Jerusalem: „Auch die Mauer in Palästina wird fallen, zusammen mit der Besetzung“

Gestern vor 25 Jahren fiel die Berliner Mauer. Die Stadt, das Land und die Menschen waren nach Jahrzehnten endlich wiedervereint. Aus Anlass des Gedenkens an den historischen Tag haben palästinensische Aktivisten ein Loch in die umstrittene Mauer in der Ortschaft Bir Nabale nördlich von Jerusalem geschlagen, um einmal mehr die weltweite Aufmerksamkeit auch auf ihre Situation zu lenken.

Wie die palästinensische Nachrichtenagentur Ma’an News berichtet, haben Aktivisten, die lokalen „Widerstandskomitees“ angehören, am Samstag ein Loch in die Mauer geschlagen, die durch die Westbank verläuft.

„Egal, wie hoch man Mauern baut, sie werden fallen“, hieß es in einem von Ma’an zitierten Statement des Volkskomitees. „So wie die Berliner Mauer fiel, wird auch die Mauer in Palästina fallen, zusammen mit der Besetzung.“

Israel hatte im Jahre 2002 in Mitten der Zweiten Intifada mit der Errichtung einer Barriere entlang der Grenze zur Westbank begonnen, nachdem es zu einer Reihe schwerer Attacken gekommen war, die von der Westbank aus organisiert worden waren. Seit dieser Zeit ist diese Befestigung umstritten, vor allem weil sie Teile der Westbank durchschneidet und palästinensische Enklaven geschaffen hat, die zwischen der Barriere und der Grünen Linie liegen. Es hatte eine Reihe von Klagen gegen die Einfriedung gegeben, in vielen Fällen wurde deren Verlauf auch geändert.

UNESCO-Welterbe in der Westbank

Ende September wurde eine Entscheidung des israelischen Kabinetts vertagt, in der es um die Befestigungsroute nahe dem palästinensischen Dorf Battir gehen sollte. Es war eigentlich mit der Zustimmung zu der Route gerechnet worden, die zuvor von Dorfbewohnern, Denkmalschützern, Natur- und Landschaftsschützern, der Leitung der israelischen Nationalparks und sogar jüdischen Siedlern aus dem Siedlungsblock Gush Etzion kritisiert worden war.

Infolge eines Notappells palästinensischer Offizieller hatte das Welterbe-Komitee der UNESCO im Juni Battir ihrer alten, aber noch heute bewirtschafteten landwirtschaftlichen Terrassenflächen wegen zur geschützten Stätte des Welterbes erklärt. Daraufhin hatte der Präsident des Obersten Gerichtshofs, Asher Grunis, der Regierung aufgetragen, im Lichte der politischen Folgewirkungen die Entscheidung, in der Gegend um Battir den Schutzwall zu bauen, noch einmal zu überdenken.