Islam und Musik: Wenn sich Propheten auf der Konzertb체hne begegnen

Die vier S채nger erhoben sich von ihren St체hlen und verbeugten sich. Die Dirigentin gab das Zeichen, die Musikerin begann die 쁔schang zu spielen (vertikale Winkelharfe). Es ert철nte orientalische Musik und der Zauber verbreitete sich im ganzen Saal. 얦ein Name ist Ibn Ishaq. Ich wurde in der Stadt Medina geboren, im Jahre 704 nach Christi Geburt. Ich wuchs unter Muslimen auf und h철rte viel 체ber den Muhammad, unseren Propheten, sprach der erste S채nger. Die Begegnung der Propheten begann.

Vergangenen Sonntag hatte ich die Ehre, der Urauff체hrung des St체ckes ‚Begegnung der Propheten‘혻von Erhan Sanri in der Berliner Philharmonie beiwohnen zu d체rfen. Auf dem Programm stand eine muslimische Kantante. Muslimische Kantate? Ja, Sie haben richtig gelesen. Islam in Form von Gesang und Musik auf einer deutschen B체hne.

Selbst nach meiner Recherche und dem Interview mit den Organisatoren dieses Konzertes konnte ich mir nicht vorstellen, wie dieses Konzert ablaufen sollte. Erstens darf man die koranischen Verse nicht singen und zweitens befinden wir uns in Deutschland, das hei횩t, dass alles auf Deutsch ablaufen musste. Im Vorgespr채ch erfuhr ich allerdings, dass auch t체rkische Verse eingebaut wurden. Auf dem Weg zum Konzert wurde ich immer neugieriger und ich zerbrach mir den Kopf dar체ber, wie dieser Abend nun verlaufen w체rde.

Kurz vor 20 Uhr betrat ich den Saal und setzte mich auf meinen reservierten Platz im ersten Block, in der dritten Reihe. Ich konnte alles perfekt beobachten. Der Saal war recht voll. Sch채tzungsweise passten hier 1500 Menschen hinein und fast jeder Platz war besetzt. Noch unterhielten sich alle aufgeregt und einige Zuschauer bl채tterten in dem Heft, in dem alle Informationen sowie Texte enthalten waren. Die B체hne wurde erleuchtet, der Chor, das Orchester, die S채nger und die Dirigentin traten nacheinander ein und der Saal verstummte.

Dem Chor Berliner Cappella und dem 횜lberg-Chor der evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde in Berlin war es in Zusammenarbeit mit Sanri gelungen, ein au횩ergew철hnliches Werk auf die B체hne zu bringen. Die Geschichte der Propheten Muhammad, Jesus, Abraham und Moses wurde durch Hadithe oder koranische Verse ins Deutsche 체bersetzt und dem Publikum in Form von Gesang vorgetragen. Die S채ngerin, welche die Rolle einer Muslimin 체bernahm, betonte direkt am Anfang: […] Ich bin ein Erkl채rer. Alles, was ich spreche bzw. singe, steht nicht im Koran. Die S채nger sangen und sprachen die Geschichten abwechselnd. Der Chor stimmte mit ein und zwischendurch wurden die deutschen Verse ebenfalls auf t체rkisch vorgetragen. Bei den dramatischen Stellen wurde die Musik lauter und an den Stellen, an denen der Zuh철rer besonders aufmerksam wurde, ert철nte die orientalische Musik des Tschangs und einer Fl철te.

Entstehung der Idee

Erhan Sanri vertont mit seiner muslimischen Kantante zentrale Inhalte der islamischen Theologie mit Mitteln europ채ischer Musiktradition. Inhalte waren unter anderem das Leben des Propheten Muhammad, wie er von den Engeln auf die Rolle des Gesandten vorbereitet wird, die unbefleckte Empf채ngnis Marias und혻die Geburt Jesu sowie die Geschichte Mose, dessen Stock sich in eine Schlange verwandelte und die Schlangen der Zauberer des Pharaos aufa횩.

Der Komponist, der 1957 in Istanbul geboren und in Hamburg aufgewachsen ist, entwickelte bereits fr체h eine Leidenschaft f체r die Musik. Sechs Wochen nachdem er den Kompositionsauftrag der Berliner Cappella erhalten hatte, kam ihm der Gedanke ein muslimisches Oratorium zu schreiben. 얱arum eigentlich nicht? Es gibt ja doch nicht wenige muslimische Musiker. Und: Muss denn ein geistliches Werk f체r Chor und Orchester immer eine j체disch-christliche Thematik haben?

Sanri, der aus einem muslimischen Elternhaus stammt, musste erst einmal den Koran lesen, um das Projekt durchf체hren zu k철nnen. Seit Kind auf habe man ihm gesagt, dass der Koran aus der arabischen Sprache nicht in eine andere 체bersetzt werden d체rfte und daher wusste er bis heute nicht, was eigentlich darin stand. W채hrend er also den Koran las, suchte er nach einer passenden Geschichte, die er vertonen konnte. Beim Lesen war ihm aufgefallen, dass im Koran dieselben Propheten auftreten wie in der Bibel. So entstand seine Idee, ganz einfach auf diese Gemeinsamkeiten in einem Werk aufmerksam zu machen. Um aus Respekt gegen체ber den Muslimen nicht den Propheten Muhammad auf die B체hne zu bringen, lie횩 er Ibn Ishaq f체r ihn sprechen, welcher die Hadithe und Dokumente des Propheten erstmalig in einem Buch niederschrieb.

F체r mich war es ein einmaliges Erlebnis, von dem ich positiv 체berrascht war. Eine Art Dialog der Religionen, der auf k체nstlerische Weise ausgetragen wurde und dem ahnungslosen Zuh철rer Wissen auf eine angenehme und authentische Art und Weise vermittelte.