Diesel in der Türkei: Nicht alle müssen 4 TL für den Liter zahlen

Der Preis für einen Liter Diesel in der Türkei liegt derzeit bei 4,05 TL ( ca. 1,41 Euro). Den Preis müssen aber nicht alle im Land zahlen. So zahlen etwa Besitzer von Luxusyachten rund 2,1 TL, weil die sog. Verbrauchssteuer ÖTV (Özel Tüketim Vergisi) entfällt.

Kritik kommt deswegen gerade von den Landwirten, weil ihnen im Gegensatz zu den Luxusyachtenbesitzern keine Steuererleichterungen eingeräumt werden. „Wenn die ÖTV entfällt, wird die Produktion steigen“, sagte Ibrahim Yetkin, Vorsitzender des Landwirtschaftsverbandes (Ziraatçılar Derneği), der Zeitung „Zaman“. Yetkin zufolge verbrauchen die türkischen Bauern jährlich 2,3 Millionen Tonnen Diesel. Für die Betroffenen sind die hohen Preise an den Zapfsäulen eine Riesenbelastung. „Anstatt Bauern staatlich zu fördern wird genau das Gegenteil gemacht – man versucht die Landwirtschaft zu vernichten“, empört sich Yaşar T., Landwirt seit 25 Jahren. Der Landwirtschaftsverband geht davon aus, dass die Kosten für die Produktion bei einem Entfallen der ÖTV um 30 Prozent sinken könnten.

Obwohl nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die Lebensmittelpreise weltweit auf dem tiefsten Stand seit fünf Jahren sind, stiegen diese in der Türkei zuletzt stark. Ermäßigtes Diesel für Landwirte würden dann auch dem türkischen Verbraucher zugute kommen.

Für Verärgerung sorgt ein Bericht in „Airporthaber“. Darin heißt es, dass regierungsnahe Unternehmen für Diesel weit weniger bezahlen müssten als Normalverbraucher. Konkret geht es um den Bau des dritten Flughafens in Istanbul.

Die Ausschreibung zum Bau des Megaflughafens ging an den Unternehmenszusammenschluss „Cengiz-Limak-Kalyon-Mapa-Kolin“. „Hunderte LKW an der Baustelle des Flughafens erhalten ihren Diesel für 1,15 TL (0,4 Euro, Anm. d. Red.)“, heißt es in dem Bericht. Ähnliche Billigpreise würden auch die regierungsnahen Unternehmen zahlen, die auch die dritte Brücke über dem Bosporus bauen. Presseanfragen ließen die betroffenen Unternehmen bislang unbeantwortet.