Fehlende Gebetsräume für Muslime – Der Platzmangel ist überall

In der Münchner Innenstadt wissen Muslime seit Wochen nicht, wohin: Es gibt keine Gebetsräume mehr. Das ist ein Problem, das auch viele andere muslimische Gemeinden in Deutschland haben. Und für das es viele Gründe, aber keine einfache Lösung gibt.

Von Lisa Forster

Sie haben auf Parkplätzen gebetet, im Theater, oder in Räumen der evangelischen Kirche. Aus Platzmangel mussten Muslime in München für ihr Freitagsgebet in letzter Zeit auf unkonventionelle Räume ausweichen. Denn in der Innenstadt gibt es keinen einzigen muslimischen Gebetsraum mehr. Damit sind die Münchner Muslime nicht alleine – denn Platzmangel dieser Art gibt es in ganz Deutschland.

«Die Moscheen in Deutschland platzen aus den Nähten», sagt Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Er verweist auf Fälle in Weimar, Wittenberg und Halle, wo muslimische Gemeinden im Freien oder in Turnhallen beten müssen.

In vielen weiteren Orten Deutschlands ist es ähnlich. «Zusehends und vor allem wegen der Flüchtlingsmigration weiß ich aus vielen muslimischen Gemeinden, dass es Platzprobleme gibt», sagt der Wissenschaftler Mathias Rohe vom Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa.

Stadt München sichert Muslimen Hilfe zu

In München forderten die muslimischen Verbände die Stadt wiederholt auf, aktiver bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten zu helfen. Doch laut einem Sprecher der Stadt München gehört es nicht zu den Aufgaben einer Stadt, solche Räume bereitzustellen. Dennoch sicherte die Stadt den Muslimen Hilfe bei der Raumsuche zu.

Der Vorsitzende des Muslimrats München, Mustafa Yakac, sieht das eigentliche Problem aber an anderer Stelle: «Der Islam ist in Deutschland nicht als Religionsgemeinschaft unter dem Religionsverfassungsrecht anerkannt. Anders als die Kirchen können wir keine Steuern einnehmen – wie sollen wir da teure Mieten oder Bauvorhaben bezahlen?»

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Die fehlenden Gebetsräume sind nicht nur ein Platz-, sondern vor allem ein Finanzierungsproblem. Bisher finanzieren sich die meisten muslimischen Gebetshäuser aus Spenden. Die reichen allerdings oft nicht aus, wie das Beispiel des gescheiterten Baus eines Islamzentrums an der Dachauer Straße in München zeigt.

Doch laut Rohe kann eine muslimische Gemeinde durchaus als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt werden und damit Steuern einziehen – sofern die Organisation seit längerer Zeit besteht und eine klare und stabile Strutur hat.

Anerkennung als Körperschaft schwer

Ein Beispiel ist die Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat, der das in Hessen und Hamburg gelungen ist. Doch ist eine Gemeinde anerkannt, müsse sie eben auch genügend zahlungskräftige Mitglieder haben, damit sich der Steuereinzug lohne, sagt Rohe.

Dass die Anerkennung als Körperschaft schwer sei, liege auch in den Strukturen der muslimischen Gemeinden begründet. «Der Islam hat keine Tradition der Registerführung der Gläubigen», sagt er. «Viele, die in den Organisationen unterwegs sind, sind nicht formal Mitglieder der Vereine. Die Vereine sind gerade erst dabei, solche Register aufzusetzen, und das ist schwierig genug.»

Selbst wenn das Geld da ist, scheitert es aber mancherorts an den Vorbehalten von Vermietern. Viele wollen nach den Erfahrungen von Mazyek und Yakac gar nicht erst an Muslime vermieten. Nach Gesprächen mit der SPD-Fraktion wurden in München inzwischen Räume vorgeschlagen, sagt Yakac. Da seien aber keine positiven Rückmeldungen gekommen.

(dpa/dtj)