Medienkritik

Ausschreitungen in Hamburg: Sind Kurden keine Muslime?

Am Abend ist in Hamburg eine Demonstration eskaliert. Die Nachrichtenagentur dpa titelt bereits: „Ausschreitungen zwischen Kurden und radikalen Muslimen“. Da stellt sich die Frage, ob Kurden keine Muslime sind. (Foto: dpa)

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Das Thema „Kobani“ schwappt allmählich auf die Straßen in Deutschland über. Bei der ohnehin aufgeheizten Stimmung ist es wichtig, deeskalierend einzuwirken, diese Aufgabe kommt vor allem den Medien, insbesondere den Nachrichtenagenturen zu.

Schon allein die Vermutung der Polizei, dass bei der gestrigen Demonstration „Salafisten“ mitgemischt haben könnten, reicht für die dpa aus, die Schlagzeile „Ausschreitungen zwischen Kurden und radikalen Muslimen“ zu formulieren. Wie weit reicht das Fingerspitzengefühl von dpa-Abonnenten, um diese Überschrift nicht unreflektiert zu übernehmen?

Wer kann überprüfen, wer bei Demonstrationen auf welcher Seite steht? Welche Gesinnung er/sie hat? Müssen sich die Demonstranten vorher anmelden und persönliche Daten durchgeben?

In der Meldung heißt es: „Ein dpa-Fotograf vor Ort berichtete in der Nacht, die Polizei habe die Zufahrtsstraßen zu der Moschee komplett abgesperrt. Einsatzwagen blockierten den Sichtkontakt zwischen den Gruppen. Dann hätten mit Metallstangen, Macheten und spitzen Gegenständen Bewaffnete die kurdischen Demonstranten angegriffen, die ebenfalls Waffen bei sich trugen. Die Lage sei „ausgesprochen gewalttätig“ gewesen.“

Beide Seiten waren also bewaffnet. Es könnte sein, dass sich PKK-Sympatisanten unter die „Kurden“ gemischt haben. Wer kann das ausschließen?

Nur weil die PKK sich dort gegen den IS oder gegen wen auch immer stellt, ist aus ihr noch lange keine friedliebende Organisation geworden. Terroristen sind Terroristen, auch wenn sie gegeneinander kämpfen.

Man muss natürlich auch die Medien verstehen, solche Schlagzeilen wie die der dpa verkaufen sich besser als wenn es heißt „Verletzte bei Ausschreitungen in Hamburg“. Doch Pauschalisierungen und Schubladendenken machen die Situation nicht besser, und solange diese weiter zum Einsatz kommen, darf an der Intention und dem Interesse mancher Agenturen und Medien weiter gezweifelt werden.