„Schöner Leben mit Döner“

„Mit oder ohne Scharf, mit Knoblauchsauce oder einfach mit alles?“ – wer mag es nicht, das beliebteste aller Fastfood-Gerichte: den Döner? Ganz gleich welcher Altersklasse oder Nationalität man angehört oder welchem Beruf man nachgeht, alle lieben ihn. Diesen Aspekt nutzt das ICATAT, Institute for Caucasica-, Tatarica- and Turkestan Studies, nun für ein Integrationsprojekt.

„Schöner Leben mit Döner“ lautet das Nachbarschafts-Projekt des ICATAT, das in das Programm „Werkstatt Vielfalt“ der Robert Bosch Stiftung aufgenommen worden ist. Die Organisatoren tragen auf lokaler Ebene dazu bei, Menschen aus unterschiedlichen sozialen, kulturellen oder religiösen Milieus miteinander in Kontakt zu bringen.

Dabei erstellen sie einen interkulturellen interaktiven Stadtplan zu Küchenkultur, Integration und Vielfalt unter dem Motto „Schöner zusammen leben mit Döner“, dem Fast-Food-Gericht, das bei vielen Deutschen zum beliebtesten Nahrungsmittel avancierte.

Laut dem ICATAT erhielten sie „heftige, teils rassistische und chauvinistische Reaktionen“ auf Presseberichte über das Nachbarschafts-Projekt und dies zeigte ihnen, „wie nötig Integrationsarbeit für die deutschstämmige Bevölkerung nach wie vor ist“.

Interkulturelle Tradition viel älter als gedacht

Nach mehr als 50 Jahren totalitärer Uniformisierung und den Wirren der Nach-Wendejahre haben Einstellungen wie diese und zahlreiche Negativschlagzeilen rund um Skinheads, Naziaufmärsche und rechtsradikale Übergriffe produziert und der Stadt damit geschadet. Dennoch ist Magdeburg heute wieder zunehmend jene weltoffene, bunte und internationale Stadt, die sie bereits vor den dunklen Zeiten des 20. Jahrhunderts gewesen war.

Schon im 10. Jahrhundert empfing der erste deutsche Kaiser, Otto I., in der heutigen Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts den islamischen Gelehrten Ibrahim ibn Yakup. Als zur Zeit des Deutschritter-Ordensstaates (1230-1561) Preußen die Grenze zum Siedlungsgebiet muslimischer Gemeinden im Baltikum bildete, kam es zu den ersten Kontakten auch deutscher Herrscherhäuser aus der Magdeburger Gegend mit Tataren aus dem baltischen Raum oder der Krim-Region.

Die Sage vom Goldenen Zelt auf dem späteren Gelände des Militärschmiedehofs erzählt vom Sohn eines Paschas, der im Zuge der Türkenkriege eingemauert, dann wundersamer Weise entdeckt worden sein soll und dem die Stadt Magdeburg daraufhin das Zelt als Behausung eingerichtet hätte, bis ihn sein Vater habe abholen lassen.

1827 wurde Mehmed Ali Pascha, ein späterer osmanischer Militär und Großvater des türkischen Nationaldichters Nazim Hikmet, als Ludwig Carl Friedrich Detroit in Magdeburg geboren.

„Vielfalt ist ein großer Schatz, den wir gemeinsam heben sollten“, sagt Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. „Dazu müssen wir Unterschiede zwischen Menschen nicht als Problem, sondern als Chance erkennen.“ Die Projekte in der „Werkstatt Vielfalt“ tragen dazu bei, die unmittelbare Nachbarschaft, die Gemeinde oder das Viertel zu beleben und Brücken zu bauen zwischen verschiedenen Lebenswelten. Sie sorgen dafür, dass Menschen die zunehmende Vielfalt in ihrer Umgebung als Normalität empfinden und richten sich insbesondere an junge Menschen.

„Döner ist Teil der deutschen Kultur“

„Uns liegen Projekte in der direkten Nachbarschaft sehr am Herzen“, sagt Hanns-Jörg Sippel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Mitarbeit: „Auf lokaler Ebene lässt sich Begegnung am besten gestalten.“ „Wir wählten dafür den Döner Kebap aus, längst ein Teil der deutschen Kultur“ so Dr. Mieste Hotopp-Riecke dazu, Direktor des ICATAT.

Am Donnerstag wird es zum Jahresauftakt des Projekts um den Dönerverkauf an historischer Stelle gehen: Wo heute die Mitarbeiter des ACAR-Bistros im Allee-Center ihre Döner verkaufen, soll einst das sagenumwobene „Goldene Zelt“ gestanden haben und die alte „Schmiedehofstraße“ verlaufen sein. Das ICATAT lädt an jenem Tag, dem 16.01.2013, um 17 Uhr in die Räume des ACAR-Bistros zur Kennenlernveranstaltung im Zusammenhang mit der Erstellung des Interkulturellen Stadtplans ein.

Zum Projektende soll dabei unter anderem jedem die Möglichkeit gegeben werden, selbst Orte, Imbisse, Bistros oder Kulturtipps seiner Wahl hinzuzufügen. Der Erstellungszeitraum soll unter anderem auch genutzt werden, um die Geschichte des Döners zu erzählen, Begriffe wie Döner, Helal und Kebab zu erörtern, eine Dönerfabrikationsstätte zu besuchen, die religiöse Vielfalt Magdeburgs zu erkunden oder Filme wie jenen von der „Kebab-Connection“ im „Moritzhof“ zu besuchen.

Zahlreiche Partner auf regionaler und überregionaler Ebene

Partner des Projekts sind unter anderem ZWEIHEIMISCH, ein Institut für Integrationsforschung, ACAR Food, dem Bingöl Grill und KönigsDöner Magdeburg; unterstützt wird das Vorhaben von der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V. (lkj), der Landeskoordination „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ Sachsen-Anhalt bei der Landeszentrale für politische Bildung.

Gefördert wird das Projekt zusätzlich unter andere, von der Werkstatt Vielfalt (Projekte für eine lebendige Nachbarschaft), dem Fachmagazin Dönerci, der AWO und dem Volksbad Buckau.

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