Nahost-Konflikt

Israelischer Polizist nach Prügelattacke auf arabischen Jugendlichen angeklagt

Gegen einen israelischen Grenzpolizist ist Anklage wegen schwerer Gewaltverbrechen erhoben worden. Der Beamte soll den Cousin des ermordeten palästinensischen Jugendlichen Muhammad Abu Chedair geschlagen haben. (Foto: reuters)

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Israelischen Sicherheitskräften wird von Kritikern immer wieder vorgeworfen, im Umgang mit Palästinensern vor Gewaltanwendung nicht zurückzuschrecken. Im Internet kursieren Aufnahmen, die zeigen, wie israelische Grenzbeamte Palästinenser misshandeln und demütigen sollen. Das Handeln der Soldaten bleibt meist ohne Konsequenzen.

Doch nun muss sich ein israelischer Grenzpolizist für sein Verhalten vor Gericht verantworten. Der Beamte soll einen 15-jährigen arabischen Jugendlichen mehrfach geschlagen haben und ist nun angeklagt worden. Bei dem Opfer handelt sich demnach um Tarek Abu Chedair (Foto), den Cousin eines 16-jährigen Palästinensers, der Anfang Juli von drei Israelis bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Darüber hinaus ist der Junge US-Bürger. Das berichteten israelische Medien am Mittwochabend.

Israelische Medien hatten Anfang Juli über ein Video berichtet, auf dem zu sehen sein soll, wie ein palästinensischer Jugendlicher von israelischen Grenzpolizisten geschlagen wird. Kurz darauf wurde bekannt, dass das Opfer US-Bürger sein soll. Die Nachrichtenseite „ynet“ zitierte das Justizministerium, demzufolge „Beweise gefunden wurden, welche die Schuld des Polizisten, der wegen schweren Gewaltverbrechen verdächtigt wird, stützen“.

Schläge für den Cousin des ermordeten palästinensischen Jungen 

Mitte Juni waren drei israelische Jugendliche entführt und nach Darstellung der israelischen Regierung von mutmaßlichen Hamas-Mitgliedern getötet worden. Der 16-jährige Muhammad Abu Chedair wurde offenbar aus Rache für die Ermordung der israelischen Jugendlichen getötet. Bei den festgenommenen Tatverdächtigen handele es sich um eine „Zelle von Mitgliedern des ultrarechten Lagers“, berichtete der israelische Rundfunk unter Berufung auf Polizeikreise. Drei der Tatverdächtigen haben die grausame Tat bereits gestanden.

Das ZDF Auslandsjournal warf den israelischen Sicherheitskräften in Bezug auf die Entführung der drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland Mitte Juni vor, der Öffentlichkeit bewusst entscheidende Informationen vorenthalten zu haben, um Emotionen zu schüren. Die Morde hatten zur jüngsten Eskalation der Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern entscheidend beigetragen. Israel hatte nach dem Tod der drei vermissten Jugendlichen massive Luftangriffe auf den Gazastreifen geflogen. Bei den in den Wochen darauf folgenden Kampfhandlungen und Bombardements starben Tausende Palästinenser, der Großteil davon Zivilisten. (dpa/dtj)