Kritik an geplanter Darwinismus-Streichung aus Lehrplänen in Türkei

Die größte türkische Oppositionspartei CHP hat Regierungspläne kritisiert, die Evolutionstheorie von Charles Darwin und den Darwinismus aus den gesetzlichen Schullehrplänen zu streichen. Der CHP-Abgeordnete für Istanbul, Baris Yarkadas, warf der islamisch-konservativen AKP vor, das Land nach islamischen Gesetzesprinzipien regieren zu wollen.

«Eine erwiesene Theorie aus den Lehrplänen zu entfernen heißt, Wissen und Wissenschaft zu missachten. Die AKP-Regierung ersetzt sie mit einem Programm, das Scharia-Prinzipien enthält», sagte Yarkadas der Nachrichtenagentur dpa am Freitag.

Alpaslan Durmus, Oberster Erziehungsrat des Bildungsministeriums, hatte am Dienstag angekündigt, die Evolutionstheorie sei nicht Teil der neuen Lehrplanentwürfe. Durmus begründete die Entscheidung des Ministeriums damit, die Theorie sei «zu kompliziert» und «zu kontrovers» für jüngere Schüler. Der vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan genehmigte Lehrplanentwurf muss erst im Amtsanzeiger erscheinen, um in Kraft zu treten. Die CHP kündigte an, den gesetzlichen Lehrplan in diesem Fall vor Gericht anzufechten.

Im Februar hatte der türkische Bildungsminister Ismet Yilmaz mit der Andeutung, der Darwinismus werde eventuell aus den Lehrplänen gestrichen, für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. «Es gibt vielleicht Hunderte, Tausende Theorien. Wir können nicht alle behandeln», sagte Yilmaz damals in einem Fernsehinterview.

dpa