Nationalistische Abendmahlsgemeinde

Der 10. Kongress der 얪artei der Nationalistischen Bewegung (MHP) in Ankara wich erstmals seit Langem von der gewohnten Choreographie ab. Und das lag nicht nur daran, dass man sich mit Autorit채ten des Gesundheitsministeriums herum채rgern musste, da dieses nach Hinweisen in sozialen Netzwerken ein Auge darauf werfen wollte, ob das sein 2008 geltende Rauchverbot in 철ffentlichen R채umen eingehalten w체rde.

Erstmals seit 2003 mussten die 1.241 Delegierten zwischen mehreren Kandidaten f체r den Parteivorsitz entscheiden und was die Sache noch weiter komplizierte auch zwischen mehreren Listen f체r den Exekutivrat und das F체hrungskomitee.

Bis dato waren f체r eine Kandidatur mindestens 40 Unterst체tzungserkl채rungen von Delegierten erforderlich, diesmal ordnete Bah챌eli selbst an, dass jeder, der wolle, f체r den Parteivorsitz kandidieren k철nne.

Konflikttr채chtige Kampfkandidatur

Am Ende machte, nachdem urspr체nglich neun weitere Personen Ambitionen angemeldet hatten, nur der MHP-Parlamentsabgeordnete Koray Ayd캇n aus Trabzon als einzig ernstzunehmender Kandidat davon Gebrauch. Und wie man es auch von ultrarechten Parteien aus anderen europ채ischen L채ndern kennt, hatte der Begriff 얤ampfkandidatur auch tats채chlich etwas mit 얤ampf zu tun.

Was nach Abzug der Untergriffigkeiten an Substanz 체brig blieb, war, dass Ayd캇n aus der MHP eine massentaugliche Partei machen wollte, die in der Lage w채re, in der T체rkei die Macht zu 체bernehmen, w채hrend Bah챌eli das Konzept der straff organisierten Kaderpartei favorisierte und die doktrin채re Ausrichtung in den Vordergrund stellte. Ein Konzept, mit dem er auch den Nerv der Gefolgschaft traf: Zwar konnte Ayd캇n mit 441 Delegiertenstimmen gegen체ber 2003, wo er nur auf 137 gekommen war, nicht unwesentlich steigern, Bah챌eli hatte dennoch mit 725 Voten am Ende deutlich die Nase vorn.

In seiner programmatischen Ansprache warf Bah챌eli sowohl der t체rkischen Regierungspartei AKP als auch der gr철횩ten Oppositionspartei CHP vor, in den letzten 10 Jahren die T체rkei an den Rand des Zerfalls gebracht zu haben. Die MHP w채re die einzige Partei des Landes, die noch 체ber einen nationalen Standpunkt verf체ge.

Bah챌eli warf Premierminister Erdo휓an vor, er w체rde mit 얺lutsaugenden Vampiren zusammenarbeiten, womit er allerdings nicht auf den bevorstehenden Kinostart des letzten Teils der 얮wilight-Saga anspielte, sondern auf ein angebliches 얟r철횩eres Projekt f체r den Mittleren Ostens, das die USA ins Auge gefasst h채tten, um die Region zu kontrollieren. 얱enn die nationalistische Bewegung besteht, sind wir noch nicht verloren. Wenn es die Idealistenbewegung gibt, ist noch nichts zu Ende, beschwor Bah챌eli die Menge. Deshalb sei es auch so wichtig, programmatisch keinerlei Zugest채ndnisse zu machen.

Der kurdische Terrorismus und die Verw채sserung der t체rkischen Identit채t in einem multinationalen 얖natolien-Konzept, f체r das die AKP und Premierminister Erdo휓an stehen w체rden, w채ren die gr철횩ten Probleme des Landes und nur die Betonung des T체rkentums und der republikanischen Prinzipien b철ten einen Ausweg. Bah챌eli beschuldigte Erdo휓an au횩erdem, den inhaftierten Kurdensprecher 횜calan erst in einen Hausarrest schicken und in weiterer Folge freilassen zu wollen.
Gru횩botschaften an Putschoffiziere

Auch wenn die Kampfkandidatur eine teilweise aggressive Schlammschlacht zwischen den Parteifl체geln mobilisierte, war man sich doch am Ende einig, als es um gemeinsame alte Freunde ging. So sandte Bah챌eli vom Podium aus Gr체횩e ins Silivri-Gef채ngnis, in dem die meisten Verd채chtigen im Zusammenhang mit den Ergenekon- und Balyoz-Putschprozessen festgehalten werden. Der Vorsitzende des Parteirates der MHP, Tu휓rul T체rke힊, verlas eine Gru횩botschaft von Engin Alan, einem MHP-Abgeordneten, der als Verd채chtiger im Zusammenhang mit dem Balyoz-Prozess einsitzt.

Die MHP verzeichnet zurzeit in Umfragen einen ganz leichten Aufw채rtstrend und liegt bei etwa 14,5%. Sie profitiert davon, dass unzufriedene AKP-W채hler aus grunds채tzlichen Erw채gungen nicht dazu tendieren, ins Lager der CHP zu wechseln und umgekehrt. Allerdings ist die Partei selbst von einem zweiten Platz in der W채hlergunst bis auf weiteres weit entfernt.