische Präsident fügte hinzu, dass die Führer auch verstehen, dass wir uns in der Türkei auf die Grundfreiheiten konzentrieren.“

„Und die Freiheit, die eigene Religion zu praktizieren, ist eine der grundlegendsten Freiheiten“.

„Wir heben lediglich die Barrieren dafür auf, das ist alles.“
(Today’s Zaman)