Ägypten sucht einen Präsidenten – 13 Namen stehen auf dem Stimmzettel

Kairo (dpa) – Die Wahlkommission hat 13 Kandidaten zur Wahl zugelassen. Da viele Ägypter nicht lesen können, wurde jedem Bewerber ein Symbol zugeordnet, das auch auf den Wahlzettel aufgedruckt sein wird. Die besten Chancen haben nach jüngsten Umfragen die Kandidaten Mussa, Abul Futuh, Schafik, Mursi und Sabbahi:

AMRE MUSSA (75): Der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga gilt als aussichtsreicher Kandidat im Rennen um das höchste Amt. Er war unter Langzeitpräsident Husni Mubarak zehn Jahre lang Außenminister. Seine kritische Haltung gegenüber Israel trug ihm damals viel Lob vom «Mann auf der Straße» ein. Schließlich «entsorgte» Mubarak den Minister, der ihm zu populär geworden war, indem er ihn zur Arabischen Liga schickte. Deren Vorsitz übernahm Mussa 2001. Der Karrierediplomat, über dessen faltiges Gesicht die Ägypter im Wahlkampf Witze machten, ist ein Arbeitstier. Er hat wenig Geduld und verlangt von seinen Mitarbeitern Höchstleistungen. Sein Verhältnis zu den islamistischen Parteien, mit deren Ideologie er wenig anfangen kann, ist distanziert. Seine Konkurrenten attackierten den liberalen Politiker im Wahlkampf als «Überbleibsel des Mubarak-Regimes».

ABDEL MONEIM ABUL FUTUH (60): Das ehemalige Führungsmitglied der Muslimbruderschaft
ist bürgerlich, konservativ und fromm – damit liegt er im neuen Ägypten voll im Trend. Der beruflich erfolgreiche Arzt hatte sich im vergangenen Sommer ohne die Zustimmung seiner Organisation als unabhängiger Kandidat ins Spiel gebracht und wurde daraufhin ausgeschlossen. Denn die Muslimbrüder hatten damals vereinbart, keinen eigenen Bewerber zu benennen. Liberale Ägypter vermuten allerdings, dass sein «Zerwürfnis» mit der Führung der Muslimbruderschaft ein inszeniertes Spektakel war, um ihn auch für bürgerliche Ägypter außerhalb des religiösen Lagers wählbar zu machen. Sie gehen davon aus, dass Abul Futuh, falls er gewinnen sollte, in den Schoß der Islamisten-Bewegung zurückkehren wird. Viel Mitgefühl erntete er im Februar, als er von Räubern überfallen und zusammengeschlagen wurde. Obwohl sich Abul Futuh moderater positioniert hat als der offizielle Kandidat der Muslimbrüder, unterstützt ihn die Partei der radikal-islamistischen Salafisten, deren Kandidat von der Wahlkommission ausgeschlossen wurde.

AHMED SCHAFIK (70): Nach einer Karriere in der Luftwaffe wurde Schafik 2002 von Mubarak zum Minister für Zivilluftfahrt ernannt. Da sein Ruf weniger schlecht war als der anderer korrupter Elemente des alten Regimes, machte ihn Mubarak am 29. Januar 2011 – vier Tage nach Beginn der Massenproteste – zum neuen Regierungschef. Doch die Rechnung ging nicht auf. Mubarak trat schließlich zurück und der Oberste Militärrat, der im Februar die Macht übernahm, setzte Schafik am 3. März wieder ab. Aus Sicht der sogenannten Revolutionsjugend ist Schafik ein «Überbleibsel des alten Regimes». Er gilt als Kandidat des Militärs, das ihn angeblich benutzen will, um seine Pfründe zu sichern. Was Schafiks Chancen schmälern könnte, ist ein noch ausstehendes Urteil darüber, ob seine Kandidatur überhaupt rechtmäßig ist. Denn das inzwischen von Islamisten dominierte Parlament hatte ein Gesetz verabschiedet, das Spitzenfunktionäre des alten Regimes zehn Jahre lang vom politischen Leben ausschließt.

HAMDIEN SABBAHI (57): Der charismatische Gründer der sozialistisch-nationalistischen «Partei der Würde» (Al-Karama) ist der einzige bekannte Kandidat mit einem klaren linken Profil. Sabbahi kommt aus einfachen Verhältnissen. Der ehemalige Parlamentarier hat wegen seiner politischen Aktivitäten im Gefängnis gesessen. Er wirbt um Wählerstimmen, indem er sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt. Sabbahi tritt als unabhängiger Kandidat an und hat viele Unterstützer in der unteren Mittelschicht. Die Wahlkommission hat ihm den Adler als Symbol zugeordnet. Wegen seines grauen Haarschopfes, der selbst im wüstesten Protestgetümmel immer akkurat gekämmt aussieht, scherzten die Ägypter jedoch im Wahlkampf: «Hamdien Sabbahi – der Kandidat mit dem Föhn als Symbol.»

MOHAMMED MURSI (60): Die Muslimbruderschaft hatte ursprünglich behauptet, sie wolle gar keinen eigenen Kandidaten aufstellen. Dann zauberte die Islamisten-Bewegung doch noch einen Kandidaten aus dem Hut. Als dieser aus formalen Gründen von der Wahlkommission ausgeschlossen wurde, sprang Mursi ein. Der Ingenieur saß für die Muslimbrüder von 2000 bis 2005 im Parlament. 2011 wurde er Vorsitzender der neuen Partei der Bruderschaft (Partei für Freiheit und Gerechtigkeit). Mursi gehört dem konservativen Flügel der Bewegung an. Er gilt als uncharismatisch und wirbt für eine «islamische Renaissance».

HISCHAM AL-BASTAWISI (60): Der prominente Richter genießt in der Bevölkerung großen Respekt, hat aber keine politische Erfahrung. Der stellvertretende Vorsitzende des Kassationsgerichts legte sich unter Mubarak mit der Regierung an, indem er für eine unabhängige Justiz kämpfte.

MOHAMMED SELIM AL-AWA (69): Der Autor ist von Beruf Anwalt. Seine Chancen sanken mit der Nominierung von Mursi, der eine große Organisation hinter sich hat und ähnliche Positionen wie Al-Awa vertritt.

CHALiD ALI (40): Der Menschenrechtsaktivist und Anwalt wirbt vor allem um die Stimmen der jungen Ägypter. Er kämpft gegen Korruption und für die Rechte der Arbeiter.

ABDULLAH AL-ASCHAAL (67): Der Professor und ehemalige Vize-Außenminister hat neben seinen verschiedenen Tätigkeiten als Diplomat und Anwalt auch Interesse an Fragen des Islam gezeigt. Als sich abzeichnete, dass er selbst nicht genügend Stimmen erhalten würde, legte er seinen Anhängern nahe, für den Kandidaten der Muslimbrüder zu stimmen.

MAHMUD HOSSAM GALAL (47): Dem ehemaligen Polizeioffizier und Geschäftsmann wird nachgesagt, seine Unterstützer kämen aus dem Lager der inzwischen verbotenen Nationaldemokratischen Partei von Präsident Mubarak.

ABUL ESS AL-HARIRI (66): Der Sozialist ist ein ehemaliger Parlamentarier aus Alexandria.

AHMED HOSSAM CHAIRALLAH (67): Kandidat der Demokratischen Friedenspartei. Chairallah machte erst im Militär Karriere, bevor er zum Geheimdienst wechselte.

MOHAMMED FAUSI (67): Der Anwalt und ehemalige Polizeiermittler hatte sich, als die Stimmzettel schon gedruckt waren, entschieden, seine Kandidatur zurückzuziehen. Sein Name steht zwar noch auf dem Papier. Er unterstützt jetzt aber Mussa.