Gewalt von Splittergruppen überschattet Alevitentreffen

Alevitische Bürger in Ankara hatten kürzlich mit ihren Vereinen ein Treffen organisiert, im Rahmen dessen sich auch Mitglieder der Vereine „Ezilenlerin Sosyalist Platformu“ („Sozialistische Plattform der Unterdrückten“) und „Partizan“ („Die Partisanen“) ein ungebetenes Stelldichein geben sollten. Sie griffen an einem Kontrollpunkt Polizeiautos an, stürzten diese um und griffen in weiterer Folge die Polizisten mit Knüppel an. Ein Polizist wurde in letzter Sekunde vor einem potenziell tödlichen Schlag gerettet.

Die Föderation der Alevitischen Vereine und die Alevi-Bektaşi-Föderation hatten zum gestrigen Tag gemeinsam ein Treffen am Sihhiya-Platz organisiert, das unter dem Motto „Für eine laizistische, demokratische Türkei, eine gleichberechtigte Bürgerschaft“ stehen sollte. An dem Meeting haben sich Vereine aus unterschiedlichen Provinzen der Türkei und aus Europa beteiligt, außerdem zeigten die oppositionelle CHP, die prokurdische BDP sowie die linksextremistischen Parteien TKP und ÖDP Interesse an der Veranstaltung.

In mehreren Redebeiträgen während des Treffens artikulierten Funktionsträger die Forderungen der alevitischen Bürger und Verbände. Der Vorstand der Föderation der Alevitischen Vereine, Hüsniye Takmaz, betonte, dass die Ansprüche der Aleviten sich nicht von jenen der anderen Menschen unterscheiden würden, dass ihr „erzwungenes Anderssein“ ein Ende haben müsse. Sie würden niemanden aufgrund der Religion, des Glaubens, der Sprache beurteilen und würden genau das Gleiche nunmehr auch für sich selbst wünschen. Selahattin Özel, Vorstand der Alevi-Bektaşi-Föderation, erklärte, die Aleviten sähen sich mit mehreren wesentlichen Problemen konfrontiert.

Sie könnten sich nicht mit dem System einigen, innerhalb ihrer Dachverbände gäbe es noch weitere kleinere Gruppen, die sich untereinander nicht verständigen könnten. Sie möchten, dass diese Probleme von der Regierung gelöst werden, gleichzeitig aber erklärte Özel: „Doch Euch und Eure Mitarbeiter kennen wir sehr gut. Die derzeitige, tyrannische Verfassung muss geändert werden. Die Tyrannei des 12. September, durch die in alevitischen Dörfern zwangsweise Moscheen erbaut wurden, soll ein Ende haben.“

Während der Veranstaltung fielen auch Transparente mit dem Inhalt „Nein zum Krieg, Türkei und Syrien sind Geschwister“ auf. Die Polizei hat strenge Überwachungsmaßnahmen angeordnet, nachdem sie durch das Organisationskomitee des Öfteren vor Provokationen gewarnt worden war.

Während das Treffen selbst reibungslos über die Bühne ging, war an den Kontrollpunkten nicht mehr so viel von Frieden und Brüderlichkeit zu bemerken. Eine Gruppe mit den Plakaten „ESP-SKM“, „Partizan“, „Liseli Öğrenci Birliği“ („Vereinigung der Gymnasiasten“) und „Halkların Demokratik Kongresi“ („Demokratischer Kongress der Völker“) ging auf Polizisten los. 15-20 Leute griffen dabei gleichzeitig einen Beamten an, der in letzter Sekunde möglicherweise vor dem Tod gerettet werden konnte und in ein Krankenhaus gebracht wurde.