Leitkultur? Wir sind nicht Burka, wir sind Deutschland!

von Berk Günes

Wir sind keine Burka. Das ist klar. Wir sind Menschen, wie können wir da ein Vermummungsstück sein? Und wir Muslime sind Menschen in Deutschland, die lange dazugehören, die mithalfen das Land aufzubauen, die im Großen und Ganzen integriert sind. Laut Verfassungsschutzbericht sind 0,2 Prozent dem erklärten Feind und Angstbild der radikalislamischen Figur zuzurechnen. Jetzt kann man sich ausrechnen, wie viele Frauen es in diesem Milieu gibt und wie viele von denen überhaupt eine Burka tragen könnten. Der Versuch den anachronistischen Begriff Leitkultur erneut zu definieren und ihn der Bevölkerung zur Annahme zu präsentieren, rührt nicht, wie behauptet wird, aus der Selbstsicherheit zur Definition von einer bestimmten Kultur, sondern aus der Unsicherheit sich selbst zu profilieren und zu positionieren.
Eine Leitkultur hat historisch-kulturelle Wurzeln, die durch die Mehrheitsgesellschaft gebildet wird. Wie viel ein jeder – egal ob seine Vorfahren schon immer in Deutschland lebten oder nicht- sein eigenes Leben nach dieser einen, richtigen, deutschen „Leitkultur“ ausrichten möchte oder nicht, ist ihm selbst überlassen. Solange es legal ist und mit legitimen Mitteln gesichert wird, ist es in Ordnung und obliegt dem eigenen Ermessen. Jeder in diesem Land, Migranten sowie Nicht-Migranten, haben sich an das Grundgesetz zu halten. Wenn man die Klassenregeln ähnlichen Punkte aus Thomas de Maizeres Beitrag ernst nimmt, dann lebt ein Großteil der Muslime die deutsche Leitkultur. Viele von uns sind also nicht Burka. Viele von uns sind Deutschland.
Man muss nur die Boulevardpresse lesen können, um zu verstehen dass die Speerspitze der vermeintlichen Identitätsdebatte gegen die „Bösen“ unter den Muslimen gerichtet ist, um im nächsten Wahlkampf die Protest- und Unsicherwähler zu fangen. Auf dem Rücken von Migranten und Flüchtlingen wird versucht den rechtspopulistischen Trend zum Stimmenfang zu nutzen. Mit einem derart populistischen und deplatzierten Beitrag über die Medien an die Öffentlichkeit zu gehen, ist nicht nur dekonstruktiv, sondern frecher Wahlkampf par excelence.
In Zeiten von wachsendem Populismus, brennenden Flüchtlingsheimen, Rechtsextremismus auf vielen Ebenen, sollte die Headline für einen Beitrag eines Innenministers mit Bedacht gewählt werden – Um es mit de Maizeres Worten zu beschreiben: Es sollte ein „Kitt“ sein, nicht ein „Keil“, der uns spaltet. Auch wenn es um Wahlstimmen geht. Welche Folgen es sonst haben könnte, zeigen uns jüngst die Entwicklungen in den USA und derzeit die Ereignisse in Frankreich.

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