Die Sieger der Exzellenzinitiative stehen fest – was nun?

Jubel bei den Siegern. Entt辰uschung, Kritik, aber auch Selbstkritik bei allen Hochschulen, die es am Freitag bei der Endausscheidung der zweiten sogenannten Exzellenzinitiative nicht geschafft haben. 39 Universit辰ten aus dem gesamten Bundesgebiet k旦nnen nun bis 2017 mit zus辰tzlich 2,7 Milliarden Euro Forschungsgeldern rechnen.

Besonders Schmuckst端ck auch dieses zweiten Wettbewerbs war nat端rlich die K端r der Elite-Universit辰ten. Neun waren es beim ersten Mal. Elf wurden diesmal ausgew辰hlt. Eine erste Analyse von Aufsteigern und Absteigern zeigt, dass viele Vorurteile nicht zutreffen, die in der Hochschulszene 端ber diese besonders publikumstr辰chtige, aber auch umstrittene dritte S辰ule des F旦rderprogramms kursieren.

Auch eine Hochschule aus dem Osten – die TU Dresden – kann in den Kreis der forschungsst辰rksten deutschen Universit辰ten aufsteigen. Es muss nicht immer nur der Westen sein. Und auch eine Massenhochschule wie K旦ln kann sich profilieren. Die Universit辰t Bremen hat wegen Spitzenleistungen in der Forschung l辰ngst das Image der linken Kaderschmiede von einst abgelegt. Die Deutschland-Karte mit der bundesweiten Verteilung der elf Elite-Unis ist auf den ersten Blick nicht mehr ganz so s端dlastig wie noch bei der ersten Initiative (2006 bis 2011).

V旦llig 端berraschend ist das Ausscheiden des Karlsruher Instituts f端r Technologie (KIT) aus der Eliterunde. Hinter den drei Buchstaben KIT versteckt sich der 2006 vollzogene Zusammenschluss von Universit辰t und dem aueruniversit辰ren Forschungszentrum Karlsruhe. KIT scheiterte nicht wegen seines von der Fachwelt hochgelobten Zukunftskonzepts. Der Uni war es nicht gelungen, auch in der zweiten Wettbewerbss辰ule des Programms mit einem F旦rderantrag f端r disziplin端bergreifende Forschung (Cluster) zu 端berzeugen. Ohne zweite S辰ule aber kein Aufstieg in dritte.

Dabei setzen Forschungspolitik wie Wissenschaftsrat heute gerade auf diese enge Zusammenarbeit von Universit辰t und aueruniversit辰rer Forschung. Der Auszug der Spitzenforschung aus der Universit辰t, der in den 70er Jahren mit der vermehrten Gr端ndung von neuen Max-Planck-Instituten einsetzte, soll damit ein wenig korrigiert werden.

Dass die Berliner Humboldt-Universit辰t nunmehr auch in den Kreis der Elite-Hochschulen aufr端ckte, liegt vor diesem Hintergrund auf der Hand. Bei ihr steht – unabh辰ngig von der Exzellenzinitiative – 2013 die Fusion der vom Land unterfinanzierten Hochschulmedizin Charit辿 und dem vom Bund unterhaltenen Max-Delbr端ck-Centrum f端r Molekulare Medizin (MDC) an. Angestrebt wird mit viel Bundesgeld ein weltweit sichtbarer 束Leuchtturm損 der Medizinforschung.

Doch was kommt nach 2017, wenn die F旦rdergelder auch aus der zweiten Exzellenzinitiative nach f端nf Jahren versiegt sind. Wie geht es weiter mit der F旦rderung der Spitzenforschung in Deutschland? Bund und L辰nder wollen keine dritte Initiative. Die Jury-Entscheidung war am Freitag noch nicht verk端ndet, da diskutierte in einem Nebenraum des Bonner Wissenschaftsministeriums Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bereits mit einzelnen L辰nder-Kollegen und Funktion辰ren aus der Wissenschaft. Schavan m旦chte, dass die neuen Preistr辰ger genauso wie die aus der ersten Runde wenigstens auch zehn Jahre gef旦rdert werden – und nicht nur f端nf.

Schavan hat den L辰ndern eine Grundgesetz辰nderung 束light損 zur Lockerung des erst 2006 mit der F旦deralismusreform eingef端hrten Kooperationsverbotes vorgeschlagen. Durch Einf端gung von nur zwei W旦rtern ins Grundgesetz soll sicher gestellt werden, dass der Bund k端nftig nicht nur befristete 束Vorhaben損 der Wissenschaft – wie etwa Exzellenzinitiative und Hochschulpakt – finanzieren kann, sondern auch 束Einrichtungen損, und dies dauerhaft.

SPD und Gr端nen und vielen Bildungsexperten geht das nicht weit genug. Sie m旦chten, dass der Bund auch andere Bildungsbereiche f旦rdern kann, wie etwa Ganztagsschulen oder die Einf端hrung der Behinderten-Inklusion an den Schulen. Doch einigen Landes-Politikern vor allem aus dem S端den der Republik geht das wiederum schon zu weit. Sie wollen dem Bund m旦glichst gar keine Bildungskompetenzen zugestehen – auch wenn ihnen die Schuldenbremse l辰ngst im Nacken sitzt.

2013 ist Wahljahr. Die Chancen f端r eine Grundgesetz辰nderung noch vor der Bundestagswahl stehen denkbar schlecht.
Von Karl-Heinz Reith, dpa