Erdoğan ruft zum Verkauf von Devisen auf, Yıldırım zu Geduld und Gelassenheit

Angesichts der anhaltenden Talfahrt der Türkischen Lira hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan das Volk zum Verkauf möglicher Devisenreserven aufgerufen. „Die, die Devisen unter ihrem Kissen haben, sollen kommen und ihr Geld in Gold umwandeln“, sagte Erdoğan am Freitag in Ankara. „Sie sollen kommen und ihr Geld in Türkische Lira umwandeln. Soll die Türkische Lira an Wert gewinnen. Soll Gold an Wert zulegen.“ Erdoğan forderte die Banken erneut zur Zinssenkung auf. „Es gibt keine andere Wahl, als die Zinsen zu senken.“

Die Landeswährung stürzte nach Erdoğans Ansprache auf neue Rekordwerte ab. Ein Dollar kostete zeitweise 3,59 Lira, für einen Euro wurden 3,8 Lira gezahlt. Binnen eines Jahres hat die Lira im Vergleich zum Euro damit um mehr als 20 Prozent eingebüßt. Die Istanbuler Börse teilte mit, sie habe zur Unterstützung von Erdoğans Aufruf beschlossen, alles Barvermögen in Türkische Lira umzutauschen. Dieses Vermögen werde ab sofort auf Lira-Konten gehalten. Gegen Abend konnte eine leichte Beruhigung der Lage beobachtet werden. Ein Dollar kostet zur Stunde 3,55 TL.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte die türkische Notenbank ihren Leitzins überraschend deutlich von 7,5 Prozent auf 8,0 Prozent angehoben. Sie setzte sich mit diesem Schritt über Erdoğans Aufrufe zur Zinssenkung hinweg. Der Effekt der ersten Leitzinsanhebung seit Anfang 2014 verpuffte aber, die Lira verlor weiter an Wert.

Ministerpräsident Binali Yıldırım von der AKP rief die Bürger dazu auf, Ruhe zu bewahren und sprach von einem „Projekt“, das zur Beruhigung der wirtschaftlichen Lage beitragen werde. Er werde es in den kommenden Tagen präsentieren. „Mit dem Projekt hoffen wir, dass wir einen guten Einstieg in das neue Jahr haben werden und 2017 besser verläuft als 2016.“