Deutsch-Türkische Kulturolympiade

Kulturolympiade vor Lanz und Wetten, dass…?

Die Deutsch-Türkische Kulturolympiade ist ein idealer Ort, um vorgefasste Meinungen in Zweifel zu ziehen. So war auch die langjährige Hizmet-Kritikerin und Rechtsanwältin Seyran Ateş höchst angetan von den Aufführungen und der Atmosphäre. (Foto: cihan)

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„Kendin çal kendin oyna“ – dieses türkische Sprichwort sagt: „Tanze selbst zu deiner eigenen Musik“. Es soll Menschen dazu motivieren, nicht auf fremde Hilfe, Unterstützung oder Beifall zu warten, sondern gleich selbst zur Tat zu schreiten und aktiv zu werden. Dieses Sprichwort passte „wie die Faust aufs Auge“, als das Finale der vierten Deutsch-Türkischen Kulturolympiade (DTKO) in der Münchener Olympia-Halle stattfand. Vor knapp 10 000 Gästen und zahlreichen Prominenten aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft wurden deutschen und türkischen Kindern Preise für Gesang, Tanz und Kultur überreicht. Den ganzen Abend lang belegte der Hashtag #KulturOlympiade2014 mit 83 000 Tweets TT-Listenplatz 1, noch vor #WettenDass und #MarkusLanz.

Zweifelsohne wurde sehr viel Fleiß und Mühe in diese vorbildliche Vorführung praktischer, bunter und spaßbringender Integrationsarbeit gesteckt. Fleiß und Mühe durch die Organisatoren aus dem Academy e.V. und die jungen Menschen, die eine unbeschreiblich grandiose Performance dargelegt haben. Die ganz großen Gewinner des Abends waren Elefterios Basilitis mit dem Lied „Anadolu benim“, Vivian Brand Sassen mit dem Gedicht „Sürgün“, Selman Gültekin mit einer Interpretation von Tim Bendzkos „Programmiert“ und Tuhana Güney mit „Hakim bey“. Mit einer spektakulären Bühnenshow, einem Meer aus Farben, ganz viel Rhythmus und Melodie und einer regelrechten Eindrucksexplosion durften die Gäste den Abend am Ende verlassen. So wie Jochen Thies es am Ende formulierte: „Ihr Deutsch-Türken seid, wenn auch mit einem amerikanischen Content, geborene Entertainer“.

Mediales Interesse beschränkt sich auf Anti-Kampagne im Vorfeld

Es bleibt dennoch auch dieses Jahr wieder die Frage im Raum, weshalb das mediale Interesse fast völlig ausblieb. Im Vorfeld brachten lokale Blätter wie der „Wiesbadener Kurier“ oder der „Münchener Merkur“ Berichte, in denen Schirmherren und Organisatoren wieder einmal kritisiert wurden. Zur eigentlichen Preisverleihung in München trafen die deutschen Medien jedoch nicht ein. Die Anfrage, welche die Gründe für ein Fernbleiben oder die fehlende Berichterstattung waren, blieb unbeantwortet.

Uğur Ünal, der Pressesprecher der Deutsch-Türkischen Kulturolympiade, teilte sein Bedauern und seine Enttäuschung für das Fehlen von Medien und noch mehr von Politikern mit. Mittels einer PR-Agentur seien auf dem üblichen Weg allen erdenklichen Interessenten Einladungen und Pressemitteilungen zugeschickt worden. Man habe in Wiesbaden sogar auf Grund der angespannten Situation im Pressebereich einen extravaganten Obstkorb vorbereitet, als Symbol des guten Willens gegenüber den Medien. „Wir haben uns von der Presse und von den deutschen Politikern etwas mehr Unterstützung gewünscht, letztendlich geht es hier um Integration in Deutschland. Dies soll und kann auch nicht von anderen Debatten überdeckt werden“, so Ünal.

Integration sei keine Einbahnstraße, Assimilation schon gar nicht, werde immer gerne berichtet. Die Würdigung der Erfolgsgeschichten bleibe in den Medien aber spärlich. Nichtsdestotrotz hieß das Motto in diesem Jahr „Vereinte Herzen“ und ja, die Deutsch-Türkische Kulturolympiade hat es definitiv geschafft, die Herzen der Anwesenden zu vereinen. Bloß gut, dass das Motto nicht „Sehen und gesehen werden“ hieß, denn sehen will man das Ganze mancherorts anscheinend immer noch nicht. Schlagzeilen über Kriminelle aus dem Einwanderermilieu verkaufen sich eben besser.

Zur Kulturolympiade gekommen, um Vorurteile auf die Probe zu stellen

Dabei gibt es durchaus Personen, die so manchem Mediengewaltigen als Vorbild dienen könnten. So war in diesem Jahr niemand Geringerer als die in Deutschland bekannte Frauenrechtlerin und Anwältin Seyran Ateş eine der wichtigen Gäste der diesjährigen DTKO. Und ähnlich wie bereits der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, sich vor einigen Monaten sein eigenes Bild von der Hizmet-nahen TÜDESB-Privatschule gemacht hatte, ging auch Ateş mit einem überaus positiven Eindruck nach Hause.

In ihrer Bewertung betonte  die Anwältin die Wichtigkeit der Bildung: „Vor allem in Verbindung mit der Integration gibt es keinen wichtigeren Aspekt als die Bildung.“ Auch die Lebensfreude, die seitens der Teilnehmer zum Ausdruck kann, ging an Ateş nicht spurlos vorüber: „Man sieht, dass die Kinder und Jugendlichen die Welt anders erblicken.”

„Ich bin gerührt, es hat mir sehr gefallen. Jeder hat das heute betont, auch ich werde das gleiche sagen“, betonte die bekannte Frauenrechtlerin weiter, und fügte hinzu: „Früher bin ich der Hizmet-Bewegung mit Vorurteilen begegnet und kritisierte sie nur. Aber als ich Herrn Ercan Karakoyun (Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung) und andere der Hizmet-Bewegung nahestehende Personen kennengelernt habe, merkte ich, dass ich der Bewegung  generell mit Vorurteilen begegne. Ich bin vor allem zu dieser Veranstaltung gekommen, um meine Vorurteile auf die Probe zu stellen.“

Ateş: „Beispiel für ein multikulturelles Miteinander“

Ateş erklärte zudem, sie wolle weiter das Gespräch mit der Hizmet-Bewegung suchen: „Ich bin auch andernorts zu Besuch, wenn über die Hizmet-Bewegung gesprochen und diskutiert wird. Ich möchte die Hizmet-Bewegung näher kennenlernen. Deshalb freute ich mich sehr über diese Einladung. Im Moment bin ich sehr gerührt und kann es kaum beschreiben. Vor allem die Kinder und Jugendlichen so zu sehen und nicht gerührt zu sein, ist fast unmöglich. Ich wünsche mir, dass unsere Kinder mit mehreren Kulturen und Sprachen aufwachsen und Frieden und Einigkeit auf der Welt schaffen. Ich glaube, dass die Kinder und Jugendlichen auf der Bühne mehr Wissen mit sich bringen als andere. Aus diesem Grund werden sie die Welt anders erblicken, das sieht man in ihren Augen. Ich möchte auch die Schulen, die der Hizmet-Bewegung nahestehen, besuchen. Hoffentlich werde ich auch ein ähnliches Bild sehen wie hier heute. Dann werden auch hoffentlich meine Ängste verschwinden und wir werden gemeinsam agieren.“

Die Anwältin sieht das, was die Kulturolympiade vermittelt, als vorbildlich: „Es ist möglich, in einer multikulturellen Welt zu leben. Die vielen Kinder und Jugendlichen auf der Bühne zu sehen, ist hervorragend. Ich konnte mich schwer halten. Am liebsten würde ich gerne mit den Kindern und Jugendlichen auf der Bühne tanzen wollen.“