Bulgaren streiten: Haben die Osmanen sie versklavt oder mit ihnen zusammengelebt?

Bulgariens Vizeregierungschefin Meglena Kunewa hat nach einem Streit 체ber neue Lehrpl채ne zur Osmanenherrschaft혻zus채tzlich auch das Bildungsministerium des EU-Landes 체bernommen. Das Parlament in Sofia w채hlte die 58-j채hrige Juristin am Mittwoch zur neuen Ministerin f체r Bildung und Wissenschaft. Dabei stimmten혻106 Parlamentarier mit Ja bei 66 Nein- und 31 Enthaltungen.

Die fr체here EU-Kommissarin ist seit Oktober 2014 als Vizeministerpr채sidentin der Mitte-Rechts-Regierung vom f체r Bulgariens Europapolitik zust채ndig. Der alte Bildungsminister Todor Tanew war am Montag zur체ckgetreten.

Hintergrund ist ein landesweiter Streit 체ber geplante neue Lernprogramme. Emp철rte Eltern und Lehrer hatten bem채ngelt, dass aus dem Lernstoff f체r die sechste Klasse bulgarische Klassiker aus der Renaissance und aus der Zeit der Widerstandsk채mpfe gegen die Osmanen혻entfallen sollten. In dem Streit schalteten sich auch Nationalisten und Medien ein. Es kam zu Protesten und Diskussionen dar체ber, ob das Balkanland Bulgarien bis zum Berliner Kongress 1878 unter osmanischer혻„Sklaverei“ oder „Herrschaft“ gewesen sei oder es damals ein „Zusammenleben“ zwischen T체rken und Bulgaren im Osmanischen Reich gegeben habe.

Die Herrschaft der Osmanen 체ber das Balkan-Land begann im 14. Jahrhundert unter Sultan Murad I. Im 19. Jahrhundert kam es in Bulgarien wie auch in anderen Balkanl채ndern zu Bestrebungen, einen Nationalstaat zu schaffen. Die Bulgaren, die mit dem Ergebnis des Berliner Kongresses unzufrieden waren, griffen nach der vollst채ndigen Unabh채ngigkeit 1908혻in den Balkankriegen nach noch mehr Landgewinn und dr채ngten die Osmanen endg체ltig zur체ck. (dtj/dpa)


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