Das neue Mitglied der russischen Zollunion

Kirgistan: Der EU nicht antirussisch genug

Die von Russland geführte Zollunion wird ab 2014 auch den Turkstaat Kirgistan zu ihren Mitgliedern zählen. Das Land leidet vor allem darunter, dass 25% seiner erwerbsfähigen Bevölkerung nicht mehr vor Ort zur Verfügung stehen. (Foto: cihan)

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Kirgistan bereitet sich darauf vor, 2014 in die von Russland geführte Zollunion einzusteigen. Armenien kündigte an, ebenfalls der Zollunion beizutreten.

Die Europäische Union sah die Entscheidung Kirgistans als normal an, während gegenüber der Entscheidung von Armenien Bedenken geäußert wurden, da dieses Land als selbstverständlicher Partner der EU angesehen wird.

Der Schritt war in Kirgistan selbst nicht unumstritten. Es gibt Gruppierungen im kirgisischen Parlament, die gegen die Zollunion sind. Einige glauben, dass die Zollunion Inflation und hohe Lebenshaltungskosten für Kirgistan mit sich bringen werde, wie man sie aus Kasachstan und der Russischen Föderation kennt. Die Löhne in Kirgistan sind zudem noch niedriger. Der monatliche Durchschnittslohn liegt bei 100 $. Es wird befürchtet, dass Preisangleichungen der Güter mit denen aus der Russischen Föderation und Kasachstan neue wirtschaftliche und politische Instabilität auslösen könnten.

Es ist zudem unwahrscheinlich, dass hydrocarbonreiche Länder die Mitgliedschaft von Kirgistan unter den gleichen Bedingungen akzeptieren werden. Im Jahre 2013 gab es mehr als 1000 öffentliche Demonstrationen wegen wirtschaftlicher und sozialer Probleme in Kirgistan. Harte Lebensbedingungen und eine düstere Zukunft des Landes in Folge des Zerfalls der Sowjetunion treiben die Menschen auf die Straßen Kirgistans, um zu protestieren.

In Russland arbeiten mehr Kirgisen als in Bischkek leben

Ein nicht unerheblicher Teil der arbeitsfähigen Kirgisen verdient seinen Lebensunterhalt jedoch nicht in der Heimat: Eine Million davon arbeiten heute in der Russischen Föderation, 100 000 in Kasachstan, 50 000 in Süd Korea, 10 000 in der Türkei und ca. 3000 in Dubai. Mit anderen Worten: Ungefähr 25 % der kirgisischen Gesamtpopulation von ca. 5 Millionen Menschen und somit die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung Kirgistans arbeitet im  Ausland.

Die Summe der jährlichen Auslandsüberweisungen, die von diesen Arbeitern ausgehen, beträgt insgesamt ca. drei Milliarden Dollar. Da die Löhne in Russland höher sind als die in der Türkei und in Dubai, ist und bleibt Russland das bevorzugte Ziel, trotz des ansteigenden Rassismus in vielen Metropolen. Die russischen Medien fördern keine Sympathie für Zentralasien. Stattdessen stellen sie diese Region als einen schlechten Ort dar und veröffentlichen unvorteilhafte Beiträge über Diktatoren, radikale religiöse Gruppen, Terror oder chaotische revolutionäre Bewegungen.

Dies unterstützt den Rassismus und das schlechte Bild von Zentralasien und dem Kaukasus innerhalb der russischen Bevölkerung. Da zudem Intellektuelle in Zentralasien weiterhin Russisch als ihre Primärsprache verwenden, geht diese schwarze Propaganda natürlich auch an ihnen nicht spurlos vorbei. Das führt zu der Entstehung einer neuen Generation junger Intellektueller, die ihre eigene Nation schlecht machen und von ihr entfremdet werden.

Die Länder in der Nähe Kirgistans – Russland, Kasachstan, Usbekistan und China – sind militärische, geografische, politische, wirtschaftliche und demographische Giganten. Kirgistan sieht seine Beziehung mit der Türkei als Gegengewicht zu seinen mächtigen Nachbarn, der Russischen Föderation und China, an. Dabei kommt dem Land der auch in der dortigen Region zunehmend herrschende Zeitgeist entgegen, die Hegemonialmacht Russland unter Präsident Putin als stabilisierenden Faktor wahrzunehmen. So wie die türkisch-russischen Beziehungen sich verbessern und normalisieren, verbessern sich auch die Bande zwischen Zentralasien und der Türkei. Dies gibt zentralasiatischen Ländern die Möglichkeit, einfacher  Bande mit der Türkei zu knüpfen.

Der EU nicht antirussisch genug

Unter den südkaukasischen und zentralasiatischen Ländern gibt es nur zwei, die sich zu einer funktionierenden parlamentarischen Demokratie entwickelt haben: Georgien und Kirgistan. Kirgistan ist das zweite von einem Turkvolk bevölkerte Land nach der Türkei selbst, das zu einem parlamentarischem Regime übergegangen ist. Es ist eine junge Demokratie.

Im Jahre 2013 demonstrierte Ankara seine Affinität für Bischkek, indem es Hilfe in Höhe von 150 Millionen $ bereitstellte. Wie die Türkei begrüßt auch die Europäische Union den Übergang Kirgistans zu einer parlamentarischen Demokratie, sie bietet jedoch dem Land nicht die gleiche Unterstützung an, die beispielsweise Georgien erhält. Georgiens Lage inmitten der politischen Grenzgebiete Europas, seine historische Nähe zu Deutschland, seine christlichen Wurzeln und die antirussische Ausrichtung sind die Hauptfaktoren für die größere Sympathie der EU gegenüber Tiflis.