„Breaking Dawn – Teil 2“ lässt „Twilight“-Fans zum letzten Mal frohlocken

Es wird das letzte Mal sein, dass die besonders begnadeten Witzbolde unter den deutschen Filmkritikern sich originell fühlen dürfen, wenn sie Wortspiele über einen „blutleeren Vampir-Film“ zum Besten geben. Mit dem zweiten Teil der Verfilmung des letzten von vier Romanen der „Twilight“-Serie, „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht“, der am morgigen Donnerstag, dem 22.11.2012, offiziell Deutschlandpremiere feiert, wird der Schlusspunkt unter die Erfolgsstory der aus Hartford, Connecticut, stammenden Jugendbuchautorin Stephenie Meyer gesetzt.

150 Millionen Dollar hat der letzte Teil der „Twilight“-Saga nach ersten Berechnungen am Start-Wochenende in den USA eingespielt. Weltweit hatten die bisherigen Verfilmungen zwischen 392,6 („Twilight“) und 709 Millionen US-$ („The Twilight Saga – New Moon“) eingespielt. Damit zählen die Verfilmungen zu den erfolgreichsten Produktionen aller Zeiten.

Deutsche Medien haben die „Twilight“-Verfilmungen in aller Regel mit vernichtenden und zum Teil bösartigen Kritiken bedacht. Dies lag weniger an einer grundsätzlichen Enttäuschung darüber, dass traditionelles deutsches Problemkino im Stile eines Rainer Werner Fassbinder nur einen Bruchteil jenes Zuschauerinteresses zu wecken imstande ist – dieses Phänomen wäre ja auch nicht neu.

Von den Medien gehasst, von den Fans geliebt

Dass „Twilight“-Filme jedoch einen besonders ausgeprägten Beißreflex auslösen, dürfte vor allem daran liegen, dass sowohl die Autorin durch ihre religiöse Überzeugung – sie ist Mormonin – als auch einige Botschaften der Bücher sowie des Films massiv gegen die Political Correctness verstoßen. Insbesondere soll in der Saga sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe als etwas Positives und Erstrebenswertes dargestellt werden – was innerhalb der so genannten „deutschen Leitkultur“ bekanntlich geradezu als Provokation aufgefasst wird.

Dass Hauptdarstellerin Kristen Stewart in der Folge ihre auf „Twilight“ gegründete Popularität mittlerweile nutzte, um sich auch für „schmutzige“ Produktionen zu empfehlen und ansonsten vor allem durch karrierefördernde Seitensprünge in die Schlagzeilen gelangt, vermochte die heimische „Twilightkritik“ danach auch nicht mehr milde zu stimmen.

Mittlerweile ist „Twilight“ auch längst nicht mehr so romantiklastig wie noch in den ersten beiden Teilen. Und auch die „Dove Foundation“, die den allerersten Teil der Saga noch als „unbedenklich“ eingestuft hatte, muss nicht mehr mit sich selbst ringen, ob man den Film noch als „familienfreundlich“ empfehlen kann oder nicht – „Breaking Dawn Teil 2“ fällt bei der angesehenen amerikanischen Movie-Review-Einrichtung vor allem wegen der Fülle an Gewaltdarstellungen durch, die sich durch die Handlung hindurchziehen.

Im letzten Teil der „Twilight”-Saga wird der Cullen-Familie, zu der die mittlerweile auch die zum Vampir gewordene Bella angehört, durch eine Intrige der übermächtige Volturi-Clan auf den Hals gehetzt, der sich berufen fühlt, den Ehrenkodex der Vampire notfalls auf brutalstmögliche Weise weltweit durchzusetzen. Gegen diesen soll die Geburt von Renesmee, der gemeinsamen Tochter des Vampirs Edward und der als Mensch geborenen Bella, verstoßen haben. Auf Initiative Jacobs erklären sich die lange verfeindeten Werwölfe von Forks bereit, sich mit den dortigen Vampiren angesichts der drohenden Gefahr zu verbünden.

Begeisternde Reaktion nach der Vorpremiere

Erste Reaktionen aus den Vorpremieren lassen erahnen, dass der letzte Teil der „Twilight“-Saga den Geschmack der Fans noch einmal punktgenau getroffen hat. Und es soll am Ende noch einmal etwas von jener Romantik zu spüren sein, wie sie auch am Beginn der Erfolgsgeschichte im Jahr 2009 gestanden hatte.

Für Einsteiger empfiehlt es sich zwar eher, die Vorgeschichte kennenzulernen, jedoch dürften auch Kinogänger, die bisherige „Twilight“-Verfilmungen noch nicht kennen, nicht völlig fehl am Platze sein, wenn sie sich entschließen sollten, „Breaking Dawn Teil 2 – Bis(s) zum Ende der Nacht“ zu besuchen.
Christian Rogler