Özdemir kritisiert Gaucks Äußerungen zum Islam

Dortmund (dpa) – Grünen-Parteichef Cem Özdemir hat mit Unverständnis auf Bundespräsident Joachim Gaucks Äußerungen zur Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland reagiert. «Ich kann diese Differenzierung zwischen Islam und gläubigen Muslimen nicht nachvollziehen», sagte Özdemir den «Ruhr Nachrichten» (Freitag). Wenn der Bundespräsident erkläre, dass in Deutschland lebende Muslime zu Deutschland gehörten, «dann gehört natürlich auch ihr Islam zu Deutschland», widersprach Özdemir.

In einem «Zeit»-Interview hatte sich Gauck von der Einschätzung seines Vorgängers Christian Wulff distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. «Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland», sagte Gauck. Den Satz von Wulff könne er so nicht übernehmen, «aber seine Intention nehme ich an». Gaucks Vorgänger hatte mit seinen Äußerungen 2010 eine heftige Debatte ausgelöst.

Özdemir sagte dazu, seit den 60er-Jahren seien Muslime nach Deutschland eingewandert und neben ihrem Menschsein, ihren Sprachen und ihrer Kultur hätten sie eben auch ihre Religion mitgebracht. Bereits der heutige Bundesfinanzminister und damalige Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) habe daher 2006 mit gutem Grund festgestellt, dass der Islam ein Teil Deutschlands sei. «Es kann keinen Zweifel daran geben, dass der Islam, der Teil unseres Landes ist, unter dem Dach unseres Grundgesetzes gelebt werden muss. Das gilt für jede Religion, ob eingewandert oder nicht», erklärte der Grünen-Chef.