„Ein richtiges Türken-Kind: dunkel und viele Haare auf dem Kopf!“

Der immerwährende Türke

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Vor einigen Tagen wurde ich mich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass ich ein nationalistisch-autoritärer Mensch sei.

Jeder von uns weiß ja, dass der Begriff „nationalistisch“ in Deutschland generell als negativ empfunden wird, was nicht zuletzt auch seiner unschönen Vergangenheit zu verdanken ist.

Es ist aber so: Ich stehe zu meiner Herkunft und liebe ebenso die Heimat meiner Eltern – die Türkei. Ich hatte nie das Bedürfnis, irgendetwas zu leugnen, damit andere mich mögen oder ich dadurch anderweitige Vorteile erzielen kann.

Mein Vater erzählte mir, dass die Hebamme mich, als ich in den 70er Jahren in Frankfurt auf die Welt kam, in die Arme nahm und meinte:

„Ein richtiges Türken-Kind: dunkel und viele Haare auf dem Kopf!“

Seit ich also die Welt erblickt habe, bin ich „der“ Türke.

Nie habe ich mich als Deutscher gefühlt. Nie wurde ich als ein solcher angesehen.

Wieso sollte ich also nicht dazu stehen? Wieso wird die Liebe zu meiner Heimat als etwas Negatives aufgefasst? Muss ich deswegen gleich als „nationalistisch-autoritär“ angesehen werden?

Ich habe nie jemanden aufgrund seiner Ethnie, seiner Religion oder seiner politischen Ansichten ungeprüft in eine Schublade gesteckt.

Im Gegenteil: Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, wenn ich jemanden offensichtlich falsch eingeschätzt habe.

Unsere armenisch- und kurdischstämmigen Nachbarn damals

In den Achtzigern waren unsere Nachbarn in Frankfurt armenischstämmige und kurdischstämmige, türkische Staatsbürger.

Wir sprachen die gleiche Sprache (Türkisch) und haben uns super verstanden. Ich kann mich noch an ihre Kinder erinnern. Mehtap sollte jetzt Ärztin sein. Wahrscheinlich will sie jetzt nichts mehr von Türken wissen, mich mit eingeschlossen…

Es ist doch wirklich traurig zu sehen, dass Menschen, die eigentlich keine Probleme miteinander hatten, sich bestens verstanden haben, einfach durch die politischen Verhältnisse auseinander gerissen werden.

Die angeblichen Gutmenschen, die es vielleicht unbewusst machen, schieben leider einen Keil zwischen die Kulturen und Ethnien.

Anderen zwar vorwerfen, nationalistisch zu sein, aber selbst den Nationalismus latent schüren, indem sie emotional polarisieren und über „gut„ und „schlecht“ entscheiden…

„Der Türke“ zieht dabei eigentlich fast immer den Kürzeren und kommt so gut wie immer in die Kategorie „Neutral – mit Tendenz zu Schlecht“. Gut sind meist nur andere.

Bereits das Berichten über die Feste aus der eigenen Kindheit können ihm angelastet werden.

Als ich mal in meinem Dorf in der Türkei war, haben wir NEVRUZ gefeiert. Alle sind über ein großes Lagerfeuer gesprungen, haben getanzt und waren fröhlich. Ein Fest eben.

Jetzt bekomme ich von einigen Theoretikern zu hören, dass das gar nicht möglich sein kann, denn dieses Fest wäre ja definitiv kein türkisches.

Begründung: Weil sie irgendwo in einer Bibliothek gelesen haben, dass es so ist.

Das NEVRUZ-Fest wird seit Jahrhunderten bei allen Turkvölkern gefeiert.

Die sollten vielleicht schleunigst mal in die Bibliothek, damit sie über ihre eigenen Feste von irgendwelchen anderen Leuten aufgeklärt werden.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als das erste Mal unsere kurdischen Nachbarn NEVRUZ mitgefeiert haben.

Meine Eltern waren sehr erfreut und zugleich auch überrascht, weil die Nachbarn es davor nie gefeiert hatten und erst durch uns ein Interesse daran entwickelten.

Aber all das kann vielleicht auch nur geträumt sein – denn in den Büchern stünde ja, dass NEVRUZ definitiv kein türkisches Fest sei und es Perser, Kurden und weiß Gott noch wer alles feiern – aber doch nicht die Türken!

Wem Glauben schenken?

Die Frage stellt sich nur für mich (da ich auch ein ziemlich pragmatischer Mensch bin), was ist denn wichtiger?

Das Erlebte oder das, was in den Büchern steht?

Wieso wird dem Türken Nationalismus unterstellt, wenn dieser zu seiner Herkunft und zu seiner Heimat steht?

Wieso werden gleich Geschütze aufgefahren wie Rassismus?

Es kommt mir langsam sehr suspekt vor, dass alles möglichst Negative mit den Türken assoziert wird!

Wenn jemand seine Heimat liebt und zu seiner Herkunft steht, dann ist er definitiv mit einem Nazi zu vergleichen?

Das würde die Opfer des Nazi-Regimes verunglimpfen.

Das würde einfach den Begriff „Nazi“ verharmlosen.

Einige möchten das wahrscheinlich sogar. Getrost dem Motto „Zwei Fliegen mit einer Klatsche“.

Erstmal ihre eigenen Vorfahren rehabilitieren – durch Verharmlosung und inflationären Gebrauch der Begriffe „Nationalist“ und „Faschist“… Anschließend anderen Nationalismus vorwerfen.

Aber diese so genanten Gutmenschen sollten doch bitte nicht vergessen, dass auch andere des Denkens mächtig sind und dieses Spiel leicht durchschauen können!


Foto: By Immanuel GielOwn work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15713782