Die Abant-Plattform diskutierte 端ber die Rolle der t端rkischen Medien

Dr. Jenny B. White von der Boston University f端hrte durch den letzten Tag und leitete die Diskussionen 端ber die Rolle der t端rkischen Medien im Prozess der Demokratisierung der T端rkei sowie die Beziehung zwischen der Regierung und den t端rkischen Medien.
Cemal Uak, Vize-Pr辰sident der zivilgesellschaftlichen Organisation The Journalists and Writers Foundation, berichtete 端ber die Standards fachjournalistischer Ausbildung in der T端rkei, betonte jedoch, dass die Besitzer der Medienkonzerne nicht aus der Medienbranche kommen. Diese Konzernf端hrer w端rden die Medien lenken, bemerkte Uak und lenkte die Aufmerksamkeit auf den Pressekodex, der die ethischen Grunds辰tze und Richtlinien f端r die publizistische Arbeit beinhaltet. Der T端rkische Presserat (TGC) formuliere in unregelm辰igen Abst辰nden publizistische Grunds辰tze, die jedoch von vielen Journalisten nicht eingehalten w端rden. Uak behauptete desweiteren, dass die Presse-Chefs die t端rkischen Medien nach ihrem Willen leiten w端rden: Fr端her wurde die Titelseite einer Zeitung nach Vorliebe des Chefss gestaltet. Professionelle journalistische Arbeit werden f端r Berichte auf der Titelseite nicht gerne gesehen. So k旦nnen journalistisch-ethische Grundregeln nicht eingehalten werden. Im Moment habe ich das Gef端hl, dass alle Seiten der Zeitung von den Medien-Bossen bestimmt und auch die Inhalte auf deren W端nsche abgestimmt publiziert werden.

Nur mit der Selbstzensur konnten wir uns auf den Beinen halten
Herausgeber und Chefredakteur der in Istanbul erscheinenden griechischsprachigen Zeitung Apoyevmatini (deutsch: Nachmittagszeitung), Mihail Vasiliadis, berichtete, dass fremdenfeindliche uerungen 端ber Minderheiten der Beweggrund f端r seinen Berufswunsch waren. Er berichtete jedoch, dass die Zeitung der kleinen griechischen Gemeinde in Istanbul, aufgrund der miserablen finanziellen Situation im letzten Jahr fast schlieen mussten: Nach meinen uerungen hatte das Amt f端r Presseanzeigen beschlossen, auch in den Zeitungen von Minderheiten offizielle Anzeigen zu schalten. Jedoch wurde dieses Versprechen bis heute nicht umgesetzt. Stattdessen wurden finanzielle Hilfeleistungen bevorzugt. Um ihre Zeitung 端ber Wasser zu halten, praktizieren sie eine Form der Selbstzensur. Vasiliadis betonte, dass die Zeitungen von Minderheiten ein wichtiges Thema seien. Weiter sagte er: Die griechischsprachige Tageszeitung, die seit 1925 erscheint, erreichte eine Auflagenst辰rke von einst bis zu 30.000 Exemplaren in den 1920er Jahren. 1927 sank die Auflage jedoch drastisch. Durch eine selbst auferlegte Zensur konnten wir die Zeitung bis heute auf den Beinen halten.
Lili Gasparian von der ersten t端rkisch-armenisch erscheinenden Wochenzeitung der T端rkei Agos beklagte die Hass-Bekundungen gegen Minderheiten in der t端rkischen Presselandschaft. Gasparian betonte, dass die Minderheiten ihre ngste im Prozess der Demokratisierung der T端rkei 端berwinden m端ssten: Diese Menschen sind auch ein Teil der T端rkei und wollen das sich die T端rkei entwickelt und vorw辰rts kommt.
Bora Bayraktar vom t端rkischen Nachrichtensender Euronews wies darauf hin, dass Nachrichten den Ereignissen einen Sinn geben m端ssen. Doch die anderen TV-Formate und deren Betrieb w端rden anders verlaufen. Bayraktar f端gte hinzu: In der Fernsehbranche z辰hlen die Einschaltquote und der Erfolg misst sich daran, wer zuerst ausstrahlt. Aus diesem Grund z辰hlt auch leider nicht der Wahrheitsgehalt einer Nachricht, sondern wer sie zuerst verbreitet hat.
Der kurdische Autor mit F脹rat teilte seine Beobachtungen zum Stand der Publizistik in Ankara mit. In Ankara versuchen einige Generale und Repr辰sentanten von verdeckten Organisationen durch den Einfluss der Journalisten die Gesellschaft zu lenken, behauptete F脹rat. Er klagte 端ber das manipulative Verhalten der Journalisten bei der journalistischen Aufarbeitung von Themen wie zum Beispiel Prozessen, bei der nicht ihre Meinungsfreiheit z辰hlt, sondern die Werte des Regimes.
W辰hrend Ihsan Y脹lmaz, Assistenzprofessor f端r Politische Wissenschaft an der Fatih Universit辰t in Istanbul und zugleich Direktor des Postgraduierten-Programms f端r politische Wissenschaft und Internationale Beziehungen, die Meinung vertritt, dass nur wenige Journalisten aufgrund der Liebe zu ihrem Beruf, diesen aus端ben w端rden, berichtete Ferhat Kentel, Professor f端r Soziologie in Istanbul, 端ber die sich langsam anbahnende Isolation von Gruppierungen in der T端rkei. Diese Menschen wollen nur Nachrichten lesen, die ihren eigenen Werten entsprechen.
Die seit sieben Jahren in Istanbul lebende amerikanische Schriftstellerin und Journalistin Claire Berlinski sprach 端ber das wachsende Misstrauen der Bev旦lkerung an die t端rkische Presselandschaft. Die Bev旦lkerung zweifele zunehmened an der Glaubw端rdigkeit der Nachrichten.
Chefredakteur B端lent Kene von der englischsprachigen Tageszeitung Todays Zaman warnte vor zu schneller Verallgemeinerung von Themen. Seit 10-15 Jahren entstehe eine andere Atmosph辰re in der t端rkischen Medienlandschaft. Der Chefredakteur f端gte hinzu: In der T端rkei hatten 10% der Elite ein Mitsprachrecht von 90%. Aber das 辰ndert sich. Endlich k旦nnen wir auch andere Stimmen verzeichnen.
Ahmet 脹k wurde zum Medienhelden stilisiert
G端lden Ayd脹n, Journalistin der t端rkischen Tageszeitung H端rriyet kreidete die Unwissenheit der Ausl辰nder 端ber die t端rkischen Medien an. Die Kolumnisten der Presse w端rden die Mission eines Streitschlichters auf sich nehmen, um die Beziehung zwischen Staat und Medienkonzernen stabil zu halten: Die Medien-Bosse machen auch Gesch辰fte in anderen Branchen, um so politischen Einfluss zu gewinnen. Die Kolumnisten schreiben dann das, was ihr Boss von ihnen will. Je mehr die Meinungs- und Pressefreiheit in den t端rkischen Medien gehemmt wird, umso weniger werden Fortschritte auf dem Weg der Demokratisierung zu verzeichnen sein. Der Fall Ahmet 脹k ist meines Erachtens kein gelungenes Beispiel um die Demokratisierung in der T端rkei aufzuzeigen. Ob der t端rkische Autor und investigativer Journalist 脹k wegen seinen Ver旦ffentlichungen inhaftiert worden ist oder nicht, wird sich mit dem Gerichtsurteil herausstellen. Auerdem bin ich seit 端ber 20 Jahren Journalistin und den Namen Ahmet 脹k habe ich zum ersten Mal mit seiner Verhaftung geh旦rt. Es l辰sst sich dar端ber streiten, wieviel Anteil seine journalistischen Schriften an seiner Verhaftung hatten oder nicht. Er wurde zu einem Medienhelden stilisiert.
端bersetzt von Funda Karaca