Auch Zypern sucht Platz unter dem Rettungsschirm

Es war eine Frage der Zeit. Nach Griechenland hat es auch den kleinen Bruder Zypern erwischt. Die drittgrößte Mittelmeerinsel, die in einen südlichen griechischen und einen nördlichen türkischen Teil zweigeteilt ist, gesellte sich diese Woche zu den Ländern, die EU-Hilfen benötigen. Diese Meldung würde kein großes Echo hervorrufen, wäre da nicht die EU-Ratspräsidentschaft, deren Sitz Zypern am 1. Juli übernommen hat.

Denn es ist das erste Mal, dass ein Staat die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, der auf finanzielle Nothilfe der anderen Mitglieder angewiesen ist. Laut der Ratingagentur Fitch benötigen die Institute Hilfen im Umfang von bis zu vier Milliarden Euro. Die finanziellen Möglichkeiten der drittkleinsten Volkswirtschaft der Eurozone übersteigen den Rekapitalisierungsbedarf zyprischer Banken um ein Vielfaches. Bisher hatte sich Staatspräsident Dimitris Christofias um russische und chinesische Kredite bemüht und sich gegen Hilfen aus der EU gewehrt, der er nicht sehr wohl gesonnen zu sein scheint. Erst kürzlich bezeichnete er die Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds als „Kolonialmacht“.

Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, bestätigte ebenfalls einen Hilfsantrag Zyperns. In Kürze solle eine Delegation auf die Insel fahren, um die Einzelheiten des Hilfspakets zu besprechen. „Wir unterstützen die Anstrengungen unserer europäischen Partner, die Zypern helfen wollen, zu einem stabilen und nachhaltigen Wirtschaftswachstum zurückzukehren und einen soliden Finanzsektor wiederherzustellen“, sagte Lagarde.