Mitten aus dem Leben

Der Elefant, der mir den Neuanfang lehrte

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Ich habe vor einiger Zeit eine kleine Erzählung auf Facebook gelesen, welche mich seitdem beschäftigt. In der Erzählung ging es um einen Elefanten, welcher trotz seiner enormen Kraft nur an einem kleinen Pfahl vor einem Circus festgebunden war und anscheinend auch kein Interesse daran hegte, sich von diesem zu befreien. Man fragt sich, wie es sein kann, dass dieses Tier trotz seiner Kraft nicht den Willen hat, sich loszureißen. Der Autor führt aus, dass Elefanten von frühster Kindheit an an solche kleinen Pfähle gekettet werden. So lernen diese, dass sie zu schwach sind, um als kleiner, wehrloser Elefant den Pfahl aus dem Boden zu reißen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Elefant auch tatsächlich zu schwach, er zerrt, wehrt und stemmt sich mit aller Kraft gegen diesen Pfahl, bis er einsieht, dass er zu schwach ist.

Doch mit der Zeit wächst dieses kleine Elefantenbaby zu einem großen, prächtigen Tier heran. Trotzdem wird er nicht mehr länger versuchen, sich zu befreien, da er eingesehen hat, dass er es schlicht und ergreifend nicht kann. Das einzige, was den Elefanten also nun an diesem Pfahl festhält, ist der Gedanke, dass er zu schwach ist.

Manchmal, sind es kleine Ereignisse und Geschichten, über die wir uns am längsten den Kopf zerbrechen, und manchmal reicht solch eine kleine Erzählung, um einen Schalter im Kopf umzuschalten, welcher anscheinend lange Zeit festgehangen hat.

Wir geben oft auf, bevor wir überhaupt anfangen. Selbst wenn wir wissen, dass wir ein Talent haben, blicken wir zuerst zu den Menschen hoch, die es besser können und sagen uns, es gibt schon jemanden der das macht, kann oder besser kann. Wir lassen uns von Vermutungen, aus unserem Umfeld leiten, und reden und verbringen meist mehr Zeit damit, an uns und unseren Zielen zu zweifeln, als wir tatsächlich für diese arbeiten. Wir haben Angst davor, was andere Menschen von uns denken könnten oder schlimmer noch, dass wir scheitern und somit unser Umfeld bestätigen könnten. In solchen Momenten bleiben wir seelisch leider an den Pfahl gekettet. Wir vergessen, dass das Scheitern und das Hinfallen zum Erfolg dazugehören. Es gehört dazu, den „Pfahl“ nicht auf Anhieb rausreißen zu können. Jedoch vergessen wir, dass je länger wir für etwas kämpfen, desto köstlicher schlussendlich der Sieg sein wird.

Wir gucken auf zu unseren Idolen und philosophieren über die Gründe, warum diese Person ihr Ziel erreichen konnte, und was alles für ihren Erfolg sprach, mögen es die finanziellen Mittel, die richtigen Kontakte oder andere Chancen sein, die wir selber nicht haben/hatten.

Wir sehen die Person und vergessen oft, dass diese auch an einem Punkt entschieden hat, sich von dem „Pfahl“ loszureißen. Ohne sich Sorgen zu machen, wohin der Weg führt. Denn, das wichtigste bei dieser Reise ist, sich erst einmal seelisch von dem Pfahl trennen zu können.

Kein Architekt, Regisseur, Schauspieler oder Arzt ist als ein solcher auf die Welt gekommen. Nein, man bekommt die Gabe, das Talent zwar in die Wiege gelegt, jedoch liegt es an uns, dieses Talent zum höchsten uns möglichen Level zu bringen. Wir sehen die Erfolge, was wir jedoch übersehen ist der Weg, den dieser Mensch gegangen ist, um an diesem Punkt anzukommen. Man ist nicht von Tag eins gut in etwas, und entscheidet sich dann, seine ganze Kraft und Zeit in dieses Talent zu investieren. Nein, man trainiert, setzt seine Kraft und Zeit auf etwas an, und als Resultat ist man gut oder vielleicht irgendwann der Beste in seiner Sparte.

Manchmal kennen wir die Menschen um uns herum besser als uns selbst. Wir können sagen, wer was gut kann und wer welches Talent hat. Irgendwann kommt es sogar zu dem Punkt, an dem wir uns darüber aufregen, dass dieser Mensch seine Kapazitäten nicht ausnutzt, sein Talent vergeudet, sagen wir immer so schön. Wir sagen es, weil uns dieser Mensch am Herzen liegt und wir wollen, dass er etwas aus seinem Leben macht und seine Ressourcen ausschöpft, aber was ist mit uns selbst? Warum fangen wir nicht mit unserer eigenen Kapazität an? Selbst wenn es kein anderer sieht, sollten wir uns doch gut genug kennen, um zu wissen, was wir können und was nicht.

Stellt euch vor, ihr habt eine kleine Schatztruhe, welche ihr Tag für Tag mit kleinen Kostbarkeiten füllt, aber diese Truhe nie jemandem zeigt. Nun kommt eine fremde Person, und erzählt euch, dass diese Kiste nichts wert ist. Was würdet ihr tun? Würdet ihr die Kiste wegwerfen, oder vergessen was in dieser Kiste ist? Stellt euch eure Fähigkeiten wie diese Kiste vor oder vielleicht sogar wie eine Spardose. Manchmal weiß man am Ende selber nicht mehr, wie viel sich angesammelt hat und ist überrascht über das Ergebnis.

Egal was man tut, egal womit man anfängt, am schwersten wird einem immer der Anfang fallen. In solchen Momenten wird der Zweifel immer am größten sein, doch wenn man sich nicht den entscheiden Ruck gibt, wird man diese Zweifel nur nähren. In solchen Situationen, versuche ich immer zurück an einen Punkt in meinem Leben zu gehen, an dem ich, nach meinem Empfinden, am wütendsten war. All die Kraft, all die Mut, die in solch einem Moment in einem selbst ist, ist unglaublich. Klar denkt man in solchen Moment zu meist nicht rationell, jedoch geht es mir allein um die Kraft, die man in solch einem Moment spürt. Ich versuche mir klar zu machen, dass falls ich diesen „Pfahl“ nicht mit aller Kraft jetzt aus seinen Ankern ziehe, später jede Stunde, die ich an diesem „Pfahl“ vergeudet habe, bereuen und eine noch größere Wut gegen mich selbst empfinden werde.

Ich wünsche euch alle Kraft der Welt, um euch von eurem seelischen Pfahl zu lösen. Möge das, was ihr am Ende erreicht, schöner sein, als alles, was ihr euch hättet erträumen können.