Ankara: Verdächtige syrische Passagiermaschine zur Landung gezwungen

Die aus Moskau kommende A-320 wurde von den türkischen F16-Kampfjets auf den Esenboğa Flughafen in Ankara eskortiert. Von offizieller Seite hieß es, es habe der Verdacht bestanden, dass sich an Bord des Flugzeugs schwere Waffen befänden. An Bord wurden militärisches Kommunikationsgerät und Teile, die nach türkischen Angaben auch für den Bau von Raketen Verwendung finden können, gefunden. Anschließend konnte die Bordcrew und die 37 Passagiere ihre Reise nach Damaskus fortsetzen.

Der türkische Außenminister Davutoğlu sagte am Mittwoch in einem Interview, dass der Geheimdienst den Verdacht gehabt hätte, an Bord würden sich „nicht-zivile Fracht“ und „verbotenes Material“ befinden. „Wir sind entschlossen, dem Waffentransfer an ein Regime, das brutale Massaker an der Zivilbevölkerung verübt, Einhalt zu gebieten“, sagte Davutoğlu. In Bezug auf den im November bevorstehenden Türkeibesuch des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, sagte der türkische Politiker, er gehe nicht davon aus, dass das zur Landung gezwungene syrische Flugzeug negativen Einfluss auf die türkisch-russischen Beziehungen hätte.

Luftraum über Syrien als „unsicher“ erklärt

Die Spannungen zwischen der Türkei und Syrien hatten sich in der vergangenen Woche dramatisch zugespitzt, nachdem syrische Granaten fast täglich auf türkischem Boden niedergegangen waren und die türkische Armee dies mit Artilleriefeuer beantwortete. In den letzten Tagen wurden weitere türkische Artillerieeinheiten und Kampfjets an die südliche Grenze verlegt.

Wie angespannt die Beziehungen zwischen Syrien und der Türkei mittlerweile sind, verdeutlicht der gestrige Entschluss der Türkei, den Luftraum über Syrien offiziell als „unsicher“ zu erklären und es türkischen Flugzeugen fortan zu untersagen, über das Gebiet des südlichen Nachbarn zu fliegen. Ein türkisches Flugzeug, das sich zum Zeitpunkt der Erklärung am Mittwoch bereits auf dem Weg nach Saudi-Arabien befunden hatte, musste umkehren und auf einem türkischen Flughafen landen.

Rebellen nehmen strategischen Punkt ein, Assad lehnt einseitigen Waffenstillstand ab

Syrien hat unterdessen die Forderung der UN nach Ausrufung eines einseitigen Waffenstillstands zurückgewiesen und gefordert, dass zuerst die Rebellen alle Kampfhandlungen einstellen. Als Begründung nannte Syrien, dass es bereits zweimal während der Anwesenheit der UN-Beobachtermission einen einseitigen Waffenstillstand verkündet hätte. Die Rebellen hätten dies genutzt, um ihr „Waffenarsenal aufzustocken und durch ihre terroristischen Aktivitäten die Opferzahl zu erhöhen“, sagte ein Sprecher des syrischen Außenministeriums.

Die Rebellen nahmen gestern die strategisch wichtige Stadt Maarat al-Numan in der nördlichen Provinz Idlib ein. Die Stadt liegt an der Autobahn, welche die Hauptstadt Damaskus mit dem heftig umkämpften Aleppo verbindet. Die Rebellen hoffen, durch die Einnahme dieses Punktes den regimetreuen Truppen in Aleppo den Nachschub abschneiden zu können. Am Mittwoch wurde jedoch berichtet, dass syrische Truppen bereits auf dem Weg nach Maarat al-Numan sein, um die Stadt zurückzuerobern.