Der 19. Mai in der Türkei: Feiertag zum Gedenken an Atatürk

Der 19. Mai ist ein besonderer Feiertag in der Türkei und in Nordzypern, der zur Türkei gehörenden Insel. Schulen und Rathäuser bleiben geschlossen. Es finden riesige Veranstaltungen in örtlichen Stadien statt. Showeinlagen gemischt mit sportlichen Events prägen das Bild an diesem Tag. Der 19. Mai ist ein Gedenktag an den Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk, unter dessen Führung am 19. Mai 1919 der Befreiungskrieg gegen die Allliierten Mächte begann. In Bandırma, einer türkische Hafenstadt am südlichen Rand des Marmarameeres in der Provinz Balıkesir, soll Atatürk mit einem Schiff nach Samsun aufgebrochen sein, um für den Befreiungskrieg dn Startschuss zu geben . Der Tag wird als der Beginn der türkischen Unabhängigkeitskriege betrachtet.

Der erste Feiertag wurde noch zu Lebzeiten Atatürks gefeiert. Zunächst wurde dieser Anlass erstmals am 24 Mai 1953 als „Atatürk Tag“ gefeiert. Ein Jahr darauf wurde der Tag durch die Organisation der beiden großen Istanbuler Fußballclubs Fenerbahçe und Galatasaray zu einem Sport und Jugendfest. Seither nannte man diesen Tag „Sport- und Jugendfest“. Erst nach dem Putsch am 12. September 1980 wurde der Titel als „Atatürk-Gedenk, Jugend- und Sportfest“ verändert.

Die Grundidee aus diesem Tag ein Jugend- und Sportfest zu machen, kam weil Atatürk den Tag persönlich zur körperlichen Ertüchtigung der Jugend widmete. Der Gründer der modernen Türkei legte viel Wert auf Kinder und Jugendliche. Die türkische Republik ist eines der einzigen Länder weltweit, die ein Kinderfest eingeführt haben. Traditionell wird am 23. April jedes Jahr das Kinderfest gefeiert. In Deutschland ist dieser Feiertag im Vergleich etwas bekannter, da viele Moscheevereine der DITIB und die türkischen Konsulate oft am 23. April feierliche Veranstaltungen organisieren.

Einer der bekannsten Sätze Atatürks ist an die „aufstrebende junge Generation“ gerichtet: „Die Zukunft gehört Euch. Die Republik haben wir gegründet. Ihr werdet aber diejenigen sein, die sie groß machen und fortsetzen werden“.

 

Atatürk gedenken: Nationalismus oder Tradition?

Deutsch-Türken sind im Umgang mit türkischen Feierlichkeiten unterschiedlich eingestellt. Während durch das Gastarbeiteranwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Türkei vermehrt konservative Türken aus dem ländlichen Raum nach Deutschland kamen, blieben die besser gebildeten in der Türkei, da sie auch dort Geld verdienen konnten. Die konservativen Türken aus dem ländlichen Raum hatten aber eine schwächere Verbindung zu Atatürk, als die Türken, die in den Städten wohnten. Deshalb werden die Feiertage, die keinen religiösen, aber einen staatlichen Bezug haben, unter den Deutsch-Türken eher weniger gefeiert. Anders sieht es bei den islamischen Feiertagen aus, die einen größere Platz im Leben vieler Türken auch in Deutschland haben.

Doch auch in Deutschland gibt es ältere Türken, die aus politischen Gründen nach Deutschland kamen, aber im Gepäck eine kräftige Loyalität gegenüber Atatürk hatten. Sie legen einen deutlich größeren Wert auf nationale Feiertage und auch auf Atatürk selbst. Auch gibt es viele junge Deutsch-Türken, die dennoch an diesen türkischen Feiertagen festhalten und Mustafa Kemal Pascha in seiner Rolle als Atatürk idealisieren.

Gerade heute, wo das politische Bild der Türkei immer weiter von dem laizistischen Ideal Atatürks abzuschweifen scheint, steigt auch der Trend unter den Deutsch-Türken, stärker an den traditionellen Feiertagen und an Atatürk festzuhalten. Dies ist aber ein ebenso nationalistischer Trend, wie der Nationalismus, den der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit wachsendem Erfolg unter den Deutsch-Türken verbreiten konnte.

 

 

Ein Beispiel aus vergangenen Festen am 19. Mai