Aslı Erdoğan erhält Menschenrechtspreis

Die türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan erhält in Österreich den Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreis. Das teilte der Historiker Oliver Rathkolb am Dienstag im Namen der zuständigen Stiftung mit. Die 49-Jährige, die in der Türkei wegen Terrorismusvorwürfen angeklagt ist, habe sich immer „aktiv und vorbehaltlos für die Durchsetzung der Menschenrechte eingesetzt“. Die Auszeichnung solle ein Zeichen gegen massive Einschränkungen von Menschenrechten sein. Der Bruno-Kreisky-Preis, der an den ehemaligen österreichischen Kanzler Kreisky (1911-1990) erinnert, ist der älteste renommierte Menschenrechtspreis in Österreich und soll im Mai oder Juni verliehen werden.

Auf der Seite des Kreisky-Preises heißt es zu Erdoğan, dass ihr „in allen Ihren Veröffentlichungen insbesondere die Erscheinungsformen von Leid und Ungerechtigkeit, denen sie immer wieder nachspürt“ als „Maßstab der Orientierung“ dienen. Von 2012 bis 2013 war sie bereits als „writer in exile“ Gast im Internationalen Haus der Autorinnen und Autoren in Graz.

Die Verleihung des Preises wird wohl ohne Erdoğan stattfinden müssen, sie unterliegt einer Ausreisesperre. Der Schriftstellerin, die kürzlich aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, droht lebenslange Haft. Ihr wird unter anderem Mitgliedschaft in der Terrororganisation PKK vorgeworfen. Am 14. März geht der Prozess gegen sie weiter. Der Menschenrechtspreis wurde seit 1979 bisher 15 Mal vergeben. Das oft an mehrere Preisträger vergebene Preisgeld beträgt in der Regel zwischen 7000 und 30 000 Euro. Aslı Erdoğan ist die zweite Preisträgerin aus der Türkei. 1995 erhielt die kurdische Politikerin und heutige HDP-Abgeordnete Leyla Zana den Preis. (dpa/ dtj)