Peinlicher Patzer oder bewusste Fake-News: Regierungsnaher Sender vertauscht Personen

Ob es sich lediglich um einen peinlichen Fehler oder um bewusst gestreute Fake-News handelt, kann zwar nicht eindeutig gesagt werden. Doch Fakt ist, dass der regierungsnahe Sender A-Haber nicht zum ersten Mal mit solch merkwürdigen Beiträgen Schlagzeilen macht. Mal waren es die Codes aus dem Konsolenspiel GTA, die für „Geheimcodes des Putschversuchs“ gehalten wurden. Ein anderes Mal waren es die Bilder aus einem Computerspiel, die als originale Aufnahmen einer Luftoperation der türkischen Armee ausgegeben wurden.

Nun macht der Sender auch mit einem Patzer in Deutschland Schlagzeilen. Die Frauenrechtlerin Seyran Ateş eröffnete am Freitag eine Moschee, in der Männer und Frauen nebeneinander beten können statt getrennt, wie sonst üblich. Unter konservativen Muslimen ist ein solches Projekt höchst umstritten. Und das wollte der Sender A-Haber anscheinend nutzen, um den politischen Gegnern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, dem der Sender nahesteht, weiter Schaden unter Türken zuzufügen und diese zu denunzieren. Dabei wurde in einem Bericht ein Mann als Ercan Karakoyun, dem Vorsitzenden der Stiftung der Gülen-Bewegung (Stiftung Dialog und Bildung) ausgegeben. Doch das kuriose an der Geschichte: Bei dem Mann handelt es sich eindeutig nicht um Karakoyun, sondern um den bekannten Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi.

Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi wird als Ercan Karakoyun dargestellt.

Ercan Karakoyun, Vorsitzender der Stiftung Dialog un Bildung.

Ercan Karakoyun

„So arbeiten die Erdogan-Medien“

„Der Herr auf dem Bild bin nicht ich! So arbeiten die Erdogan Medien…“, schrie Ercan Karakoyun am Abend via Facebook auf. „Was ist das für eine Unverschämtheit. Gott möge euch rechtleiten. […] Ihr zeigt einen anderen Mann und gibt ihn aus, als wäre es ich. Eure Lügen kann man nicht mehr mitzählen.“, schreibt Karakoyun weiter in türkisch. 

Außerdem legt der Bericht nahe, dass die Moschee von der Gülen-Bewegung eröffnet wurde. Die Gülen-Bewegung würde um seine eigenen Ziele und Zwecke zu erreichen, islamische Werte „mit den Füßen treten“, so heisst es im Bericht.

Hier geht es zum Bericht von A-Haber: http://www.ahaber.com.tr/webtv/gundem/fetonun-berlinde-yeni-skandali