Grüne vor Urwahl der Spitzenkandidaten – CDU spottet

Berlin (dpa) – Als erste Partei in Deutschland werden die Grünen voraussichtlich die Basis über ihr Spitzenduo für die nächste Bundestagswahl entscheiden lassen. Der Grünen-Parteivorsitzende Cem Özdemir sprach sich am Sonntag klar für diese Urwahl aus. „Wenn es mehrere aussichtsreiche Kandidaten gibt, ist die Urabstimmung die Möglichkeit, die wir da haben“, sagte Özdemir im ZDF-Sommerinterview. Ob es darüber hinaus ein erweitertes Spitzenteam für die Wahl geben soll, stehe noch nicht fest.

Nach Parteichefin Claudia Roth und dem Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin hatten am Freitag auch Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und Co-Fraktionschefin Renate Künast ihre Kandidatur für das Duo erklärt. Damit müssen die rund 60 000 Mitglieder im Herbst voraussichtlich aus den vier Interessenten zwei auswählen. Über das Verfahren entscheidet ein kleiner Parteitag am 2. September.

Özdemir sieht in dem Gerangel um die Spitzenposten keinen Machtkampf, der der Partei schaden würde. „Es ist kein schlechtes Zeichen für eine Partei, wenn sie über mehrere kluge Köpfe verfügt“, sagte er. Er selbst habe aber nicht die Absicht, sich für die Spitzenkandidatur zu bewerben.

Eine schwarz-grüne Koalition im Bund nach den Wahlen 2013 schloss Özdemir aus. „Ich sehe nicht, wie wir zusammenkommen können“, sagte er. „Die Union von heute ist (…) mit uns nicht koalitionsfähig.“ Stattdessen setzten die Grünen weiter auf ein rot-grünes Bündnis. Auf Spekulationen, ob dafür ein dritter Partner gebraucht werde, wollte sich Özdemir nicht einlassen. „Ich bin ein überzeugter Anhänger der Monogamie, auch in der Politik.“

In der CDU sorgt der Kandidaten-Poker bei den Grünen für Belustigung. „Zur roten Troika gesellt sich nun auch noch eine grüne Quadriga“, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe der „Bild am Sonntag“. „Bald kann die Opposition eine ganze Fußballmannschaft der Möchtegern-Spitzenkandidaten aufstellen.“

Nach einer Emnid-Umfrage für „Bild am Sonntag“ hätte im Machtkampf um die Grünen-Spitzenkandidatur ein Kandidat die größten Erfolgschancen, der gar nicht antritt – Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Er kommt in der Umfrage auf 20 Prozent, gefolgt von Fraktionschef Trittin mit 18 Prozent. Jeweils 15 Prozent sehen die größten Erfolgschancen bei Parteichefin Roth und Ex-Außenminister Joschka Fischer. Auf dem letzten Platz landet demnach Fraktionschefin Künast mit 12 Prozent.