Der letzte „Superheld” der letzten Supermacht: Barack Obama

Die amtierenden US-Präsidenten werden in aller Regel – die von ganz wenigen Ausnahmen bestätigt wird – wiedergewählt. Man kann die Wiederwahl Obamas trotzdem als einen „Erfolg“ bezeichnen, denn in einer Phase, wo die Arbeitslosigkeit über der Marke 7,9% lag, wurde bislang noch kein US-Präsidentin seinem Amt bestätigt.

Dass die US-Bürger trotz der hohen Arbeitslosigkeit Obama im Amt bestätigt hatten, deutet darauf hin, dass eine Mehrheit immer noch seinen Vorgänger George W. Bush für die Finanzkrise und deren Folgen verantwortlich machen.

Doch was bedeutet die Wiederwahl von Obama für die Welt? 80% der Europäer begrüßen seine Wiederwahl. Dieser Wert wird wahrscheinlich in der Türkei noch höher liegen. Die Frage nach der Haltung des Präsidenten gegenüber Themen wie dem Weltfrieden, der globalen Wirtschaftskrise und dem „Arabischen Frühling“ scheint außerhalb der USA lebenden Menschen eher ein Anliegen zu sein.

Der Vorsitzende des J.F. Kennedy Institutes, Prof. Dr. Irwin Collier, fasst diese Situation mit dem Sprichwort „Die Welt bevorzugt den Teufel, den sie kennt“ zusammen. Vielleicht war auch die extreme Empfindsamkeit Romneys im Bezug auf Israel dafür verantwortlich, dass er vielen im In- und Ausland als ein unvorhersehbarer Kandidat galt.

Sollte es Obama gelingen, Erfolge in der Innenpolitik und bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise, zu erzielen, sollte er die Polarisierung in den USA abschwächen können und Erfolg in der Außenpolitik haben, insbesondere hinsichtlich einer Lösung der Probleme mit Konfliktpotenzial, könnte Obama neben den legendären, ehemaligen Präsidenten wie Washington, Lincoln, Reagan oder Roosevelt zu einer historischen Figur werden.

Während der Wahlkämpfe in den USA hatte man früher in der Türkei darüber spekuliert, mit welchem Kandidaten man beispielsweise die Armenien-Frage besser lösen könnte. Diese Haltung beendete die Regierung vor Jahren. Es war auch erfreulich, dass in den Medien solche Themen keine Rolle mehr spielten.

In der Vergangenheit konnte Ankara nur mithilfe Israels seine Beziehungen zum Weißen Haus und zum Pentagon stärken. Doch heute braucht sie die Hilfe Jerusalems nicht. Auch eine Wahl Romneys, der seine Nähe zu Israel gelegentlich hervorhob, hätte die Haltung Ankaras nicht verändert. Die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA waren jedenfalls noch nie so fortgeschritten wie heute und das liegt unter anderem auch an Barack Obama.