Islamkritik-Ikone Anders Breivik klagt über „Isolationsfolter”

Mit Empörung nahmen Angehörige der Terroropfer von Oslo und Utoya die jüngste Beschwerde Anders Breiviks über dessen Haftbedingungen zur Kenntnis. Einstweilen rufen seine Anhänger dazu auf, „zu knüppeln, wo es notwendig ist“. (Foto: dpa)

Der wegen 77-fachen Mordes zu einer 21-jährigen Haftstrafe verurteilte norwegische Islamkritiker Anders Behring Breivik hat sich einem Bericht der „Daily Mail“ zufolge in einem Schreiben an die Gefängnisleitung über seine Haftbedingungen beschwert.

Die engen Sicherheitsvorschriften, denen er in seinem Osloer Gefängnis ausgesetzt sei, würden seine Menschenrechte und die Anti-Folter-Konvention der UN verletzen, so der 33-jährige. Seinem Anwalt Tord Jordet zufolge hätte er nur eingeschränkten Zugang zu einem Computer und seine Korrespondenz würde einer Zensur unterliegen. Dies würde sein Recht auf Redefreiheit verletzen. Darüber hinaus würde Breivik in Isolation gehalten und in inhumaner Weise von Freizeit- und Geselligkeitsaktivitäten ferngehalten.

Zuvor hatte die norwegische Zeitung „Verdens Gang“ enthüllt, dass Breivik vom Gefängnis aus Korrespondenz mit führenden Rechtsextremisten betrieben hätte. Er habe diese darin aufgefordert, „den Kampf fortzusetzen“ und ein neues islamkritisches Netzwerk mit dem Namen „Konservativ-Revolutionäre Bewegung“ zu etablieren.

Das norwegische Justizministerium enthielt sich jedes Kommentars. Empört reagierten jedoch Überlebende und Familienangehörige von Opfern des Terrors von Oslo und Utoya im Jahre 2011. Der Utoya-Überlebende Eivind Rindal, 24, sprach von „Krokodilstränen eines kaltblütigen Kindermörders“. Breivik solle begreifen, dass er nicht im Gefängnis sitzt, weil er Socken aus einem Laden gestohlen hätte. Er solle dafür dankbar sein, dass er in Norwegen verurteilt worden wäre und nicht in einem anderen Land mit anderen Gesetzen.

„Es lebe das weiße Europa!“

Unterdessen scheinen die politischen Vorstellungen des Attentäters auch ohne sein Zutun Umsetzung zu erfahren.

Wie das Onlinemagazin ha’Galil berichtet, fand am Wochenende des 3./4.11. in der südfranzösischen Rechtsextremisten-Hochburg Orange ein Konvent der „Identitären Bewegung“ statt. Dabei trat als Redner unter anderem der Lega-Nord-Europaabgeordnete Mario Borghezio auf, der sich bereits kurz nach den Attentaten Breiviks lobend über dessen Ideen geäußert hatte.

Borghezio machte deutlich, dass die „Identitäre Bewegung“ trotz vereinzelter taktischer Distanzierungen das Potenzial aufweist, zu jener politischen Kraft aufzusteigen, die entschlossen und in der Lage wäre, die Gedanken Breiviks aufzugreifen und weiterzuentwickeln. „Man muss das Buch, die Ideen einsetzen, aber auch den Stock. Man muss knüppeln, wenn es notwendig ist“, wird Borghezia zitiert. Ferner soll er seinen jubelnden Anhängern zugerufen haben: „Ein Volk, das ist das Blut, die Ethnie, die Traditionen und unsere Vorfahren! Es leben die Weißen in Europa! Es lebe unsere Rasse!“