Der Fall Leyla ile Mecnun – Wie die türkische Politik Serien richtet

Die Serie Leyla ile Mecnun war ein Kult in der Türkei und als „absurde“ Serie überraschend erfolgreich. Obwohl die Serie eine imdb Wertung von 9,2 hat wurde sie im türkischen Staatssender abgeschafft. Kurz nach den Gezi-Protesten im Jahr 2013 in der Türkei wurde die Serie abgeschafft. Sehr schade, denn der Erfolg der Serie hatte gute Gründe, meint unser Blogger Faris Yabel

Leyla ile Mecnun ist eine türkische Serie die zwischen den Jahren 2011 und 2013 im türkischen Staatssender TRT 1 lief. In den drei Jahren gab es insgesamt 103 Folgen. 

Die Serie thematisierte hauptsächlich die Liebesgeschichte der Hauptprotagonisten Leyla Yilmaz und Mecnun Cinar. Man muss aber hinzufügen, dass es sich hierbei keineswegs um eine ausschließlich romantische Serie handelt. Sie hat einen absurden Humor und gleichzeitig wichtige Statements zu gesellschaftlichen und soziologischen Themen. Es geht um allgemeine Tugenden wie Nachbarschaft, Brüderlichkeit, Opferbereitschaft, Freundschaft, also Dinge, die im kosmopolitischen Lifestyle in den Hintergrund rücken. In dieser Serie rücken sie allerdings stark in den Vordergrund und sind Teil des Alltags der Darsteller. Man wird an wichtige Werte erinnert, die heutzutage oft in Vergessenheit geraten.

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Ismail Abi!

Ein Paradebeispiel dafür liefert „Ismail Abi“, der wohl beliebteste Charakter der Serie. Den Verantwortlichen der Serie gelingt es hervorragend ihn als ,,Engel in Person“ darzustellen. Trotz seiner so herzlichen Art erlebt er immer wieder schwere Rückschläge in  einer Welt voller Egoisten. Genauer gesagt ist seine Gute Art der Grund dafür, dass er scheinbar wenig Glück im Leben hat. Er könnte niemandem ein Beinchen stellen um selbst zu profitieren. Aber trotz all der traurigen Erlebnisse ist er ein unglaublich hoffnungsvoller und glücklicher Mensch, solange er nicht einsam ist und seine Freunde an seiner Seite hat. Ismail Abi hat mit dem Hauptprotagonisten Mecnun Cinar und Yavuz Hirsiz zwei Freunde, für die er alles tun würde. Diese Freundschaft entsteht allmählich in der Serie. Für diejenigen, die die Serie nun gucken wollen, ist ein wenig Geduld gefordert. 

Mecnun

Mecnun Cinar ist ein lustiger Charakter, der aber ganz plötzlich ein sehr  traumatisches Ereignis erlebt. Infolge diesen Ereignisses sprach er Jahre lang kein Wort. Mithilfe seiner Freunde bleibt er noch auf den Beinen. Nichtsdestotrotz hängt er auch später an dem Trauma und möchte seinem einsamen, unglücklichen und sehr liebevollen Vater zur liebe stark sein und den Versuch wagen glücklich zu werden. Trotz seiner lustigen Art verbirgt sich eine tiefe Wunde in seinem Herzen. Er ist der Beweis dafür, dass die Serie sehr emotional werden kann und trotzdem noch witzig ist.

Leyle ile Mecnun auf TRT1 / von links nach rechts: Yavuz Hirsiz, Mecnun Cinar, Ismail Abi

Die Serie stellt dar, wonach sich die Menschen sehnen

Mitten in der 15-Millionen Metropole Istanbul haben sich am Rande des hektischen und kapitalistischen Geschehens Menschen zusammen gefunden, die in ihrer Unterschiedlichkeit einander übertreffen, aber genau dadurch einander vervollständigen. Der Witz und die Ausstrahlungskraft der Serie, sowie die weisen und liebevollen Momente sind ein Resultat der Diversität. Diese Personen scheinen wie füreinander gemacht zu sein. Menschen kritisieren immer wieder die Kälte die sich innerhalb der Städte eingenischt hat. In modernen Zeiten kommt es sehr häufig vor, dass man von den vermeintlichen „Freunden“  enttäuscht und im Stich gelassen wird.

Der Wert dieser Serie ist in dem Moment verborgen, der dem Zuschauer eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass wenige „echte“ Freunde wichtiger sind als hunderte Egoisten neben sich zu haben, denn die sind eigentlich nur aus Eigensinn und Eigennutz da. Diese ganzen Feinheiten und zwischenmenschlichen Situationen unter den Charakteren reichen aus, um durch das bloße Zuschauen glücklich zu werden.

Mit Mecnun, Yavuz und Ismail Abi hat die Serie eine herzerwärmende Vorzeigefreundschaft zu bieten. Diese Freundschaft alleine ist Grund genug die Serie zu „suchten“.

Unwürdiger Abschied

Das Ende der Serie kam kurz nachdem sich Hauptdarsteller und Regisseur von Leyla ile Mecnun an den Gezi- Protesten beteiligten. Der Staatssender TRT gab jedoch an, dass die Zuschauerzahlen und finanzielle Defizite Schuld am Ende seien. Das ist bemerkenswert, zumal die Serie innerhalb weniger Folgen zum Phänomen wurde und sehr viele Auszeichnungen erhielt. Vom IMDb erhielt die Serie nicht umsonst insgesamt 9,2 von 10 Punkten und lässt damit sogar „Lost“ und „House“ hinter sich.

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