Armut in Afrika und warum Entwicklungshilfe scheitert

Von Corina Enczmann

Auf worldmapper.org ist zu sehen, dass die 辰rmsten Menschen der Welt in Zentralafrika und im Osten Afrikas leben, dicht gefolgt von n旦rdlichen Afrika. Im Jahr 1820 verdiente der durchschnittliche europ辰ische Arbeiter drei Mal so viel wie der afrikanische. Heutzutage verdient der Durchschnittseurop辰er zwanzig Mal so viel wie der Durchschnittsafrikaner. Laut Wikipedia.org sind inzwischen 500 Milliarden Dollar an Entwicklungshilfe nach Afrika geflossen, w辰hrend sich die Situation nicht wesentlich zu verbessern scheint.

Der 旦sterreichische Journalist Christian Ortner von der Presse hat daf端r eine einfache Erkl辰rung: Entwicklungshilfe lindere nicht den Hunger, sondern nur das schlechte Gewissen der Geberl辰nder. Er behauptet auerdem, Afrika leide nicht unter einem Mangel an Reis, sondern an einer berproduktion von Regierungskriminellen. Die meisten afrikanischen Nationen seien evidentermaen nicht imstande, daran etwas zu 辰ndern. Auch Revolutionen f端hrten regelm辰ig blo dazu, dass eine kriminelle Vereinigung durch eine andere abgel旦st werde.

Tats辰chlich ist Korruption unter afrikanischen Regierungsbeamten ein groes Problem, obwohl dieses Ph辰nomen nat端rlich nicht auf Afrika beschr辰nkt ist. Viele einheimische V旦lker glauben, so Wikipedia, dass es wichtiger ist, famili辰re Beziehungen zu sch端tzen, als eine nationale Identit辰t zu wahren, und Beamte machen von Nepotismus und Bestechung oft Gebrauch, um ihrer erweiterten Familie auf Kosten des Restes der Nation Vorteile zu verschaffen. Simbabwe mit seinem Pr辰sident Robert Mugabe d端rfte ein gutes und krasses Beispiel hierf端r sein.

Doch auf der anderen Seite sind korrupte Regierungen manchmal auch besser als autorit辰re, wof端r thiopien ein Beispiel ist. Unter Haile Selassie geschah Korruption h辰ufig und Armut war weit verbreitet. Als jedoch sein Regime gest端rzt war, trat Korruption zwar weniger oft auf, doch Hungersn旦te und aggressive Gewalt vonseiten des Milit辰rs r端ckten in den Vordergrund.

Wie dem auch sei: Die Korruption leitet finanzielle Entwicklungshilfe und Gelder ausl辰ndischer Investoren nicht selten um, statt sie dem Staatshaushalt und Institutionen zugute kommen zu lassen. Oft werden die Gelder n辰mlich in Steueroasen auerhalb Afrikas in Sicherheit gebracht. Die einheimische Bev旦lkerung wird schwer belastet, denn sie wird dadurch selbst zur Bestechung gezwungen, um grundlegende staatliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu k旦nnen.

Finanzielle Entwicklungshilfe wird auf lange Sicht gesehen m旦glicherweise f端r viele afrikanische Nationen nicht einmal hilfreich sein, weil es sie ermutigt, interne wirtschaftliche Aktivit辰ten von multinationalen Unternehmen innerhalb der eigenen Grenzen nicht zu besteuern, um so ausl辰ndische Investitionen attraktiv erscheinen zu lassen. Zus辰tzlich erm旦glichen Spendengelder es einigen wenigen wohlhabenden Afrikanern, es zu vermeiden, mehr als nur geringf端gige Steuern zu bezahlen. Insofern kann der Westen f端r das Problem der Korruption zum Teil mitverantwortlich gemacht werden.

Wohin fliet das Geld?

Viele Spendengelder werden auch in Waffen oder fragw端rdige Projekte investiert und man darf nicht vergessen, dass ein groer Anteil der Schulden der afrikanischen L辰nder aus Zinsen von Anleihen von der so genannten ersten Welt besteht. So erscheinen die Umverteilung von Besitz und die Kontrolle von Kapital – im Sinne einer Regulierung des Zu- und Abflusses von Geldern aus dem bzw. ins Ausland – als angemessene Manahmen f端r afrikanische Nationen, um die Finanzierung des Budgets der Regierung zu stabilisieren und die f端r eine Wirtschaft im Entwicklungsprozess typischen Auf- und Ab- Zyklen abzumildern. Leider f端hrt diese Strategie oft zur Kapitalflucht und zu politischen Auseinandersetzungen, da wohlhabende B端rger um ihren Besitz und ihre Sicherheit f端rchten und sich bedroht f端hlen.

Dazu kommt, dass Korruption nicht die einzige Ursache f端r Probleme auf dem afrikanischen Kontinent ist: Durch amerikanische Siedler wurden neue Getreidearten, wie z.B. Mais eingef端hrt, die zwar von der einheimischen Bev旦lkerung angenommen wurden, doch langfristig viele Probleme bei der Bewirtschaftung von Land verursachten. Denn dadurch, dass die Bev旦lkerung immer abh辰ngiger von den neuen Getreidesorten wurde, entstanden Engp辰sse an Wasser und D端nger, um der st辰ndig wachsenden Nachfrage und den f端r die Pflanzen fremden Klimabedingungen gerecht zu werden. Traditionelle Bauern waren an aufeinander abgestimmte Polykulturen gew旦hnt, die gew旦hnlich Sch辰dlinge fernhielten und auch meist erfolgreiche Ernten produzierten. Einzig der Regen w辰sserte die angebauten Pflanzen und Vieh, das die abgeernteten Felder abgraste, lieferte Dung, der als D端nger ausreichte, um die Erde n辰hrstoffreich zu halten. Als dann die Monokulturen aus oben genanntem Grund eingef端hrt wurden machte dies Sch辰dlingsbek辰mpfung, W辰ssern und D端ngen n旦tig, was aber auch keine erfolgreiche Ernte garantierte und allm辰hlich die B旦den auslaugte. Zudem ist fruchtbares Land s端dlich der Sahara zwar in groem Ausma vorhanden, doch kleiner, individuell verwalteter Landbesitz selten.

In vielen L辰ndern ist Land in Stammesbesitz und in anderen ist das meiste Land noch in der Hand von Nachkommen der europ辰ischen Siedler des sp辰ten 19. Jahrhunderts. Einer IRIN-Studie von 2005 zufolge befinden sich 82 Prozent des fruchtbaren Landes in S端dafrika im Besitz von Menschen europ辰ischer Herkunft. Vielen Nationen fehlt ein System, das den Landbesitz reguliert, in anderen verbieten Gesetze benachteiligten Gruppen den Besitz von Land.

Auch wenn diese Gesetze nicht immer beachtet werden Fakt bleibt: Die Landbev旦lkerung hat oft kein legales Anrecht auf Land. Und so gibt es viel ungenutztes Land, das sich aber leider oft in Privatbesitz befindet. Was noch hinzu kommt, ist, dass die Registrierung von Land sehr schlecht gehandhabt wird, was h辰ufig in illegale Ansiedlungen und Diebstahl m端ndet. Es ist daher schwierig, eine Hypothek o.辰. zu bekommen, da der Besitzstatus des Grundst端cks nicht zur Zufriedenheit des finanziellen Tr辰gers festgestellt werden kann. In diesem System werden nicht nur Europ辰er gegen端ber Afrikanern bevorzugt, sondern auch manche afrikanischen St辰mme gegen端ber anderen.

Doch zur端ck zur Frage, inwieweit Entwicklungshilfe bei dieser Misere Abhilfe schaffen k旦nnte: F端r nur gesch辰tzte 300 Dollar k旦nnte man eine vierk旦pfige Familie f端r ein selbstversorgtes Leben ausr端sten, denn das sind die Kosten f端r einen Ochsen, ein paar Hektar Land und etwas Saatgut. Historisch betrachtet sind solche Programme aber eher selten, denn viele Spendengelder werden f端r den Kauf von Getreide und groe Plantagen statt f端r die F旦rderung von Familienbetrieben eingesetzt.

ber die Nutzung von Land in Afrika wird viel gestritten und diskutiert, doch Studien nationaler Akademien f端r Wissenschaft in mehreren Nationen haben ergeben, dass einheimische Getreidebest辰nde und einheimisches Viehfutter auf Dauer mehr Sicherheit und Best辰ndigkeit bieten k旦nnen. Neuartige, k端nstlich generierte Saaten resultieren n辰mlich aus oben besprochenen Gr端nden nur in weiteren Abh辰ngigkeiten und f端hren zu einer verst辰rkten Auslaugung der B旦den, da diese oft groe Mengen ganz bestimmten D端ngers und bestimmter Pestizide ben旦tigen, die nur von bestimmten Konzernen angeboten werden, was zu einem Teufelskreis neuer Abh辰ngigkeit f端hrt. Man sollte sich auch vor Augen halten, dass Spenden von genmanipuliertem Saatgut, was h辰ufig geschieht, nicht nur aus humanit辰ren Gr端nden erfolgen, sondern aus Werbezwecken. Leider sind n辰mlich nicht die notleidenden Menschen im Fokus der Medien, sondern die Interessen der so genannten ersten Welt.

Politische Interessen als Motiv

Frederic Mousseau beleuchtet in seinem Artikel Food Aid or Food Sovereignty? Ending World Hunger In Our Time (Essenspenden oder Essensherrschaft? Das Beenden des Welthungers in unserer Zeit), dass zum Teil nur politische Interessen die Motive f端r Essenspenden bestimmen und nicht die Bed端rfnisse der betroffenen L辰nder.

Die Situation in Sambia im Jahr 2003 war ein Beispiel daf端r, wie die US-Regierung versuchte, internationalen und nationalen Druck auszu端ben, um genmanipulierte Nahrung durch Spenden in den Mittelpunkt der Medien zu r端cken, obwohl mehreren Studien zufolge faktisch 端berhaupt keine Hungersnot in Sambia bestand. 34 Prozent des Maisanbaus in den USA ist genmanipuliert und der Ruf von Genmais fragw端rdig. Das Bestehen der USA darauf, dass afrikanische L辰nder genmanipulierte Nahrung annehmen, resultiert laut Mousseau aus dem Druck der Interessen der US-Agrarindustrie, die durch solche Aktionen ihre Popularit辰t steigern will.

Weitere Probleme, die das Land an einer rascheren Entwicklung hindern, sind billige Arbeitskraft, da diese Ineffizienz f旦rdert, wie z.B. in Tansania, wo Schotter immer noch von Hand geschlagen wird (P.J.O卒Rourke: Eat the rich). Fehlende Bildung, verschmutztes Trinkwasser, Krankheiten wie AIDS, die auch armutsbedingt sind, fehlende Infrastruktur, B端rgerkriege, Inflation etc. tun ihr 端briges.

Bei langfristigen Programmen zur Entwicklungshilfe k旦nnten lokale Regierungen und die B端rger selbst st辰rker mit einbezogen werden, damit Eigenverantwortung gef旦rdert wird und die B端rger bei der Entwicklung ihres Landes aktiv mitwirken k旦nnen. Wenn Wohlfahrtssysteme und landwirtschaftliche Dienste mit permanenten Arbeitskr辰ften und Ressourcen im Einsatz w辰ren, dann k旦nnte eine gr旦ere Wirkung erzielt werden und man w辰re f辰hig, schneller zu reagieren, wenn Not am Mann ist, im Vergleich zu internationalen Kr辰ften, die erst B端ros startklar machen und internationale Gelder auftreiben m端ssen.

Die Weltbank f端hrt an, dass nur wirtschaftliches Wachstum den Kontinent vorw辰rtsbringen kann. Dies w端rde aber auch voraussetzen, dass wir unser Konsumverhalten im Westen nachhaltig hinterfragen, denn nur, wenn wir bereit sind, gerechten Handel zu unterst端tzen, indem wir angemessene Preise f端r nachhaltig und fair gewonnene Handelsg端ter aus Afrika bezahlen, tragen wir unseren Teil dazu bei, dass unser Geld bei denen ankommt, die es brauchen und nicht bei korrupten Beamten, Plantagenbesitzern oder internationalen Konzernen.

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