Gauck ruft Deutsche zu mehr Selbstvertrauen auf

In seiner ersten programmatischen Rede appellierte das neue Staatsoberhaupt an die Deutschen, mehr Zuversicht zu zeigen. 얢ch bitte Sie alle, mutig und immer wieder damit zu beginnen, Vertrauen in sich selbst zu setzen, sagte Gauck am Freitag nach seiner feierlichen Vereidigung in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat.

Der elfte Bundespr채sident rief zum kompromisslosen Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus auf. 얝uer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich, sagte er unter gro횩em Beifall an die Adresse aller Extremisten. 얢hr werdet Vergangenheit sein, und unsere Demokratie wird leben.

Weiter warb Gauck, der bisher vor allem f체r das Thema Freiheit stand, f체r einen starken Sozialstaat. 횥berraschend ging er auf die Auseinandersetzung der sogenannten 1968er Generation mit der Nazi-Vergangenheit ein und nannte sie beispielhaft.

F체nf Tage nach seiner Wahl war der 72-J채hrige zuvor vereidigt worden. Der fr체here evangelische Pastor und DDR-B체rgerrechtler sprach den Amtseid mit der Formel 짬So wahr mir Gott helfe쨩. In der Sitzung im Reichstagsgeb채ude waren fast alle Altbundespr채sidenten dabei, darunter auch Gaucks direkter Vorg채nger Christian Wulff, der vorzeitig zur체ckgetreten war.

얢ch empfinde mein Land vor allem als ein Land des Demokratiewunders, betonte Gauck in seiner Ansprache mit Blick auf die deutsche Nachkriegszeit: 얝rst wenn die Menschen aufstehen und sagen: „Wir sind das Volk“, werden die Menschen sagen k철nnen: „Wir sind ein Volk“

Als sein Wunschbild nannte Gauck ein Deutschland, das 짬soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Aufstiegschance쨩 miteinander verkn체pft. Man d체rfe nicht zulassen, dass Menschen glaubten, sie geh철rten nicht zur Gesellschaft, nur weil sie arm oder behindert seien. Freiheit und Gerechtigkeit m체ssten deshalb eng miteinander verbunden werden.

Das Anliegen seines Vorg채ngers Wulff f체r eine bessere Integration von Menschen mit ausl채ndischen Wurzeln will Gauck fortsetzen. Alle, die in Deutschland lebten, m체ssten sich hier auch zu Hause f체hlen k철nnen.

Gauck mahnte, auch in der Euro-Krise am europ채ischen Gedanken nicht zu zweifeln. 짬Das Ja zu Europa gilt es zu bewahren.쨩 In Krisenzeiten sei die Neigung besonders ausgepr채gt, sich in den Nationalstaat zu fl체chten. 얟erade in der Krise hei횩t es deshalb: Wir wollen mehr Europa wagen.

횥berraschend zog er in seiner Rede eine Parallele von der 68er-Generation zur Demokratiebewegung in der DDR. In der Nachkriegszeit sei in Westdeutschland der Umgang mit dem Nationalsozialismus defizit채r gewesen. 얝rst die 68er-Generation hat das nachhaltig ge채ndert, betonte Gauck.

Trotz aller Irrwege habe die damals von meist linksgerichteten Studenten gepr채gte Bewegung die historische Schuld ins kollektive Bewusstsein der Deutschen ger체ckt. Diese Aufarbeitung der Vergangenheit sei auch in Ostdeutschland nach dem Ende der SED-Herrschaft 1989 beispielhaft gewesen. Vorbild seien die 68er auch in Gesellschaften im Ausland gewesen, die das Joch der Unfreiheit abgesch체ttelt h채tten.

Gauck schloss mit den Worten: 얨b wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es m철glich ist, nicht den 횆ngsten zu folgen, sondern den Mut zu w채hlen, davon haben wir nicht nur getr채umt. Das haben wir gelebt und gezeigt.

Immer wieder wurde Gaucks Rede von Beifall unterbrochen. Auch Abgeordnete der Linkspartei, die geschlossen gegen ihn gestimmt hatte, klatschten und erhoben sich am Ende von den Sitzen.

Bundestagspr채sident Norbert Lammert (CDU) und Bundesratspr채sident Horst Seehofer (CSU) betonten, dass Gauck 23 Jahre nach dem Fall der Mauer der erste Ostdeutsche im h철chsten Staatsamt sei. Beide dankten dem zur체ckgetretenen Pr채sidenten Wulff und seiner Frau Bettina f체r ihre Arbeit.

Nach seiner Vereidigung wurde Gauck mit milit채rischen Ehren an seinem Berliner Amtssitz empfangen. Eine Ehrenformation der Bundeswehr begr체횩te ihn im Park des Schlosses Bellevue. Zu seiner ersten Auslandsreise wird Gauck am Montag in Polen erwartet.dpa