Eine Mafia ohne Gewalt, Alkohol und Frauenhandel

Der islamische Gelehrte Bediüzzaman Said Nursi soll etwa 75 Jahre alt gewesen sein, als eine Gruppe ihn besucht und eines ihrer Mitglieder entschiedenes, notfalls gewalttätiges Vorgehen gegen Unterdrückung und Unrecht gutgeheißen habe. Bediüzzaman habe sich zunächst hingekniet und zugehört. Die Gewaltaufforderung habe ihn allerdings so zornig gemacht, dass er trotz seines fortgeschrittenen Alters aufgesprungen sei, um vor der Gruppe laut “Nein zu Gewalt! Nein zu Gewalt!“ zu rufen.

Diese Begebenheit erzählte mir einst Mehmet Fırıncı, ein Schüler Bediüzzamans.

Dass Fethullah Gülen Terror und Gewalt kategorisch ablehnt und verurteilt, hat er bereits vielfach zu verstehen gegeben. Zu erinnern ist hier an seinen einprägsamen Ausspruch „Ein Muslim kann kein Terrorist und ein Terrorist kann kein Muslim sein!“

Maximilian Popp hat letzte Woche im Spiegel ein Dossier („Der Pate“) veröffentlicht, in dem er Gülen denunziert und die Hizmet-Bewegung als eine mafiöse Organisation darstellt. Popp schreibt, dass es in den „Lichthäusern“ (WGs, in denen Gülen-Anhänger leben, meist Studenten) nicht erlaubt sei, Alkohol zu konsumieren und Partys zu feiern. Diese Lichthäuser seien die Quelle für die gesamte Organisation der Hizmet-Bewegung.

Popp setzt die Liste fort: In den Lichthäusern dürfe niemand eine Waffe besitzen (zuletzt wurde dem ehemaligen Staatsanwalt İlhan Cihaner im Ergenekonprozess vorgeworfen, versucht zu haben, Waffen in einige Lichthäuser in der Türkei einzuschleusen), die Bewohner lebten wie im Kloster, also in bescheidenen Verhältnissen ohne einen Hang zum Luxus. Die Bewohner würden sogar nicht rauchen. Tatsächlich sieht Gülen in der Zigarette eine gefährliche Droge, vor der die Menschheit neben all den anderen Rauschmitteln bewahrt werden müsse.

Fassen wir zusammen: Die Mafia, die Popp uns vorstellt, ist eine Organisation, die sich entschieden von Gewalt, Waffen, Alkohol und Frauenhandel distanziert. Ihre Mitglieder leben nicht in Luxus, sondern stehen für ein bescheidenes Leben. Sie lesen viel, legen Wert auf Bildung und zwischenmenschlichen Dialog. Die Bücher, die sie lesen, sind legal im Buchhandel zu erwerben. Sie sind also weder verboten, noch gesetzeswidrig.

Diese von Popp als Mafia bezeichnete Bewegung wird in hunderten von Ländern mit offenen Armen eingeladen und empfangen. Zuletzt war der jamaikanische Bildungsminister Ronald G. Thwaites in Bursa zu Besuch und hat den Bildungsträger „Nilüfer“ eingeladen, in seinem Land eine Schule zu eröffnen.
Im Artikel von Popp heißt es, dass ehemalige Mitglieder der Gülen-Bewegung sich nicht trauten, über die Bewegung zu sprechen. Die Bewegung habe sie isoliert, entsozialisiert. Sie könnten kein normales Leben führen und würden in ständiger Angst leben. Kann bezeugt werden, dass Gülen-Anhänger jemals einen Menschen bedroht oder gar geschlagen haben? Das bekannteste ehemalige Mitglied ist wohl Nurettin Veren. Er nutzt jede sich ihm bietende Gelegenheit, die Bewegung zu diffamieren. Ist ihm jemals etwas widerfahren? Welcher Autor, der kritische Bücher über Gülens Bewegung geschrieben hat, kann bezeugen, dass er bedroht oder geschlagen wurde?

Kann Maximilian Popp hierfür auch nur einen einzigen Beweis liefern?

In der deutschen Medienlandschaft gilt die Türkei als ein Land der Putschisten, in dem ungeklärte Morde, Terror und Korruption zum Alltag gehören. Damit die Türkei ein Rechtsstaat wird, bedarf es der Verurteilung der Putschisten, der Aufklärung der Morde, der Abschaffung des Terrors und der Korruption. Die laizistischen Eliten der Türkei werfen den Polizisten und Staatsanwälten vor, „Fethullahcis“ zu sein, nur weil diese ihr Land zu einem Rechtsstaat machen wollen.

Ist es ein mafiöses Verlangen, zu wollen, dass die Türkei endlich ein Rechtsstaat wird und eine moderne Verfassung bekommt?

Wegen der Hizmet-Bewegung haben die Linken auf Bundesebene und in NRW und die CDU in Baden-Württemberg Anfragen gestellt. Alle drei Anfragen wurden vom Verfassungsschutz abgelehnt mit dem Hinweis, dass die Bewegung bislang nicht negativ in Erscheinung getreten sei. Das Auswärtige Amt hat bekannt gegeben, dass es mit Ercan Karakoyun, dem Vorsitzenden des FID e.V. Berlin, kooperiert. Das Foto von Karakoyun im Artikel erweckt aber den Anschein, dass es sich bei ihm um einen Drahtzieher der Mafia handelt.

Kann es sein, dass der Journalist Popp über ein viel effektiveres Nachrichtendienstnetz verfügt als der Verfassungsschutz?

Ich habe Popp bei seinem letzten Besuch gefragt, wie es sein kann, dass die Ideen und Anhänger der Bewegung „gut“, das Gesamtgebilde aber „schlecht“ ist beziehungsweise mafiöse Strukturen aufweist. 

Er hat mir mit diesem Dossier die Antwort geliefert.