An der Grenze zu Syrien, an der Grenze zum Krieg

Syrische Kampfjets haben am Dienstag erneut den von Aufständischen kontrollierten Grenzort Ras al-Ain angegriffen. Türkische Medien berichteten, es habe insgesamt wenige hundert Meter von der Grenze entfernt sieben Detonationen gegeben. Am Montag wurden bei Gefechten in dem gleichen syrischen Grenzort mindestens drei Personen in der Türkei durch Querschläger verletzt.

Als Reaktion stiegen türkische F-16-Kampfjets auf, um die Grenze zu schützen. „Die syrischen Kampfflugzeuge haben den türkischen Luftraum nicht verletzt. Hätten sie es getan, hätten wir entsprechend reagiert“, zitierte die Nachrichtenagentur „Anadolu“ den türkischen Außenminister Ahmet Davutoğlu.

Die türkische Regierung legte diplomatischen Protest in Damaskus ein und informierte den Weltsicherheitsrat und die Nato über die Lage an der Grenze.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen stellte sich angesichts der neuen Zwischenfälle im syrisch-türkischen Grenzgebiet hinter den türkischen Bündnispartner: „Die Nato wird alles Nötige unternehmen, um die Türkei als unseren Verbündeten zu schützen und zu verteidigen.“

Kampf um syrischen Grenzort Ras al-Ain

Nach türkischen Fernsehberichten bombardierte ein syrisches Kampfflugzeug ein Ziel in Ras al-Ain nahe dem türkischen Grenzübergang Ceylanpınar. Auch syrische Militärhubschrauber seien im Einsatz. Experten vermuteten, dass die Luftwaffe eine bei Ras-al-Ain eingekesselte Einheit syrischer Regierungstruppen unterstütze. In den vergangenen Tagen hatten syrische Rebellen den Ort nach erbitterten Kämpfen weitgehend eingenommen.

Nach Angaben syrischer Aktivisten wurden in Ras al-Ain mindestens 21 Menschen getötet und mehr als 70 verletzt. Unter ihnen seien Rebellen, aber auch eine Frau und ein Kind. Unter den toten Oppositionskämpfern waren den Aktivisten zufolge auch Mitglieder der radikal-islamischen Al-Nusra-Front, die Verbindungen zum Terrornetz Al-Qaida hat.

Ceylanpınar: An der Grenze zu Syrien, an der Grenze zum Krieg

In der an der Grenze gelegenen türkischen Kleinstadt Ceylanpınar herrscht Panik und Angst, seitdem die innersyrischen Kämpfe bis direkt an die Grenze herangerückt sind. Schulen wurden geschlossen und Bewohner von den Behörden davor gewarnt, auf die Straße zu gehen.
Mittlerweile scheint sich für die Bewohner des türkischen Grenzortes Ceylanpınar der Konflikt in Syrien im wahrsten Sinne des Wortes vor der eigenen Haustür abzuspielen. Auf der türkischen Seite der Grenze ist türkisches Militär mit Panzern, Artillerie und Soldaten allgegenwärtig, von der anderen Seite der Grenze dröhnt immer wieder Gefechtslärm und syrische Flüchtlinge bringen sich von dort nach Ceylanpınar in Sicherheit.

Die bedrohliche Entwicklung an der syrisch-türkischen Grenze und der diplomatische Protest Ankaras dürfte auch beim aktuell stattfindenden Treffen der arabischen Staaten mit Außenministern der Europäischen Union thematisiert werden. Bei dem wichtigen Zusammenkommen soll erörtert werden, wie die neue gemeinsame Plattform der syrischen Opposition am wirkungsvollsten unterstützt werden kann. (dtj/dpa)