Internes Ringen um Einfluss gefährdet einheitliche Opposition

Damaskus/Istanbul – In einer am Montag verbreiteten Erklärung der Lokalen Koordinationskomitees in Syrien hieß es, angesichts des täglichen Blutvergießens sei es die Pflicht der Dissidenten, ihre persönlichen Interessen und Rivalitäten zurückzustellen. Der Appell richtet sich an die Oppositionellen, die in dieser Woche in Katar über eine neue Führungsstruktur beraten wollen. Bislang war es der syrischen Opposition nicht gelungen, eine einheitliche und anerkannte Führungsstruktur zu errichten. Es gibt zahlreiche Oppositionsräte und Versammlungen, die allesamt im sicheren Ausland ihren Sitz haben und meist mehr gegeneinander als miteinander agieren.

Die Revolutionäre kritisierten außerdem US-Außenministerin Hillary Clinton, die in der vergangenen Woche erklärt hatte, die Exil-Opposition müsse von ihrem alleinigen Führungsanspruch abrücken. Clinton solle sich nicht „in die inneren Angelegenheiten der Revolution einmischen“.

Die Regimegegner beraten seit Sonntag in Doha hinter verschlossenen Türen, wie eine gemeinsame Oppositionsfront aussehen könnte. Die USA fordern, dass neben dem im Exil gegründeten Syrischen Nationalrat auch Angehörige der Revolutionskomitees sowie junge Aktivisten eine größere Rolle spielen. Der SNC ist skeptisch und befürchtet, auf diese Weise an Einfluss zu verlieren.

Die Kämpfe zwischen Aufständischen und den Regimetruppen von Präsident Baschar al-Assad dauerten indessen auch am Montag an. Am Sonntag waren nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter landesweit 220 Menschen getötet worden, darunter 62 Angehörige der Regierungstruppen.

Im Libanon warnte derweil Frankreichs Präsident François Hollande vor einer Ausweitung des Konflikts. Nach einem Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Michel Suleiman in Beirut versicherte er, Frankreich werde sich mit aller Macht jedem entgegenstellen, der den Libanon destabilisieren wolle. Die Ermordung eines syrienkritischen Geheimdienstgenerals bei einem Bombenanschlag in Beirut hatte vor wenigen Wochen blutige Unruhen ausgelöst. (dpa)