Also doch: Verfassungsschutz hatte V-Mann im NSU-Umfeld

München/Erfurt – Der ehemalige Präsident des bayrischen Verfassungsschutz, Gerhard Forster, hatte Anfang Oktober im Rahmen seiner Aussage vor dem NSU-Untersuchungsausschuss ausdrücklich bestritten, dass seine Behörde einen V-Mann im Umfeld des späteren Terror-Trios geführt habe. Er wird sich nun ein zweites Mal vor dem Untersuchungsausschuss begeben und erklären müssen, wieso er diese Informationen zurückhielt.
Berichten der „Thüringer Allgemeinen“ und des Bayerischen Rundfunks (BR) zufolge führte die Behörde über mehrere Jahre einen bekannten fränkischen Neonazi als Informanten. Dieser habe seit 1994/95 auch direkten Kontakt zu den späteren mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gepflegt, berichtet die Zeitung. Sie beruft sich dabei auf ein einst führendes Mitglied des rechtsextremen „Thüringer Heimatschutzes“.

Nach einem BR-Bericht soll der fränkische V-Mann zudem Aufbauhilfe für die rechte Szene in Thüringen betrieben und Propagandamaterial in großem Stil in den Freistaat gebracht haben. Er galt als Betreiber des im Jahr 1993 entstandenen, neonazistischen Thule-Netzes, das mit in der rechtsextremen Szene kursierenden Bombenbau-Anleitungen in Verbindung gebracht wurde. Das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz wollte sich dazu am Dienstagabend nicht näher erklären. Behördensprecher Markus Schäfert spielte den Ball an die Parlamentarische Kontrollkommission weiter: „Zu Fragen des V-Mann-Einsatzes können wir uns nicht öffentlich äußern. Dafür gibt es Gremien, die sich mit solchen Dingen befassen.“

Nach Informationen des Bayrischen Rundfunks liegen auch dem Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags Hinweise darauf vor, dass der fränkische Neonazi Quelle des Verfassungsschutzes gewesen sei. Der Ausschuss forderte daher am Dienstag, den Ausschussmitgliedern sämtliche Akten über den fränkischen V-Mann und dessen Computernetzwerk zur Verfügung zu stellen. (dpa)