Euch Eure Feindschaft! Uns Unsere Freundschaft!

Da ich in den letzten Tagen 端ber die Russische Seele auf meiner Facebook Seite schrieb, wollte sich eine besorgte t端rkische B端rgerin dazu 辰uern:

In einer Zeit, in der Russland Syrien bombardiert, machst Du Werbung f端r diese Menschen! Das kann nicht gut gemeint sein. Wo stehst Du? Zu wem h辰ltst Du?

Auf ihre uerungen bin ich nicht eingegangen. Habe ihr nicht geantwortet. Lediglich angedeutet, sie solle sich keine Hoffnung machen, dass ich mich mit ihr streite.
Dass ich dazu nicht bef辰higt bin. Dass ich nicht streiten kann. Dass ich das Streiten weder gelernt habe, noch gelehrt bekam.
Eine Diskussion w端rde sich in eine unn旦tige L辰nge ziehen. Wir w端rden keine Ebene finden, auf der wir uns effektiv austauschen k旦nnten.
Worte verbinden nur dort, wo die Wellenl辰ngen 端bereinstimmen.

Ihr Standpunkt ist mir weder fremd noch neu!

Menschen, die meinen, klare Linien zu dem Anderen ziehen zu m端ssen, um auf ihrem eigenen, rechten Weg zu bleiben, sind mir nicht fremd.
Sie krtisieren alles, was sie nicht mit sich selbst vereinbaren k旦nnen.
Sie definieren sich, ihre eigene Art, indem sie zuerst den Anderen definieren. F端r sie gibt es allgemeine Urteile, die sie schnell f辰llen.
Mit einfachen und pauschalen Bezeichnungen erk辰ren sie sich die Anderen:
die Russen, die Deutschen, wir T端rken und die Kurden!

Kurz: Wir und die Anderen.

Eine Gegen端berstellung von 辰ueren Merkmalen, f端r die, die Menschen selber nichts k旦nnen, dass sie auch diese Merkmale haben.
Habe ich etwa entschieden, in welchen Kulturkreis ich gerne geboren werden m旦chte?
ber die Existenz des Anderen definieren sie ihre eigene. Sie existieren solange es den Anderen gibt.
Deshalb sind sie f端r Feindschaft und gegen Freundschaft.
Denn, wenn aus dem Anderen ein guter Bekannter oder guter Freund wird, dann ist er nicht mehr der Andere, auch nicht der Fremde!

Ich mache es genau andersrum: Ich definiere mich selbst. Wenn ich wei, f端r was ich stehe, dann macht es mich wahnsinnig neugierig, auf den Anderen zuzugehen und zu fragen: Hey ich bin ich. Wer bist Du? Und es funktioniert. Tag und t辰glich.

Sich mit den Anderen zu vegleichen, kann zweierlei Folgen haben:
Entweder bin ich besser als du. Oder du bist besser als ich.
Ist das Leben ein Konkurrenzkampf? Vergleiche vergiften. Zuerst den, der sich mit anderen vergleicht.

Freundschaft oder die Vermeidung des Fremden

Wie soll ich Gutes tun und wirken lassen, wenn ich mich der Gesellschaft nicht anbiete?
Mich in meine eigene Welt einsperre? Mich nur, nur verteidige, falls ich angegriffen werde! Wie wollen wir die Spaltung in dieser Gesellschaft 端berwinden, wenn wir nicht 端ber die Br端cke gehen und zum anderen Ufer finden?
Wie, wenn wir keine Br端cken bauen und bereits vorhandene Br端cken sprengen?

Wie soll unser gemeinsames Leben in Deutschland funktionieren, wenn ich mich der Gesellschaft entziehe?

Zu wem stehe ich?

Zu wem ich stehe, wurde auch gefragt!
Zu wem soll ich stehen? Um Gottes Willen. Ich stehe zu der W端rde des Menschen. Gegen den Krieg! Gegen Boshaftigkeit. Gegen Druck und Macht! Gegen alles, was im Wege des friedlichen Miteinanders steht!
Ich stehe auf der Seite der Liebe!
Liebe soll gest辰rkt und Hass geschw辰cht werden!
Durch mein Wirken.

Die Lehre der Liebe

Wie kann ich Menschen, wie sie auch immer heien, woher sie auch immer stammen, nicht mit Liebe entgegnen, wenn sie mir ihre Freundschaft, ihre Hilfe und ihr einfaches Dasein anbieten!
Wie soll ich es blo vermeiden, sie nicht in mein Herz zu lassen, wenn sie an dessen T端r klopfen? Was w端rde eine Absage bringen? Was w端rde es unserer Gesellschaft bringen?
Was hat es dir gebracht, dass du dies tust?
Fremde ausschliet und nur die liebst, die so sind wie du?

Das Gesch旦pf des Sch旦pfers wegen lieben!

W辰hrend Yunus Emre meint: Der Mensch ist ein Gesch旦pf der Liebe oder Wir lieben das Gesch旦pf des Sch旦pfers wegen!.
Ist er etwa auch ein Irrender gewesen? Und alle anderen ber端hmten oder weniger ber端hmten Denker und Phliosophen der islamischen Kultur, die die Liebe ins Zentrum ihrer Theorie stellen? Bin ich etwa auf einem falschen Weg, da ich mich ihnen vom ganzen Herzen anschliee?

Hier l辰uft Etwas gewaltig schief!

Als ob Rumi oder Yunus Emre keine Muslime waren! Als ob sie sich nicht abermals 端ber den Begriff der Liebe definiert h辰tten, sind Muslime von den Merkmalen an Liebe orientierten Handlung entfernt!
Auch zu Zeiten von den Bektashis im 13.Jahrhundert herrschten Kriegszust辰nde und sie lehrten trotzdem die Liebe!
Eine Theorie, die die Existenz des Anderen nicht in Frage stellt, sondern jeden Einzelnen dazu animiert, sich zuerst auf sich selbst, mit all den Schw辰chen und St辰rken, zu konzentrieren.

In wessen Namen also, willst du 端ber mich urteilen? Und welche Schuld willst du mir zuschreiben?

Gemeinsamkeiten

Und eine letzte Anmerkung: Zu dem Begriff der Russischen Seele bin ich gekommen, weil ich viel aus der russischen Literatur lese. Ich setze mich mit dem Gedankengut der Russen auseinander! Und wusstest du, dass Russen mit den T端rken Gemeinsamkeiten haben, wie etwa Samawar! Und dass Samawar, auch bei ihnen Samawar heit.
Und wenn sie auch diese Gemeinsamkeit nicht h辰tten, m端sste ich sie dann vermeiden? Wie w端rde dann die Beziehung zu Afrikanern aussehen? Schlielich haben wir mit denen gar nichts gemein, oder?

Die Liebe zum Gesch旦pf ist unagh辰ngig von Gemeinsamkeiten!
Die Kunst des Liebens und der Freundschaft besteht darin, Unterschiede zu 端berwinden.
Dazu bin ich bereit.
So lasse ich dich mit deinen Feindbildern, die ja die Politik und Machtverh辰ltnisse weltweit inszenieren und legitimieren, in Ruhe.
Die zu weite, zu groe und sehr un端bersichtliche Welt kann ich nicht retten, doch aber meine eigene; die berschaubare und Erreichbare!

So sage ich: Euch Eure Feindschaft! Uns Unsere Freundschaft!