Boomendes Finanzzentrum am Bosporus

Zurzeit ist es nicht mehr als ein verstaubtes Fleckchen Erde in der modernen Vorstadt von Ataehir, auf der asiatischen Seite Istanbuls. Binnen drei Jahren jedoch werden, sollte alles strikt nach Plan verlaufen, imposante B端rogeb辰ude diese Seite der Stadt dominieren. Am Marmarameer wird ein Viertel nach dem Vorbild der Wall Street entstehen: das internationale Finanzzentrum Istanbuls.
Der t端rkische Premierministers Erdoan ist f端r seine gewagten Ideen und groen Pl辰ne bekannt, das zeigt etwa sein Ansto an die 端berwiegend muslimische T端rkei, formale Gespr辰che bez端glich der Mitgliedschaft in der Europ辰ischen Union zu beginnen. Da passt das immerhin eine Quadratmeile umfassende neue internationale Finanzzentrum stimmig ins Bild.
Erdoan, dessen Partei f端r Gerechtigkeit und Entwicklung, die AKP, im letzten Jahr mit einem deutlichen Sieg in den Parlamentswahlen als f端hrende politische Kraft des Landes best辰tigt wurde, sieht in der T端rkei sowohl eine wachsende Wirtschaftsmacht als auch einen politisch einflussreichen Akteur im mittleren Osten und in S端dosteuropa.
Erdoan Bayraktar, Minister f端r Umwelt und St辰dtebildung, sagte einigen Reportern Anfang des Jahres, dass durch die Entstehung des neuen Viertels Istanbul seiner historischen Rolle als globales Handelszentrum gerecht werden w端rde. Die IFC-Istanbul (International Finance Corporation – Istanbul) w辰re die st辰hlerne, gl辰serne und zementierte Verk旦rperung von Erdoans Vision.
Istanbul ist mit seinen ca. 13 Millionen Menschen und seiner einzigartigen Lage zwischen zwei Kontinenten bereits jetzt eine wichtige Handelsmetropole. Die Bedeutung der Finanzindustrie ist genau wie die der gesamten t端rkischen Wirtschaft, die bereits auf Platz 16 der st辰rksten Volkswirtschaften der Welt steht Tendenz: steigend -, stark gewachsen.

W辰hrend die Wirtschaftskrise Westeuropa fest im Griff hat, st端rmt die T端rkei voran
Laut Angaben von Bloomberg expandierte die t端rkische Wirtschaft um 8,5 Prozent im letzten Jahr bei einem Bruttoinlandsprodukt in H旦he von 770 Milliarden Dollar. Somit sei die T端rkei, was die Dynamik des Wachstums anbelangt, die drittst辰rkste Kraft in der Gruppe der 20 Industrienationen, nach China und Argentinien.
Das Wachstum habe sich zwar ein wenig abgek端hlt, – so sei die t端rkische Wirtschaft im ersten Quartal 2012 auf Jahresbasis gerechnet nur um 3,2 Prozent gewachsen , aber auch dieses Ergebnis ruft bei den westlichen Nachbarn immer noch groen Neid hervor.
Heute befindet sich das Herz der t端rkischen Finanzindustrie in den auf der europ辰ischen Seite der Stadt gelegenen Vierteln Levent und Maslak. Dem t端rkischen Amt f端r Regelung und berwachung des Bankenwesens (BDDK) zufolge wuchs das Verm旦gen aller in der T端rkei lizenzierten Banken um das Sechsfache. Zwischen dem Jahr 2002 und dem Jahr 2012 w辰re das eine Ausweitung auf 1,27 Billionen Lira (710 Milliarden Dollar).

Solide Istanbuler Geldh辰user regeln mittlerweile Tauschgesch辰fte vieler Schwellenl辰nder

Die relativ soliden Geldh辰user des Landes haben sich von der wirtschaftlichen Instabilit辰t, welche Europa zurzeit plagt, abgeschirmt. Dem Amt f端r Bankenwesen zufolge hatten t端rkische Banken im Juni eine durchschnittliche Capital Adequacy Ratio (Verh辰ltnis von Kapital- zu Risikoverm旦gen) von 17 Prozent, mehr als das Zweifache der gesetzlich vorgeschriebenen (und dem Mindestsatz der Bank f端r Internationalen Zahlungsausgleich entsprechenden) 8 Prozent.
Die Istanbuler Wertpapierb旦rse ISE National 100 Index (XU100), gerade mal ein Vierteljahrhundert alt, wurde zu einem weltweit f端hrenden Ort f端r Tauschgesch辰fte der Schwellenl辰nder.
Die Istanbuler B旦rse wurde am 14.September 2012 (?) auf knapp 67 Milliarden Dollar gesch辰tzt, ist damit gr旦er als die Aktienm辰rkte von Griechenland und gypten zusammen und fast viermal so gro wie jener Dubais. Zwar erscheint Istanbul im Vergleich zu den New Yorker und Londoner Finanzzentren winzig, jedoch ist sie immerhin ein wenig gr旦er der Aktienmarkt in Frankfurt (51 Milliarden Dollar). Die B旦rse expandierte um 26 Prozent in diesem Jahr und hat sich seit Anfang 2009 in ihrer Gr旦e mehr als verdoppelt.
Ausl辰ndische Direktinvestitionen steigen ebenso: W辰hrend der ersten zwei Monate des Jahres 2012 waren diese um 25 Prozent h旦her als noch im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor.

Quelle: bloomberg

bersetzerin: Marielle Layher