Mahomet: „Ich liebe nicht diejenigen, die untergehen”

Wie bereits im vorigen Beitrag erwähnt werde ich dieses Mal den Inhalt des zweiten Fragments näher bringen. In der Hymne von Goethe, anlehnend an die 6. Sura des Korans ist Mahomet, genau wie Abraham im Koran, auf der Suche nach etwas Größerem, der Erschaffer aller Dinge. Mahomet beginnt, alles was er zu Gesicht bekommt, den aufgehenden Mond, die freundliche Sonne, die Sterne, den Himmel und die Erde anzubeten. Doch nachdem diese aber nach einem kurzen Aufenthalt, wie alles auf dieser Welt, untergehen, sagt Mahomet, wie im Koran Abraham auch: „Ich liebe nicht diejenigen, die untergehen” (6/76).

Doch beide Protagonisten finden letztendlich den wahren Weg zum einen Gott, der über alles steht und nicht gesehen werden kann. Hier hört der Monolog Mahomets auf, da er von seiner Pflege und Stillmutter Halima, von seinen „glückseligen Empfindungen“ gestört wird. Und es kommt zu einem Dialog. Goethe wendet sich demgemäß von der 6. Sura ab und dichtet den Dialog zwischen Halima und Mahomet inspiriert von anderen Koranversen, die hier aufgeführt werden sollen:

Halima: „Mahomet. Ängstige mich nicht, lieber Sohn, ich suche dich von Sonnen Untergang. Setze deine zarte Jugend nicht den Gefahren der Nacht aus. So allein auf dem Felde, das keine Nacht für Räubern sicher ist.“

Mahomet: „Ich war nicht allein. Der Herr, mein Gott, hat sich freundlichst zu mir genaht.“ (Anlehnend an „Und wenn Meine Diener dich über Mich befragen, so bin Ich gewiss nahe: Ich erhöre das  Gebet des Betenden, wenn er zu Mir betet“  (2/186))

Halima: „Sahst du ihn?“

Mahomet: „Siehst du ihn nicht? An jeder stillen Quelle, unter jedem blühenden Baum begegnet er mir in der Wärme seiner Liebe. Wie dank’ ich ihm! Er hat meine Brust geöffnet, die harte Hülle meines Herzens weggenommen, dass ich sein Nahen empfinden kann.“ (Anlehnend an „Sehen sie denn nicht, dass Gott die Himmel und die Erde in Wahrheit erschaffen hat?“(14/19))

Mahomet: „Ich will für dich zu meinem Herrn flehen, dass du mich verstehen lernst.“

(Anlehnend an: „Erleichtere mir meine Aufgabe. Löse den Knoten von meiner Zunge (um mich fließender sprechen zu lassen), damit sie meine Rede deutlich verstehen.“ (20/26-28))

Halima: „Wer ist dein Gott, Hobal oder Al Fatas?“

(Anlehnend an „Sie (eure falschen Gottheiten) sind nichts weiter als ausgedachte Namen, die ihr und eure Vorfahren erfunden haben; Gott hat keine Ermächtigung dafür herabgesandt.“ (53/23)

Mahomet: „Armes unglückliches Volk, das zum Steine ruft: Ich liebe dich! Und zum Ton: Sei du mein Beschützer! Haben sie ein Ohr fürs Gebet, haben sie einen Arm zur Hilfe?“ (Anlehnend an  „Und nun trage ihnen diesen beispielhaften Bericht über Abraham vor. Als er zu seinem Vater und zu seinem Volk sagte: “Was betet ihr da an?“ Sie sagten: „Wir beten Götzen an; und (obwohl sie aus Holz und Stein gemacht sind) sind wir ihnen ganz und gar ergeben.“ (Abraham) sagte: “Hören sie euch, wenn ihr sie anruft? Oder nützen sie euch?“ (26/69-74))

Halima: „Hat dein Gott denn keine Gesellen?“

Mahomet: „Wenn er sie hätte, könnt’ er Gott sein?“

(Anlehnend an: „Tatsache ist doch, wenn es in den Himmel und auf den Erden irgendwelche Gottheiten außer Gott gäbe, dann wären (diese) beiden (Sphären) gewiss ins Verderben geraten.“ (21/22) und „Wollt ihr anstelle von Gott etwas anbeten, was weder die Macht hat, euch zu schaden noch zu nützen (5/76))

Halima (vor sich): „Er ist sehr verändert. Seine Natur ist umgekehrt, sein Verstand hat gelitten. Es ist besser, ich bring’ ihn seinen Verwandten jetzo zurück, als dass ich die Verantwortung schlimmer Folgen auf mich lade.“

(Anlehnend an „Sie sagen: “O du, dem die Ermahnung (das Buch mit Ratschlägen, Warnungen und Unterweisungen) herabgesandt wird, du bist fürwahr ein Besessener.“ (15/6))