Balkan: Ein Schritt zur Bewahrung osmanisch-islamischer Geschichte

Das Forschungszentrum für islamische Geschichte, Kunst und Kultur (IRCICA) hat erstmals einen Katalog mit historischen Werken in Bulgarien zusammengestellt, die von den Osmanischen Herrschern zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert gestiftet wurden. Die Sammlung umfasst mehr 300 Kunstwerke und Denkmäler. Grundidee ist dabei die Übertragung der Besitzrechte an den historischen Werken an die muslimischen Minderheiten im Land. Osmanische Grundbuchauszüge sollen dabei als Besitzurkunden dienen. Das Forschungszentrum stellte in Aussicht, dass derartige Arbeiten zukünftig auch in weiteren Balkanländern durchgeführt werden.

Das Zentrum der IRCICA (Research Centre für Islamic History, Art and Culture) mit Sitz in Istanbul will in einer neuen Forschungsreihe, deren Ergebnis in Kürze veröffentlicht werden soll, sämtliche historische Werke aus Zeiten der osmanischen Herrschaft im Balkan erfassen.

Das 2002 geänderte bulgarische Religionsgesetz sieht vor, dass die bestehenden osmanischen Kunstwerke an muslimische Stiftungen zu übertragen sind. Durch die umfassende Arbeit der IRCICA sollen die Besitzverhältnisse der historischen Werke zukünftig geklärt werden. Die Regierung in Sofia hat diesbezüglich den muslimischen Stiftungen eine Meldefrist bis zum Ende des Jahres gewährt. Demnach werden die offiziellen Umschreibungen durch die Behörden erst 2013 beginnen.

Halit Eren, Generalsekretär der IRCICA, bestätigte gegenüber der türkischen Tageszeitung Zaman, dass der Katalog über die Werke bereits an alle muslimischen Stiftungen verteilt worden ist. Ferner kündigte er an, dass ähnliche Arbeiten in anderen Balkanländern wie Griechenland und Mazedonien durchgeführt werden sollen.

Ein wichtiger Repräsentant der bulgarischen Muslime, Şabanali Ahmet, bestätigte, dass die Arbeiten der IRCICA die muslimischen Minderheiten in den bevorstehenden Rechtsstreitigkeiten unterstützen können: „Diese Dokumente beweisen die rechtmäßige Zugehörigkeit der historischen Kunstwerke zu den muslimischen Stiftungen und können somit als Beweisgrundlage vor Gericht dienen.“ Ahmet wies darauf hin, dass in den zehn Jahren seit der Gesetzesänderung bereits über 200 Klagen eingereicht worden sind, um die Besitzrechte an den Kunstwerken zurückzuerlangen. Osmanische Urkunden werden bereits in Bosnien und Herzegowina, Jemen, Äthiopien und Palästina eingesetzt, um Rechtsstreitigkeiten zu klären.

Der Generalsekretär der IRCICA sagte, dass man von den auf dem Balkan gewonnenen Erfahrungen bei zukünftigen Projekten, beispielsweise in Jerusalem, profitieren wolle, um islamische Kulturgüter zu erhalten. Besonders stolz sei er auf die Restaurierung der Mostar-Brücke (Stari most) in Bosnien und Herzegowina, die seit ihrem Wiederaufbau wieder das Wahrzeichen der Stadt Mostar ist.