Fitch-Ratings: Upgrade für die Türkei

Durch eine sinkende Verschuldung der öffentlichen Hand und eine gut diversifizierte Wirtschaft verdiente die Türkei sich eine Aufwertung durch die Ratingagentur Fitch. Das angesehene Haus bescheinigt dem Land nun offiziell „Anlagequalität“. Zahlreiche Experten hatten diesen Schritt bereits seit Längerem erwartet. Die Regierung in Ankara vertritt auch die Auffassung, er käme „verspätet“.

Das Upgrade der Fremdwährungseinstufung des Landes von BBB- auf BB+ führte am Montag zu einer massiven Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten. Erstmals seit 1994 wird die Türkei wieder als Land geführt, dessen Investmentqualität durch eine der wichtigsten Ratingagentur bestätigt wird. Allerdings kam trotz der positiven Auswertung und der als robust bescheinigten Langzeitperspektive auch eine Warnung von Fitch, wonach die Türkei immer noch ein „hohes Risiko“ hinsichtlich einer „externen Finanzkrise und Rezession“ aufweisen würde.

Besonders positiv bewertete der Bericht der türkischen Wirtschaft dafür, dass sie sich „ohne Rezession wieder ins Gleichgewicht gebracht“ habe. Ein verlangsamtes Wachstum im Jahre 2012 habe zu einem Rückgang der Inflation und einer nachhaltigen Verringerung des Leistungsbilanzdefizits geführt. Diese „sanfte Landung“ nach dem 2011 festgestellten Trend zu explosionsartigem Wachstum und hoher Inflation habe die Türkei zurück auf den Kurs eines stetigen Wachstums gebracht. Der Bericht geht von einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 3% im Jahr 2012, von 3,8% im nächsten Jahr sowie von 4,5% im Jahre 2014 aus. Analysten zufolge werden sich andere Ratingagenturen in ihren kommenden Berichten der Einschätzung Fitchs anschließen.

Noch bessere Zahlen möglich, aber wegen europäischer Probleme nicht sicher

Diese Zahlen deuten auf eine moderatere Entwicklung hin im Vergleich zur Prognose von 5%, die der Stellvertretende Premierminister Ali Babacan kürzlich hinsichtlich der Wachstumsraten zwischen 2012 und 2017 abgegeben hatte, aber „Ankara dürfte auf jeden Fall ganz glücklich mit diesen Zahlen sein, da auch sie einen Ausdruck der Anerkennung hinsichtlich einer anhaltenden Leistungsstärke der Wirtschaft darstellen“, meint Ercan Uygur, ein Wirtschaftsprofessor von der Universität Ankara. „Ich denke, dass 5% sogar tatsächlich möglich wären, allerdings hängt eben auch viel davon ab, was in Europa passieren wird.“

Im letzten Monat hatte Fitch auf Grund der durchwachsenen Aussichten hinsichtlich der europäischen Finanzwelt Spaniens Kreditrating von AA+ auf AA- und jenes Italiens von A+ auf AA- herabgestuft. „Die Regierung dürfte Genugtuung darüber empfinden, dass die Türkei den Sturm besser übersteht als andere, aber am Ende sitzen alle im gleichen Boot“, sagte Uygur.

Am Montag sagte die Regierung in Ankara voraus, dass diese Nachricht einen Schub für eine Erholung der türkischen Wirtschaft vom verlangsamten Wachstum des Jahres 2012 hervorbringen würde. Finanzminister Mehmet Şimşek sagte am Montag, die Ratings würden helfen, zusätzliche ausländische Investitionen ins Land zu holen, während der Stellvertretende Premierminister Babacan, der für die Wirtschaftspolitik zuständig ist, die Entscheidung als „korrekt, aber verspätet“ bezeichnete. „Wir hoffen, andere Ratingagentur werden zeitnah ähnliche Entscheidungen fällen“, so Babacan.