G-20 Gipfel: Erdogan kommt nach Deutschland

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan besucht Deutschland. Dies teilte das Büro des Staatspräsidenten mit. Demnach soll Erdogan am 7. und 8. Juli nach Deutschland kommen, um am G-20 Gipfel teilzunehmen. Zeitlich ist es für Erdogan brisant, weil der G-20 Gipfel nur eine Woche vor dem Jahrestag des gescheiterten Putschversuches stattfindet. Noch ist unklar, ob der türkische Staatspräsident bei seinem Besuch auch die Deutsch-Türken treffen wird. Die Veranstaltungen der AKP Minister wurden im Rahmen des türkischen Referendums im April von deutscher Seite abgesagt. Ob diese Haltung der Bundesregierung weiter fortgesetzt wird, oder ob Erdogan ein anderes Gewicht hat und man ihm den Auftritt auf Großveranstaltungen gewähren wird, beschäftigt nun die Kulissen. Experten hingegen gehen davon aus, dass der türkische Staatspräsident eine solche Chance eher ungern vergibt. Er könnte somit auf eine Großveranstaltung drängen und wieder die Massen mobilisieren.

Erdogan für Merkel ein gefährliches Unterfangen

Die Bundeskanzlerin ist so kurz vor den entscheidenden Bundestagswahlen und wegen der allgemeinen politischen Lage in der Welt unter Druck. Der US-amerikanische Präsident Donald Trump hatte mit seinem Klima-Veto Angela Merkel vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Mit diesem Gipfel will Angela Merkel nun ein mächtiges Zeichen setzen. Wenn Merkel erfolgreich ist, könnte sie durch den Gipfel deutlich gestärkt und für die Bundestagswahlen bestens positioniert hervorgehen. Wenn Sie aber scheitert, wäre es womöglich ihr schwächster Augenblick. Zu den größten Risikofaktoren für Angela Merkel wird der türkische Staatspräsident betrachtet.

Die katastrophalen deutsch-türkischen Beziehungen, die NAZI-Vorwürfe gegen Deutschland, die zahlreichen inhaftierten Deutschen und Deutsch-Türken in der Türkei, die unzähligen Menschenrechtsverletzungen in der Türkei, der unglückliche Streit um die Incirlik-Basis der Bundeswehr und noch viele weitere Schwierigkeiten belasten das Verhältnis zwischen Merkel und Erdogan. Dabei ist diese Art von Anspannung für Erdogan eher weniger problematisch, da der türkische Staatsmann durch Konflikte und Druck stets noch mehr Zuspruch für sich generieren konnte. Die zurückhaltende Art der Bundeskanzlerin trifft im Konflikt mit dem türkischen Politiker auf unterschiedliche Meinungen. Einige finden das gut, da dadurch ein kühler Kopf und die Souveränität beibehalten wird. Andere hingegen wollen endlich eine klare Kante und spürbare Konsequenzen sehen.