Handschlag verweigert – „Die EINE Interpretation gibt es nicht“

Ein Pastor aus Hannover hat mir gestern eine Email geschrieben, wo er mich gebeten hat, ihn schnellstm旦glich zu treffen. Wir haben uns heute auf einen Kaffee bei ihm zu Hause getroffen. Er war besorgt 端ber ein Erlebnis am Wochenende. Ein junger Muslim (20) habe seiner Frau den Handschlag verweigert. Daraufhin hat er einen Brief verfasst, den er dem jungen Mann schicken m旦chte. Er m旦chte den jungen Mann nicht verletzen, daher soll ich vorher dr端ber schauen. Hier der Brief im Wortlaut:

Lieber M.A.!

Deiner Mutter C.A. bin ich dankbar, dass sie mich und meine Frau M. zum (…) Kermes eingeladen hat. Ich hatte viele interessante Gespr辰che mit Menschen, die von ihrem Bildungsweg, ihrem Werdegang in der deutschen Gesellschaft und ihren erfolgreichen beruflichen T辰tigkeiten berichtet haben.

Das machte mich froh, weil ich auch andere Geschichten kenne: Geschichten von Kindern von Migranten, die sich selbst aus der deutschen Gesellschaft ausgrenzen und dann keine rechte Perspektive bekommen. Und sp辰ter dann sagen: die deutsche Gesellschaft ist Schuld daran…

Meine Frau und ich haben beide l辰ngere Zeit im Ausland gelebt (Agypten bzw. Westafrika) und wir haben immer Freunde gehabt, die Muslime waren. Jetzt engagiere ich mich in Hannover in der Fl端chtlingsarbeit und begegne fast t辰glich Muslimen.

Nie haben wir erlebt, dass ein (junger) Mann einer deutschen Frau den Handschlag verweigert hat.

Ich muss wirklich sagen, dass ich das SEHR unh旦flich fand. M. hat Dir drei Mal die Hand entgegen gestreckt, um Dich freundlich zu begr端en, und Du hast dieses Angebot der Freundschaft und H旦flichkeit verweigert.

Das finde ich nicht nur schade, sondern eigentlich ganz unm旦glich.

Du weit von Deiner Mutter, die ich sehr sch辰tze, dass ich Fachmann f端r Theologie und religi旦se Fragen bin. Der Koran steht bei mir im B端cherbord direkt neben der Bibel. Ich wei wahrscheinlich 端ber den lslam und die muslimische Interpretation des Korans viel mehr Bescheid als Du selbst. Es gibt sehr unterschiedliche Interpretationen der islamischen Tradition(en).

Ich m旦chte Dich herzlich bitten, Dich nicht auf die EINE Interpretation von Glaube und Handeln einzulassen, sondern zu pr端fen, was andere Dir erz辰hlen. Die EINE Interpretation gibt es nicht und hat es noch nie gegeben.

Du bist in Deutschland geboren und (…) ist Dein Lebensmittelpunkt. Mache bitte nicht den Fehler, dich auszugrenzen und daf端r die Religion zu missbrauchen.

Das m旦chte ich Dir gern noch in diesem Brief mitteilen: in allem, was Du tust, bedenke bitte auch, was das f端r Reaktionen bei anderen Menschen ausl旦st. Bitte diskutiere das auch mit Deinen Eltern und Lehrern. Diesen Brief kannst Du gern auch Deinen Eltern zeigen.

Mit sehr freundlichem Gru

F.L.