DITIB Jugendverband schmeißt hin

Der Jugendvorstand der Türkisch-Islamischen Union Ditib tritt zurück. Nach Informationen des dtj tritt der „Bund der Muslimischen Jugend (BDMJ)“, der zum türkischen Islamverband DITIB gehört, geschlossen zurück. In dem Schreiben, das dem dtj vorliegt, heisst es, dass „angesichts der aktuellen Lage, die sich […] seit über einem Jahr hindurchzieht“ eine weitere Arbeit nicht mehr möglich sei. Konkret habe der DITIB-Bundesvorrtand den Arbeitsvertrag von mindestens zwei wichtigen Funktionären der DITIB-Jugend grundlos gekündigt, bzw. zwangsversetzt. Diese rabiate Art Personal auf den Abstellgleis zu stellen, wird anscheinend langsam zur Gewohnheit der DITIB. Auch Murat Kayman trat vor wenigen Wochen überraschend zurück, wohingegen es aus DITIB-internen Kreisen hieß, dass ein ähnlicher Vorgang auch bei Kayman passiert sei.

BDMJ: Verzweifelte Hilferufe blieben unerhört

Der Bundesvorstand der DITIB-Jugend hat durch diesen Rücktritt eine ernste Konsequenz gezogen und sich mit den beiden Verantwortlichen, die durch den Botschaftsrat der DITIB entlassen wurden, solidarisiert. Der Jugendvorstand sei bei dem Prozess der Entlassungen, bzw. der Versetzung „abermals übergangen und nicht ernst genommen“, heisst es in dem Rücktrittsschreiben, das einem Brandbrief näher kommt. Außerdem sei die „unangemessene und unverhältnismäßige Durchsetzung eigener Rechte“ im Umgang mit ehrenamtlich arbeitenden jungen Menschen wenig förderlich. Zudem seien Personen, die die Jugendarbeit des Vereins massiv behindert hätten, nicht einmal gerügt worden. Vor allem beschwert sich der Brief über den Religions-Attache in Berlin, der vor wenigen Monaten in den Medien negativ aufgefallen war, da er auf undemokratische Weise in die Vorstandswahl der berühmten Berliner Şehitlik-Moschee eingegriffen hatte. Offenbar ist der Vorstand der Şehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln ausgetauscht worden, weil er sich um Öffnung und Integration bemüht hatte. Der türkische Religionsattaché soll mit einer vorbereiteten Wahlliste in den Moscheeverein gekommen sein.

In dem Rücktrittsschreiben wird zudem beklagt, dass auch Kontaktversuche zum DITIB-Bundesvorsitzenden unerhört geblieben seien: „Unsere verzweifelten Hilfrerufe in den letzten Tagen blieben leider unerhört“. Auch dieser Schriftverkehr zwischen dem Bundesvorstand des BDMJ und dem DITIB-Bundesvorsitzenden Nevzat Asikoglu liegen dem dtj vor.

Welche Rechte haben die Entlassenen?

Vor wenigen Wochen ging vor dem Arbeitsgericht Köln ein Fall zu Ende, der nun weitere Fragen aufwirft. Zwei bei der DITIB eingesetzte Imame klagten gegen ihre Entlassung aus Moscheegemeinden der DITIB und waren damit gescheitert. Zwischen dem Religionspersonal und der Ditib – dem größten Islam-Dachverband in Deutschland – habe kein Arbeitsverhältnis bestanden, urteilte das Kölner Arbeitsgericht (ArbG). Was passiert nun mit den jungen Funktionären, die ebenfalls vor die Tür gesetzt wurden? Haben Sie Rechte, die sie einklagen können? Eher unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass die meisten Mitarbeiter der DITIB in Wahrheit gar kein Arbeitsverhältnis mit dem größten Moscheeverband in Deutschland haben. Die Imame beispielsweise seien als direktes Personal der türkischen Religionsbehörde Diyanet zu betrachten. Aus diesem Grund muss sich die DITIB nun kaum rühren. So argumentierten DITIB Funktionäre bei den Spitzelaffären einiger Imame, dass sie kein DITIB Personal seien. So zieht sich die DITIB aus der Schlinge.

Bundes- und Landesregierung ignoriert

Unbeachtet zahlreicher Skandale, in die die DITIB mittlerweile verwickelt ist und trotz der Tatsache, dass noch mindestens die Hälfte aller problematischen Fälle ungeklärt sind, geht die Förderung der DITIB durch die Bundesregierung weiter. Nach Informationen von WDR und „Süddeutscher Zeitung“ teilte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend DITIB mit, dass jetzt bereits bewilligte Gelder ausgezahlt werden, die im Zuge der Spitzel-Affäre zunächst zurückgehalten worden waren. Auch das Bundesinnenministerium sei in diesem Belang informiert. Seit 2012 hat die DITIB dadurch rund 6 Millionen Euro erhalten.