Autobombe tötet 11-jähriges Kind

Eine Autobombe, mittels derer ein Militärfahrzeug zerstört werden sollte, tötete am Sonntag in der südosttürkischen Provinz Hakkari einen 11-jährigen Jungen und verletzte 26 Personen. Die Explosion ereignete sich im Bezirk Şemdinli, als ein Panzerwagen der Spezialeinheiten der Polizei vorbeifuhr. In diesem nahe der Grenzen zum Irak und Iran gelegenen Bezirk war es im Laufe der vorangegangenen Monate regelmäßig zu Kämpfen zwischen den türkischen Sicherheitskräften und der terroristischen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) gekommen.

Auf dem Weg zu einer Hochzeit getötet

Die Verletzten wurden in Krankenhäuser in Şemdinli, Yüksekova und Van gebracht. Die meisten von ihnen waren Passanten, zwei von ihnen befinden sich in einem kritischen Zustand. Faris Demircan, ein Kind, das sich gerade auf dem Weg zu einer Hochzeit befand, wurde bei dem Anschlag getötet. Sein Leichnam wurde zum Zwecke einer Autopsie in die Leichenhalle des Öffentlichen Krankenhauses von Şemdinli gebracht. Die Polizeibeamten im Panzerwagen wurden leicht verletzt.

„Dieser feige Anschlag wurde bewusst in der Nähe einer Örtlichkeit ausgeführt, wo Hochzeiten stattfinden. Es ist eine Schande, dass Zivilisten dabei ums Leben kamen“, betonte Premierminister Recep Tayyip Erdoğan, als er im Rahmen eines Treffens seiner Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) die Nachricht vom Tod des 11-jährigen Kindes verkündete. Erdoğan verurteilte die verabscheuungswürdige Tat auf das Schärfste und sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus.

Die Polizei begann nach Angaben von Sicherheitskreisen mit einer intensiven Suche nach den Tätern und suchte die gesamte Gegend nach möglichen weiteren Autobomben ab.

Erdoğan will Wiedereinführung der Todesstrafe nicht für immer ausschließen

Obwohl es noch kein Bekennerschreiben gibt, geht man davon aus, dass die Explosion durch die PKK herbeigeführt wurde, die in der Vergangenheit in der Region bereits ähnliche Attentate ausgeführt hatte.

Mehr als 40.000 Menschen kamen bislang ums Leben, seit die PKK im Jahre 1984 ihren bewaffneten Kampf für die Schaffung eines unabhängigen Staates auf dem Gebiet der hauptsächlich von Kurden bewohnten Südosttürkei aufgenommen hatte. Die Türkei, die USA und die EU betrachten die PKK als terroristische Organisation.

Abseits der konkreten Anlasstat hatte der Premierminister bereits im Laufe der Vorwoche betont, dass er eine Wiedereinführung der Todesstrafe, die in der Türkei 2002 für Friedenszeiten und 2004 generell abgeschafft wurde, nicht für alle Zeiten ausschließen wolle. Mit dieser Äußerung wollte Erdoğan nach Auffassung von Analysten einer steigenden Zustimmung zu dieser Forderung in der Bevölkerung und einer gleichlautenden Anregung des stellvertretenden Parteivorsitzenden Numan Kurtulmuş entgegenkommen, der als Erdoğans „Kronprinz“ gehandelt wird.

Bis dato kam die Forderung nach Wiedereinführung der Todesstrafe nur aus Kreisen der „Idealistenbewegung“. Der 1999 zum Tode verurteilte Kurdensprecher Abdullah Öcalan hätte eine Vollstreckung seiner Strafe allerdings nicht mehr zu befürchten, da das Urteil 2002 offiziell auf „lebenslänglich“ abgeändert worden war und die türkische Verfassung eine nachträgliche Strafverschärfung ausschließt.