Familie des Attentäters: Wir sind Anhänger von Atatürk, nicht von Gülen!

Vier Tage nach dem Mord am russischen Botschafter in der Türkei bleiben die Motive und Hintermänner der Tat weiterhin unklar.

Die türkische Polizei ließ die Familienangehörigen des Mörders, ein 22-jähriger Polizisten, wieder frei. Die Mutter zeigte sich schockiert über die Tat ihres Sohnes. Sie habe ihn nicht wiedererkennen können. „Wie kann es sein, dass er jemanden umbringt. Wer hat ihn dazu gebracht, so etwas zu tun?“, fragte sie.

Ein Cousin wunderte sich über die von Regierung und regierungstreuen Medien wiedergegebene Annahme, dass es sich bei dem Polizisten und der Familie um Anhänger von Fethullah Gülen handele. Die Bewegung des Predigers gilt in der Türkei derzeit als Staatsfeind Nr. 1. Sie wird deswegen als Fetö-Terrororganisation bezeichnet und beschuldigt, für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich zu sein. „Fetö? Mit denen haben wir nichts am Hut. Ich bin in der Nacht des Putschversuches auf die Straße gegangen, um gegen die Verräter zu protestieren. Unsere gesamte Familie ist Anhänger von Atatürk„, so der Verwandte.

Andere Angehörige erklärten, dass sie den Leichnam des Attentäters nicht bestatten werden.

Erdoğan sicher – Gülen dementiert

Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte noch am Montag betont, er sei sich sehr sicher, dass die Gülen-Bewegung den Mord an Andrej Karlow in Auftrag gegeben hätte. Gülen selbst wies die Anschuldigung zurück und bezeichnete sie als „lachhaft“. Karlow war während einer Veranstaltung in Ankara hinterrücks erschossen worden und wurde gestern in Moskau mit militärischen Ehren bestattet.

Auch Russland und die USA bezeichneten die Schuldzuweisungen als „verfrüht“. Man müsse die Ermittlungen abwarten. „Ein Angriff auf einen Diplomaten ist ein Angriff auf den ganzen Staat“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Moskau werde diese Provokation nicht unbeantwortet lassen.

Am Mittwoch tauchte ein Bekennerschreiben der Nachfolge-Organisation der Al-Nusra-Front auf. Die Echtheit ließ sich bis jetzt allerdings nicht verifizieren.