Muslime in Deutschland: Auch im Tod ein Teil dieses Landes

Im bevölkerungsreichsten Bundesland könnten bald mehrere muslimische Friedhöfe entstehen. Das Landeskabinett von Nordrhein-Westfalen beschloss am gestrigen Dienstag in Düsseldorf einen entsprechenden Gesetzesentwurf, in dem auch eine Erleichterung der Organisation und Durchführung muslimischer Bestattungen vorgesehen ist.

So sollen künftig auch Religionsgemeinschaften oder religiöse Vereine die Errichtung und den Betrieb kommunaler Friedhöfe übernehmen können. Dazu müssten die Religionsgemeinschaften oder religiöse Vereine unter anderem einen „dauerhaften Betrieb“ sicherstellen, hieß es aus der Staatskanzlei.

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne), die mit ihrem Ministerium die entsprechende Novelle vorbereitet hat, zeigt sich überzeugt, dass dieses „gesetzgeberische Signal“, wie sie es formuliert, die Zusammenarbeit in diesem Bereich fördern wird.

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Steffens weiter: „Ich gehe davon aus, dass sich muslimische Bürgerinnen und Bürger zunehmend in Deutschland bestatten lassen möchten, damit die Grabstätten in der Nähe ihrer Kinder und Enkelkinder liegen, die hier leben“. Bislang konnten Kommunen lediglich Plätze innerhalb eines bestehenden Friedhofs für muslimische Bestattungen reservieren. Jedoch können die Gräber meist nur für eine begrenzte Dauer von den Angehörigen der Verstorbenen angemietet werden.

Nach Ablauf dieses Zeitraumes besteht jedoch je nach Platzsituation die Gefahr, dass diese Gräber eingeebnet und die Grabsteine entfernt werden. Auch der Verband der islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ) ist mit der neuen Gesetzesnovelle zufrieden. Erol Pürlü vom VIKZ sagte gegenüber dem DTJ, dass solche Entwicklungen für Muslime sehr gut seien und dass er daran glaube, dass Muslime bald ewig in ihren Gräbern ruhen können. Die entsprechende Gesetzesnovelle muss nun durch den nordrhein-westfälischen Landtag.

Privatinitiative hilft bei der Orientierung

Von der Option, ihre Verwandten hier bestatten zu lassen, machen tatsächlich immer mehr Muslime Gebrauch. Die „Initiative Kabir“ will den Betroffenen helfen, sich angesichts der noch sehr undurchsichtigen Situation zu orientieren und hat zu diesem Zweck auf www.initiative-kabir.de eine Möglichkeit geschaffen, eine nicht-kommerzielle und wissenschaftliche Perspektive auf die Situation muslimischer Grabfelder in Deutschland zu bekommen.

Die Besucher der Homepage bekommen auf diesem Wege erstmals die Möglichkeit, sich Informationen zum Themenfeld der muslimischen Bestattungskultur und zu muslimischen Grabfeldern in Deutschland zu verschaffen.

Es werden die einzelnen Phasen muslimischer Bestattungen, beginnend vom Sterben bis hin zur Beerdigung, aufgearbeitet und erläutert. Außerdem kann man sich auf der Seite darüber informieren, wie viele muslimische Grabfelder es bislang in Deutschland überhaupt gibt und wo diese sich befinden. All diese Informationen sind mit reichlichem Fotomaterial geschmückt.

Da zu diesem Themenbereich allerdings bis dato nur wenig bis gar keine Forschung betrieben worden ist, hat die „Initiative Kabir“ auch einen wissenschaftlichen Ehrgeiz entwickelt. Man wolle nicht nur eine Informationslücke zu schließen, sondern auch eine Dokumentationsgrundlage für wissenschaftliche Arbeiten bieten, meint Gründer Erdoğan Karakaya.

Zudem ergänzt Karakaya, dass diese Webseite Muslimen in Deutschland helfen soll, zu erkennen, dass sie ebenfalls ein Teil dieses Landes und dieser Gesellschaft sind – und das nicht nur zu ihren Lebzeiten.